Telekom-Tochter Fassungslosigkeit bei T-Systems

Tausende Jobs sollen bei T-Systems wegfallen

(Foto: AFP)
  • T-Systems will 6000 Stellen in Deutschland streichen, weltweit sind insgesamt etwa 10 000 Jobs betroffen.
  • Die Telekom-Tochter leidet unter dem harten Wettbewerb in ihrem Stammgeschäft, der IT-Wartung.
  • Die Gewerkschaft Verdi kündigt an, gegen die Sparpläne zu kämpfen.
Von Valentin Dornis und Benedikt Müller, Düsseldorf

Die Deutsche Telekom plant den größten Personalabbau seit ihrer Privatisierung vor zwei Jahrzehnten: Die Konzerntochter T-Systems, bislang einer der größten IT-Dienstleister Deutschlands, will bis zum Jahr 2020 etwa 10 000 Stellen streichen, davon 6 000 in Deutschland. Dies hat T-Systems-Chef Adel Al-Saleh am Donnerstag in einer Mitarbeiterversammlung bekanntgegeben. Von Arbeitnehmerseite heißt es, im Unternehmen herrsche nun Fassungslosigkeit.

T-Systems sichert etwa Unternehmen vor Hackerangriffen ab oder betreibt große Rechenzentren, damit Firmen ihre Daten in der Cloud speichern können. Die Telekomtochter leidet jedoch unter dem harten Wettbewerb in ihrem Stammgeschäft, die IT von Firmen zu warten. Alleine im vergangenen Jahr ist das Vertragsvolumen um 23 Prozent zurückgegangen. In diesem Jahr haben die Bonner weitere Großkunden verloren. Dass Aufträge auch mal nicht verlängert würden, kenne man in der Branche, sagte Al-Saleh im April bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als T-Systems-Chef. "Das Problem ist, wie viele Verträge wir in so kurzer Zeit verloren haben." T-Systems hat etwa 37 000 Beschäftigte, davon etwa 18 000 in Deutschland.

Die Gewerkschaft Verdi kündigt an, gegen die Sparpläne zu kämpfen. "Das neue T-Systems-Management ist offensichtlich nicht in der Lage oder nicht willens, tragfähige und ausgewogene Lösungen zu präsentieren", sagt Fachgruppenleiter Michael Jäkel. Der Gewerkschafter warnt vor einer "massiven Arbeitsplatzvernichtung".

Von 230 Niederlassungen in Deutschland sollen weniger als 20 übrig bleiben

Man wolle das Abbauprogramm "so sozial verträglich wie möglich gestalten", sagte Al-Saleh dem Handelsblatt. Die Telekom setze auf die natürliche Fluktuation, heißt es in Bonn, zudem könne der Konzern Mitarbeiter umschulen oder abfinden.

Doch bei etwa 2 000 Streichungen pro Jahr allein in Deutschland glaubt Verdi nicht an eine sozial verträgliche Lösung. Zumal der tarifliche Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen Ende dieses Jahres ausläuft - und bisher noch keine Verlängerung in Sicht ist. Die laufenden Tarifverhandlungen, die im April begannen, habe T-Systems in den vergangenen Monaten immer wieder verzögert, teilte Verdi mit.

Al-Saleh will die Kosten von T-Systems nun um 600 Millionen Euro senken. Bislang unterhält die Telekomtochter 230 Niederlassungen in Deutschland. Teilweise habe T-Systems mehrere Standorte in ein und derselben Stadt, sagt ein Sprecher. Nun sollen weniger als 20 Standorte hierzulande übrig bleiben. Das IT-Geschäft solle bis zum Jahr 2020 wieder Gewinne erwirtschaften, gab zuletzt Konzernchef Tim Höttges als Ziel vor. Die Ampel bei T-Systems sei "gelb-grün", sagte Höttges noch zur Bilanzvorlage im März.

Die Arbeitnehmervertreter glauben, dass das Management nur möglichst schnell möglichst viel Geld sparen wolle. So habe es auch Pläne verkündet, Teile der Geschäfte nach Indien und in andere Länder auszulagern, wo Arbeitskräfte billiger seien. "Wer dermaßen Hand anlegt, der ist vor allem an seinem eigenen Marktwert als Manager interessiert und nicht an einer langfristigen Funktionsfähigkeit des Unternehmens", hieß es aus Verdi-Kreisen.

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