Substanzen in Papierservietten und Papptellern Praktisch, bunt, giftig

Bedruckte Papierservietten und Pappteller enthalten oft giftige, krebserregende Substanzen, die auf Lebensmittel übergehen können. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verlangt nun nach strengeren Regeln: Gesundheit sei wichtiger als Gestaltung.

Von Daniela Kuhr

Zugegeben, Papierservietten sind nicht umweltfreundlich - aber ungeheuer praktisch. Vor allem Eltern kleiner Kinder wissen, wie gut es ist, immer eine zur Hand zu haben. Damit lassen sich verschmierte Münder sauber machen, umgeschüttete Saftschorlen aufwischen und übrig gebliebene Semmeln einwickeln. Was aber kaum einer weiß: Von den bunten Servietten geht eine Gefahr aus, die man ihnen nicht ansieht. Eine ernste Gefahr. Denn viele Farben, mit denen sie bedruckt sind, können "primäre aromatische Amine" enthalten - Substanzen, die laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) krebserzeugende und erbgutverändernde Eigenschaften aufweisen können.

"Auf Bitten einiger Bundesländer haben wir im vergangenen Jahr die Risiken untersucht, die von diesen Druckfarben ausgehen", sagt Andreas Luch, Leiter der Abteilung Chemikalien- und Produktsicherheit beim BfR. Dabei seien sie zu dem Schluss gekommen, dass "Verbraucher in jedem Fall so wenig wie möglich mit solchen Substanzen in Kontakt kommen sollten". Zudem sollte der derzeitige Grenzwert für krebserzeugende primäre aromatische Amine "überprüft werden".

Giftiger Ersatz für Teller

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht das Problem. "Wie man weiß, werden bunt bedruckte Servietten gelegentlich als Tellerersatz genutzt, etwa um Kuchen darauf abzulegen oder um das Pausenbrot einzuwickeln", sagt er. Bei diesen Kontakten aber könnten Bestandteile aus den Farben auf die Lebensmittel übergehen.

Tatsächlich ist das Problem noch viel größer. Denn es betrifft nicht nur Servietten, sondern viele weitere Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, etwa Pappteller, Muffin-Förmchen, Pappbecher, Bäckertüten oder auch andere Lebensmittelverpackungen. Besonders ernst wird es, wenn haltbare Lebensmittel, wie beispielsweise Nudeln oder Semmelbrösel, über einen längeren Zeitraum in einer bunt bedruckten Verpackung oder in einer Verpackung aus Recycling-Papier lagern. Dann haben in den Druckfarben enthaltene Mineralöle, die ebenfalls als krebserzeugend gelten, viel Zeit, auf die Lebensmittel überzugehen.

Bunte Farben "mit unbekanntem toxikologischem Wirkpotenzial"

In einem Papier des Bundeslandwirtschaftsministeriums heißt es: Behördliche Kontrollen der Länder hätten gezeigt, dass Lebensmittel häufig Bestandteile von Druckfarben enthalten - in Mengen, "die gesundheitlich vertretbare Schwellen überschreiten". Zudem seien mehrere weitere Chemikalien aus Druckfarben nachgewiesen worden "mit unbekanntem toxikologischem Wirkpotenzial" - soll heißen: wie gefährlich diese Substanzen sind, weiß man noch gar nicht.

Landwirtschaftsminister Schmidt plant daher, "in Kürze" der EU-Kommission eine Verordnung für Druckfarben vorzulegen. Derzeit wird sie in der Regierung noch abgestimmt. Sie soll deutlich strenger regeln, welche chemischen Substanzen in Farben enthalten sein dürfen, mit denen Servietten, Verpackungen und andere Gegenstände bedruckt werden, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. "Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es künftig weniger bunt zugeht", sagt der Minister. "Aber wichtiger als die Gestaltung ist, dass von Verpackungen und Servietten keine Gesundheitsgefahr ausgeht."