Swasiland Bankrott eines Königreichs

Der letzte Monarch Afrikas hat Swasiland in den Ruin getrieben. Während er und seine 13 Frauen im Luxus schwelgen, sollen seine Untertanen noch härter und noch länger arbeiten. Doch das Volk begehrt auf.

Von Silvia Liebrich

König Mswati III. ist der letzte absolutistische Monarch Afrikas. Und wie andere Herrscher vor ihm liebt er prunkvolle Feste. Zu seinem 40. Geburtstag, das war vor drei Jahren, ließ er angeblich 50 000 Jungfrauen herbeischaffen, die barbusig vor seinem Palast tanzen mussten. Für Fahrten durch sein kleines Reich Swasiland, das im Norden von Südafrika liegt, steigt er gerne in eine seine teuren Limousinen made in Germany. Doch nun hat der Monarch ein ernsthaftes Problem: sein Land ist pleite, was man von ihm selbst wohl nicht behaupten kann. Er soll ein privates Vermögen angehäuft haben, das auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt wird.

Der Bankrott Swasilands war abzusehen. Seit vielen Jahren hängt das gerade einmal 13 000 Quadratkilometer große Land finanziell von Überweisungen aus Südafrika, Botswana und Namibia ab. Doch diese haben nach der Finanzkrise vor drei Jahren ihre Zahlungen um bis zu zwei Drittel gekürzt. Laut dem jüngsten Bericht der OECD zählt Swasiland zu den drei ärmsten Ländern Afrikas, nur Madagaskar und Elfenbeinküste stehen noch schlechter da. Die Arbeitslosigkeit ist mit 40 Prozent selbst für afrikanische Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Der Großteil der 1,3 Millionen Einwohner lebt von weniger als einem Dollar pro Tag. Ohne die Überweisungen von Verwandten aus dem Ausland würden viele nicht über die Runden kommen.

Im Land rumort es. Das Volk begehrt gegen seinen Herrscher auf. Die Menschen fordern eine demokratische Verfassung, seit 1973 sind politische Parteien im Land verboten. Widerstand und Menschenansammlung lässt der Herrscher von seiner Polizei brutal niederknüppeln. Kritiker des Königs beklagen seine Geldverschwendung, das Missmanagement seiner Regierung und Korruption. Um die kritische Lage zu entschärfen verkündete Mswati III. zuletzt, er wolle auf das geplante Silberjubiläum anlässlich seiner Thronbesteigung verzichten - ein Fest, das über 1,5 Millionen Dollar verschlungen hätte.

Wir stecken richtig tief in der Patsche", urteilt der Chefredakteur von Swasilands einzigem unabhängigen Magazin The Nation, Bheki Makhubus. Seit Monaten werden Beamte nicht mehr bezahlt, Budgets für staatliche Einrichtungen wurden radikal gekürzt. Die Straßenlaternen in der Hauptstadt Mbabane sind abgeschaltet. In öffentlichen Schulen findet kein Unterricht mehr statt. Die Regierung schuldet ihren Bediensteten fast fünf Millionen Euro. Auch die einzige Universität des Landes stellte ihren Betrieb Anfang August ein. Krankenhäuser können kaum mehr jemanden behandeln, weil Medikamente fehlen.

Swasilands Finanzminister, Majozi Sithole, warnt seit Monaten vor einer Staatspleite, während der König und seine 13 Frauen im Luxus schwelgen. Zu Einkaufstouren fliegen sie regelmäßig im Privatjet nach Dubai. Trotz Rezession ließ der Herrscher für seine jüngste Frau einen 15-Millionen-Euro-Palast errichten, wie afrikanische Medien berichteten. "Schuld am Staatsbankrott sind Fehleinschätzungen, mangelnde Führungsqualitäten und die Arroganz des Königs", urteilt der Journalist Makhubus.

Unterdessen warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor sozialen Unruhen in Swasiland. Vertreter der Organisation kündigten an, dass sich eine Delegation vor Ort ein Bild der Lage machen werde. Die Reaktion des Königs: Er fordert seine Untertanen eindringlich dazu auf, mehr und härter zu arbeiten. "In so schwierigen Zeiten wie diesen sollte unsere Arbeiterschaft eine neue Arbeitsethik an den Tag legen", rief er seinem Volk zu. Sich selbst hat er davon ausgenommen.

Erste Hilfe könnte nun aus Südafrika kommen. Ein Kredit über umgerechnet 237 Millionen Euro soll Swasilands Haushalt Ende des Monats erst einmal retten. Am schlimmsten trifft die Krise des Landes Arme und Aidskranke. Viele Aidspatienten hätten inzwischen Schwierigkeiten, die lebensrettenden Medikamente zu bekommen, erläutert der Aktivist Vusi Nxumalo. Swasiland hat nach Angaben der Entwicklungshilfeagentur der USA, USAID, mit etwa 26 Prozent die weltweit höchste HIV-Infektionsrate.

Wirtschaftsvertreter drängen darauf, die Regierung müsse mit dem Kredit ihre Schulden begleichen. Es seien bereits mehr als 50 Firmen pleitegegangen, weil die Regierung ausstehende Rechnungen nicht bezahlt habe, klagt der Unternehmerverband. Nach Schätzungen des Verbands schuldet die Regierung unabhängigen klein- und mittelständischen Unternehmen etwa 140 Millionen Euro.