Studie zur Bankenrettung Euro-Länder zahlen ziemlich viel Lehrgeld

"Auf der einen Seite stehen Regierungen, die über Banken schlecht informiert sind, auf der anderen eine starke Investorenschaft": Eine Studie legt nahe, dass die EU-Staaten sich bei der Bankenrettung in Südeuropa viele Kosten hätten sparen können.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Wer sich bei den Staats- und Regierungschefs oder den Finanzministern der Eurozone richtig unbeliebt machen will, muss nur eine simple Frage stellen: Wie viel kostet es unter dem Strich, die Banken im Süden Europas zu retten? Dann beginnen die Politiker zu lavieren, sie sprechen von der "Systemrelevanz" der Kreditinstitute - und davon, dass längst nicht all die Milliarden verloren seien, die gen Süden geflossen seien, nach Spanien, Griechenland oder Zypern.

Wie hoch die Summe ist, die für den Steuerzahler unwiderruflich verloren ist (und die europäischen Bankenretter sich hätten sparen können), hat nun eine Studie des Forschungsinstitut Finpolconsult im Auftrag der Grünen-Fraktionen im Bundestag und im Europaparlament versucht abzuschätzen. Sieben Banken aus Griechenland, Spanien und Zypern hat Studienautor Hans Joachim Dübel genauer beleuchtet, es sind die aktuellsten Beispiele aus der Eurozone.

Insgesamt flossen 90 Milliarden Euro in die Geldhäuser dieser drei Staaten - ein gutes Drittel davon, rund 35 Milliarden Euro, hätte man sich in den sieben untersuchten Fällen sparen können, hätten sich die beteiligten Staaten und die europäischen Bankretter nicht so viele handwerkliche Patzer erlaubt. In Spanien wäre sogar überhaupt kein Steuergeld notwendig gewesen.

USA ließen sich weniger riskante Papiere einräumen

Auf diese Zahl kommt Dübel, indem er berechnet, wie viel Geld die Regierungen von den Gläubigern der Banken hätten eintreiben können. Teils hätten die Investoren kurz vor Staatseingriffen noch schnell ihr Geld in Sicherheit gebracht; das haben die Regierungen nicht verhindert.

Aber auch während der Bankenrettung hätte die Politik nach Ansicht von Dübel klüger vorgehen können: Anstatt selber Aktien der maroden Banken zu erwerben, hätten die Krisenstaaten sich Anteile geben lassen sollen, die weniger riskant sind und sie vor zukünftigen Verlusten besser schützen. Die USA haben sich derartige bevorrechtigte Papiere einräumen lassen.

Ein weiterer Fehler war laut Dübel, dass die Politiker die Bankenrettungen zeitlich verzögert haben. Das hat den Gläubigern die notwendige Zeit verschafft, sich aus jenen Finanzinstrumenten zurückzuziehen, die eigentlich Verluste tragen hätten sollen. In Windeseile wurden diese in Bargeld oder in besser abgesicherte Instrumente getauscht.

Allein bei der spanischen Problembank Bankia flossen auf diese Art und Weise noch kurz vor dem Staatseingriff rund zwei Milliarden Euro ab - Geld, das eigentlich jene Verluste ausgleichen hätte können, die später den Steuerzahlern aufgebürdet wurden. Bei drei griechischen Banken, die in der Studie untersucht wurden, sind auf diese Weise 1,3 Milliarden Euro vorab abgeflossen.