Der gewaltige, nie versiegende Wachstumsschub in der Wirtschaft, unbestechlich attraktive, demokratische Ideale und ein einlösbares Freiheitsversprechen in einer liberalen Kultur machten Amerika zu einer unbezwingbaren Macht. Viele wollten so werden. Nach zwei Weltkriegen waren die Anker für eine globale Idee ausgeworfen - Amerikas Aufstieg zur Weltmacht, am Ende zur alleinigen Supermacht, war nicht aufzuhalten. Das hatte es seit Rom nicht mehr gegeben.
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Sieg im Wettbewerb der Ideen
Amerika gewann, weil es im Wettbewerb der Ideen siegte: Demokratie, Freiheit, Kapitalismus, kulturelle Attraktivität und im Zweifel die größere Kanone für den guten Zweck - die Zutaten der amerikanischen Erfolgsgeschichte waren universell zu gebrauchen, der Übergang zum amerikanischen System geradezu unausweichlich.
Allein: Das Wachstum scheint gestoppt, geradezu im Wortsinn. Der Kollaps der Finanzmärkte, ausgelöst in den USA, ist das Symbolbild eines größeren Systembruchs, eines geopolitischen Zeitenwandels, der bei weitem nicht erst im Jahr 2008 begann, aber in diesem amerikanischen Wahljahr zertifiziert wurde. Die Amerikaner stellen sich selbst eine Quittung aus, weil sie spätestens mit dem Zusammenbruch der eigenen Pensionsfonds gemerkt haben, dass es nicht mehr rund läuft, dass ihr Land an Kraft verliert in der Welt.
Die Präsidentschaft George Bushs versinnbildlicht diese Schwäche. Bush trat an zu einem Zeitpunkt, an dem die hegemoniale Selbstüberschätzung noch nicht arrogant artikuliert, aber schon längst gelebt wurde. Amerika hatte den Zenit seiner Macht erreicht und verbreitete seine Ideen unangefochten auf der Welt.
Die Revolution der Informationstechnologie ging vom Silicon Valley aus, die Hedgefonds-Kommandeure überzogen jede auch noch so kleine Ökonomie auf der Welt mit maßgeschneiderten Finanzierungs-Paketen, Amerika ließ auf der Welt produzieren und bezahlte mit dem Selbstbewusstsein des Marktführers.
Masterplan zur Bezwingung des Hegemons
Der Widerstand gegen diese Form der Führung war gering, aber er war nicht verschwunden. Heute ist klar: Auf dem Weg zur Zähmung Gullivers wuchs in Russland ein Rohstoff-Imperialismus heran, verbrüderten sich die Öl-Populisten von Venezuela bis Iran, suchte China stille Bruderschaften in seiner unmittelbaren Nachbarschaft - und entwarf Osama bin Laden mit seinen Geistesgenossen den Masterplan zur Bezwingung des Hegemons.
Amerika reagierte mit blanker Stärke, mit seinem so offensichtlich überlegenen Militär, mit seiner politischen Übermacht. Es forderte Gefolgschaft ein und wollte Demokratie erzwingen. Stattdessen erntete es noch mehr offenen Widerstand und stilles Unverständnis. Das amerikanische Modell wurde als einschnürend empfunden.
Ironischerweise waren es die Segnungen der Globalisierung, die Verbesserung des Lebensstandards hunderter Millionen Menschen in den sogenannten Emerging Economies, den Aufsteigerstaaten, die auch den Wunsch nach mehr Identität, nach eigenen nationalen Symbolen, nicht selten auch nach einem eigenen politischen Modell stärkten. Seltsamer, aber erklärbarer Widerspruch: Je mehr sich die Welt vernetzte, je mehr universelle Marktwerte und politische Standards galten, desto mehr wuchs der Wunsch nach Abgrenzung, kultureller Identität und Messbarkeit.
Kümmerliches Erbe
Die USA hatten in diesem Moment für ihren globalen Führungsanspruch aber nur eine nationale Hülle zu bieten. Oder wie indisch-stämmige Außenpolitik-Analyst Fareed Zakaria feststellte: "Amerika hat mit seiner großartigen, historischen Mission Erfolg gehabt: die Welt zu globalisieren." Aber dabei hat es versäumt, sich derselben Kur zu unterziehen.
So hinterlässt George Bush am Ende seiner Präsidentschaft von acht Jahren ein kümmerliches Erbe: Die Nation verunsichert bis ins Mark; zehn Billiarden Dollar Schulden, Tendenz steigend; das Militär in zwei Kriege verstrickt, die mit herkömmlichen Vorstellungen von Sieg oder Niederlage nicht zu beenden sein werden; Amerikas Vorbildrolle auf der ganzen Welt geschwächt; ideologische Rivalitäten weltweit; traditionelle Vorstellungen von Bündnis und Freundschaft beschädigt. Die wilsonische Idee der amerikanischen Sonderrolle, das gerade den Republikanern so vertraute Sendungsbewusstsein steht in Frage.
Viele amerikanische Analysten sprechen bereits von der "sanften Landung", der behutsamen Wiedereingliederung des Landes in die Reihe der Gleichgesinnten, von der Phase der Selbstbescheidung.
Aber ist die Zerknirschung nicht verfrüht, angesichts der nackten Marktdaten im geopolitischen Spiel? Amerikas Militär ist noch immer jedem potentiellen Herausforderer weit überlegen. Chinas strategische Ambitionen sind begrenzt, selbst das iranische Bedrohungspotential schrumpft auf ein Maß, das mit den Mitteln der Abschreckung leicht zu ertragen ist.
Russlands energiepolitisches Erpressungspotential sinkt mit dem Ölpreis, und alle aufstrebenden Ökonomien werden ihre Ambitionen zügeln müssen, solange die Volkswirtschaft Nummer eins ihre Nachfrage drosselt - und das ist nun mal die amerikanische. Um internationalen Einfluss und Durchsetzungskraft zu messen, reichen aber Panzerketten und Kaufkrafttabellen nicht aus. Die wahre Währung im Wettbewerb der Ideologien heißt: Legitimation, Glaubwürdigkeit.
Die Idee Amerika funktionierte, solange Amerika im Wettstreit der Ideologien, der Kulturen und der Freiheit mehr bot, als es abverlangte. Nun, am Ende der alten Ideologien, werden neue Antworten gesucht auf die Frage, wie viel Demokratie sein muss, wie viel Liberalität, wie viel Markt und wie viel Gerechtigkeit. Ein neuer Wettbewerb ist ausgebrochen um die perfekte Ideologie für das post-ideologische Zeitalter.
Wer also gibt sie, die Antwort auf die Frage nach der besten Gesellschaft, in der nationale Gefühle und die angenehmen Seiten der globalisierten Welt Platz haben, in der es gerecht und sozial zugeht, in der die Rettung des eigenen Planeten zum weltweiten Megathema wird, in der sich die Heterogenität der Welt widerspiegelt, ohne dass sie die Spannungen dieser Welt austragen muss?
Amerika hat sich zunächst auf ein Symbol verständigt. Ein kraftvolles Symbol: Barack Obama, einen schwarzen Präsidenten, in dem sich so viele auf der Welt spiegeln können. Obama ist der Globalisierungs-Präsident, weil er auch eine neue Sprache spricht, ohne seine Ideologie bisher preisgegeben zu haben. Ob er Amerikas Niedergang aufhalten, ob er das Land gar wieder stärken kann, ist aber ungewiss.
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(SZ vom 09.12.2008/hgn/pak)
Das von Obama in seiner Berliner Rede vom Sommer dieses Jahres Postulierte fußt auf völlig unzulänglichen analytischen Fähigkeiten. Die Mauer des Unerreichbaren gab es früher und sie bleibt auch künftig unangetastet. Zu fordern, es müsse strategisch darum gehen, insbesondere solche Mauern in Frage zu stellen, hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Geradezu eine Labsal wäre es deshalb, unterließen es vermeintliche Politiker in aller Öffentlichkeit bombastischen Unfug zu reden, der zudem zig-fach vervielfältigt voraussichtlich auch noch jahrelang ventiliert wird.
Dieser präzisen, kürzest-möglichen Zustandsbeschreibung von "Mephisto do Brasil"
"Schau' ma mal....
.... wie und ob Obama die nächsten 4 Jahre im Frontalangriff auf die Oligarchen aus der Öl-, Rüstungs-, und Pharma/"Gesundheits" - Industrie überleben wird.
Und selbst im Fall er überlebt das, mal sehen wer die nächste Wahl gewinnen wird, wenn die evangelikalen Fundis Marke "Mike Huckabee" wieder zurückkehren in die Wählerlisten....
Viellecht hilft bei dem ganzen wirklich nur noch ein "In God we trust" ;) "
gebü¨hrt ein ganz grosses Kompliment, weil dort punktgenau ausgedrückt wird, was aktuell -mit Obama, den USA und dem Kapitalismus- "Sache ist.
Im Gegensatz zu Mephisto glaube ich allerdings, nicht Ewiggestrige Neocons werden dieser Regierung nachfolgen, sondern entweder
- das totale Ende der Vorherrschft des Westens und seines Kapitalismus, d.h. das Chaos,
oder
- das sogenannte "Venus-Projekt", auf das ich, mit dem forlgenden Link, hier nochmals aufmerksam machen will.
http://video.google.com/videoplay?do...26537690187652
"unbestechlich attraktive, demokratische Ideale und ein einlösbares Freiheitsversprechen in einer liberalen Kultur " Unsinn! Erst die Ausrottung der eigentlichen Bevölkerung, dann die Sklaverei und später dann die Rassentrennung auch noch nach dem zweiten Weltkrieg, darauf baute Amerika auf!
"Demokratie, Freiheit, Kapitalismus, kulturelle Attraktivität und im Zweifel die größere Kanone für den guten Zweck " Vor allem die grössere Kanone, aber nicht für den guten sondern den eigennützigen Zweck!
"Es forderte Gefolgschaft ein und wollte Demokratie erzwingen. " Das ist ja fast der grösste Brüller in diesem ganzen Kommentar! Rund um die Welt demokratisch gewählte Regierungen wegputschen, die miesesten, für Geld zu bekommenden Diktatoren unterstützen und dann einen auf "Demokratieverbreiter" machen. Ich kann kaum glauben, dass das dem Herrn Kornelius entgangen sein sollte! Also warum erzählen sie uns so einen offenkundigen Unsinn, Herr Kornelius?
"Das amerikanische Modell wurde als einschnürend empfunden. " Ebenfalls Unsinn! Nicht das amerikanische Modell, sondern die gewalttätige ungerechte amerikanische Einmischung in die Belange aller Länder, die für die USA interessant waren, stösst die Menschen überall ab. Freiheit und Demokratie hingegen wollen die Menschen weltweit.
Kornelius`umfassendeForderung:
"Wer also gibt sie, die Antwort auf die Frage nach der besten Gesellschaft, in der nationale Gefühle und die angenehmen Seiten der globalisierten Welt Platz haben, in der es gerecht und sozial zugeht, in der die Rettung des eigenen Planeten zum weltweiten Megathema wird, in der sich die Heterogenität der Welt widerspiegelt, ohne dass sie die Spannungen dieser Welt austragen muss?"
wird HIER,
http://video.google.com/videoplay?do...26537690187652
mit dem sogenannten "VENUS Projekt", wie ich meine auf geradezu beispielhafte Weise -in English, aber mit deutschen Untertiteln- beantwortet.
Dieser amerikanische Film beschreibt -während NUR 2 Stunden- nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart, sondern zeigt auch eindrucksvoll auf, WIE die -friedliche!- Zukunft auf unserem Planeten aussehen könnte, wenn WIR nur wollten!
ALLEN empfohlen, die an wirklich neuen, statt der ununterbrochen wiedergekäuten, Ideen für die Zukunft der Menschheit interessiert sind.
"Denn was hätten Sie tun sollen, um islamistische Fanatiker in die Knie zu zwingen? Den Nahen Osten mit Atombomben überziehen? Wäre erstens undenkbar und zweitens immer noch nicht ausreichend gewesen. "
Die Ursachen bekämpfen und nicht die Wirkungen?
Paging