Studie zu Schattenwirtschaft Mindestlohn begünstigt Schwarzarbeit

Auch in Teilen der Bauwirtschaft wird in Deutschland am Fiskus vorbei verdient.

(Foto: imago/Sven Simon)
  • Der Mindestlohn wirkt sich einer Studie zufolge auf die Schwarzarbeit aus.
  • Die robuste Wirtschaftslage hätte Forschern zufolge 2015 eigentlich für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt.
  • Tatsächlich bleibe ihr Umfang aber so hoch wie zuvor - vor allem wegen des Mindestlohns.
  • Das mit Schwarzarbeit verdiente Geld wird sich 2015 wohl um 1,5 Milliarden Euro erhöhen.

Warum die Schattenwirtschaft wächst

Der seit Januar geltende flächendeckende Mindestlohn in Deutschland erhöht einer Studie zufolge die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Euro - und verhindert so erstmals seit Jahren einen weiteren Rückgang von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt daher unverändert bei 12,2 Prozent, wie aus einer Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz hervorgeht.

Demnach war der Wert hierzulande mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 seit mehr als zehn Jahren rückläufig. "Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt", sagte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt. Eine Rolle spielen laut Boockmann auch politische Rahmenbedingungen wie hohe Sozialabgaben und Steuerbelastungen.

Welche Branchen besonders betroffen sind

Der Mindestlohn führt bei vielen Arbeitgebern zu steigenden Kosten. Laut der Studie sind in den klassischen Schwarzarbeits-Branchen Lohnsteigerungen von insgesamt sieben Milliarden Euro nötig, um die Mindestlohn-Regelungen einzuhalten.

Der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft von 1,5 Milliarden Euro durch den Mindestlohn ist wesentlich geringer. Schwarz gearbeitet wird demnach besonders häufig in Gaststätten, Hotels sowie Teilen der Bauwirtschaft. Auch bei persönlichen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft werde in Deutschland vergleichsweise häufig am Fiskus vorbei verdient, hieß es.

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Bei Schwarzarbeit umgehen Arbeitgeber und Beschäftigte Steuern oder Sozialabgaben. Experten sehen sie als Teilbereich der sogenannten Schattenwirtschaft, zu der auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei und Betrug zählen.

Wie sich die Schattenwirtschaft entwickelt

Hochrechnungen für die kommenden Jahre gibt es noch nicht. IAW-Direktor Boockmann sieht aber keine Hinweise auf eine Trendwende. "Wir sehen wenige Impulse, die auf einen Rückgang der Schattenwirtschaft hindeuten", sagt er. Beim Mindestlohn gelten bis 2017 Übergangsfristen - so dass sich die dadurch befeuerte Schwarzarbeit sogar noch verstärken könnte.

Wie Deutschland im europäischen Vergleich dasteht

Mit Blick auf andere Länder steht die Bundesrepublik aber nicht schlecht da: Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, liegt Deutschland mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld - ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder. Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Hier liegt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP zwischen 18 und 22 Prozent.

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