Von Helga Einecke

Die Chefs der 30 Dax-Firmen im Jahr 2005 haben im Schnitt drei Millionen Euro bekommen - elf Prozent mehr als zuvor.

Auch die anderen Vorstandsmitglieder der größten börsennotierten Unternehmen konnten gemäß einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ihre Einkommen deutlich aufstocken. Sie erhielten 2005 im Schnitt 1,7 Millionen Euro.

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Das waren ebenfalls elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nicht so üppig fielen die Manager-Gehälter in anderen Ländern Europas aus. In den Niederlanden waren es für die Firmenchefs im Durchschnitt 1,7 Millionen Euro, in Großbritannien erhielten die einfachen Vorstandsmitglieder der börsennotierten Gesellschaften 1,4 Millionen Euro. In den Vereinigten Staaten rangierten die Manager mit Summen von durchschnittlich 2,5 Millionen Euro allerdings noch oberhalb der hierzulande geleisteten Bezahlung.

DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker sagte zu dem Vergleich mit anderen Ländern in Europa: ,,Man kann nicht sagen, die deutschen Vorstände seien schlecht bezahlt.'' Weil die Unternehmen auch in diesem Jahr gut verdienten, rechne er mit weiteren Steigerungen.

Er legte den Chefs jedoch nahe, bei den Gehaltserhöhungen mehr Fingerspitzengefühl zu zeigen. ,,Man darf den Kontakt zur Basis nicht verlieren'', sagte er. So hatte der Siemens-Vorstand die geplante Erhöhung seiner Bezüge um 30 Prozent nach öffentlicher Kritik zurückgestellt. Gleichzeitig war bekannt geworden, dass die ehemalige Handy-Sparte des Unternehmens, die Siemens an den taiwanesischen Konzern BenQ verkauft hatte, vor dem Aus steht.

Deutsche Bank vorne

Absolute Spitzenverdiener waren 2005 die Vorstände von Deutscher Bank und DaimlerChrysler. Den größten Sprung machte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der seine Bezüge in einem Jahr um zwei Millionen Euro steigern konnte.

Die DSW setzte die Gehaltserhöhung aber zugleich in Beziehung zu den Gewinnen der Unternehmen, die über die Ausschüttung auch den Aktionären zugute kommen. Bei der Deutschen Bank beispielsweise verdienten die Vorstandsmitglieder 2005 immerhin 26 Prozent mehr, gleichzeitig stieg aber der Gewinn je Aktie um 52 Prozent. Bei der Commerzbank nahm das Ergebnis je Aktie um 216 Prozent zu, die Gehälter in der Chefetage um 175 Prozent.

Die Entwicklung von Gehältern und Gewinnen fielen vor allem bei SAP, Infineon und TUI auseinander. Als besonders krass stellte die DSW die Verhältnisse bei TUI heraus. Der Touristikkonzern überwies seiner Führungsmannschaft um 26 Prozent höhere Gehälter. Gleichzeitig sackte das Ergebnis je Aktie um 23 Prozent. Sieben Gesellschaften zahlten ihren Managern weniger Gehalt, teils sogar bei gestiegenen Gewinnen.

Von diesem Jahr an müssen börsennotierte Unternehmen die Gehälter ihrer Vorstände einzeln aufschlüsseln, weil dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Für das vergangene Jahr hatten noch sieben der 30 Dax-Firmen entsprechende Auskünfte verweigert, was Hocker mit dem Wort ,,verwunderlich'' kommentierte.

Der Widerstand der Wirtschaft gegen mehr Klarheit bei den Vorstandsgehältern sei lang und hart gewesen. Offenbar müssten viele Firmen zu mehr Informationen für die Kapitalgeber gezwungen werden. Auf den Hauptversammlungen im kommenden Jahr dürften die Berichte zu den Vorstandsgehältern für neue Diskussionen sorgen.

Immerhin hätte sich keines der Dax-Unternehmen in diesem Jahr von der Hauptversammlung das Recht einräumen lassen, sich dieser Transparenz zu entziehen. Dagegen haben eine Reihe kleinerer Firmen wie Sixt, Porsche oder Hugo Boss diese Klausel genutzt, der 75 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre zustimmen müssen.

Trotz der vom Gesetzgeber erzwungenen Details zu den Vorstandsgehältern mangelt es nach Angaben der DSW weiterhin an Klarheit. So werde den Unternehmen nicht vorgeschrieben, wie sie die Details der Vergütungen offen legen sollen, was eine sehr weit reichende Gestaltung ermögliche.

Bei den Aktienoptionen verlange der Gesetzgeber den Zeitwert der aktienbasierten Vergütung zum Zeitpunkt der Gewährung. Dadurch werde nicht klar, welche Summen den Vorständen tatsächlich zufließen. So kämen die 11,9 Millionen Euro zustande, die Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, unterstellt würden. Es handele sich aber um einen virtuellen Wert. Härtere Anforderungen im Gesetzestext hätte sich die DSW auch bei den Ansprüchen der Vorstände an die Altersvorsorge gewünscht.

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(SZ vom 17.10.2006)