Swiss Life stellt Marke ein AWD heißt nicht mehr AWD

Für Firmengründer Maschmeyer war AWD ein Erfolgsmodell. Enttäuschte Kunden beklagen dagegen fragwürdige Geschäftspraktiken. Jetzt stellt der neue AWD-Eigentümer, der Schweizer Versicherer Swiss Life, die Marke ein.

Von Harald Freiberger, Frankfurt

Er ist einer der schillerndsten und umstrittensten Unternehmer, die es in Deutschland gibt: Carsten Maschmeyer, 53, Ehemann der Schauspielerin Veronika Ferres, steht mit einem Vermögen von 1,05 Milliarden Euro auf Rang 112 der Liste der reichsten Deutschen.

Was ihn so reich gemacht hat, war der Finanzvertrieb AWD, den er 1988 gründete und 2008 an den Schweizer Versicherer Swiss Life verkaufte. Dieser verkündete am Dienstag das Aus für den Namen AWD. Die Vertriebstochter wird in "Swiss Life Select" umbenannt.

Für Maschmeyer war das Anlass, noch einmal an die Größe seines Lebenswerks zu erinnern. Als er verkauft habe, hätten "6000 hoch qualifizierte Mitarbeiter zwei Millionen zufriedener Kunden mit zehn Millionen Verträgen betreut, die Europas größtem unabhängigen Finanzdienstleister vertrauten". Gleichzeitig äußerte er Verständnis für die Entscheidung von Swiss Life: Mit dem Einstieg des Versicherers seien "natürlich Veränderungen einhergegangen". Deshalb sei es "logisch und konsequent, wenn Swiss Life heute den Markennamen AWD aufgibt". Er freue sich aber, dass "das von mir erfundene Geschäftsmodell der unabhängigen Beratung bleibt, egal unter welchem Namen".

"Heerscharen von Opfern"

So unterschiedlich kann man die Dinge sehen: Für Anlegeranwälte ist der Name AWD ein rotes Tuch. "Maschmeyer hat kein Lebenswerk, sondern einen Scherbenhaufen hinterlassen", sagt der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter, der auch Professor für Wirtschaftsrecht an der FOM Hochschule in Essen ist. Maschmeyers Reichtum sei "auf Heerscharen von Opfern aufgebaut, die aus Kunden, Handelsvertretern und Geschäftspartnern bestehen". Oft seien es kleine Leute gewesen, denen AWD brüchige Produkte mit hohen versteckten Provisionen verkauft habe. "Betrachtet man die von AWD verkauften Altersvorsorgeprodukte, etwa geschlossene Immobilien-, Schiffs- und Medienfonds, kann man ohne Übertreibung behaupten, dass für die Anleger Schäden in volkswirtschaftlich signifikanter Höhe entstanden sind", sagt Reiter.

Trotzdem wurde Maschmeyer bis heute nicht rechtskräftig verurteilt - ein Umstand, auf den er immer wieder hinweist. Anwälte führen dies auf eine unzureichende Rechtsprechung zurück. So stufte der Bundesgerichtshof AWD als Strukturvertrieb ein und ließ in Sachen Provisionshöhe milderes Recht walten lassen als zum Beispiel für Banken. Auch bei der jüngsten Klagewelle gegen AWD wegen vermeintlich versteckter Provisionen ging mangels Beweisen noch kein Urteil zugunsten der Kläger aus.

Trotzdem dürfte der schlechte Ruf von AWD ein maßgeblicher Grund dafür sein, dass sich Swiss Life nun von dem Namen verabschiedet. Immerhin musste der Finanzvertrieb zuletzt allein 9,3 Millionen Euro zurückstellen, um sich gegen Prozesse wegen angeblicher Fehlberatung zu wappnen. Das ist mehr als der komplette Überschuss des vergangenen Jahres, sieben Millionen Euro.