Studie des Umweltbundesamts Öko-Zertifikate gibt es sehr günstig

In den Herkunftsländern der Zertifikate läuft es genau anders herum. Norwegen etwa gewann 2011 96 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft. Im dortigen Energiemix aber machte der grüne Strom nur noch 23 Prozent aus - jedenfalls auf dem Papier. Der Rest war per Zertifikat verkauft worden, ohne dass der Strom physisch Norwegen verlassen hätte.

Weil es solche Nachweise etwa in Skandinavien reichlich gibt, "werden diese für Marktpreise zwischen 0,02 und 0,03 Cent je Kilowattstunde angeboten und ermöglichen so das Angebot von günstigem Ökostrom", heißt es in der Studie. Tatsächlich sind mittlerweile manche Ökostrom-Tarife günstiger als herkömmlicher Strom - mithilfe günstiger Zertifikate.

Verschiedene Ökostrom-Anbieter werben deshalb damit, sie investierten einen Teil ihrer Einnahmen in den Bau neuer Ökostrom-Anlagen. Also doch ein Beitrag zur Energiewende? Die Studie relativiert das. Diese neuen Anlagen seien ihrerseits in der Regel per EEG gefördert, hätten also so oder so wirtschaftlich errichtet werden können. "Bestenfalls" lasse sich nachweisen, "dass die Investition der Ökostrom-Anbieter den Zubau in Deutschland geringfügig beschleunigt".

Qualitätssicherung bei Ökostrom sei "notwendiger denn je"

Was freilich auch nichts daran ändert, dass die Ökostromer auch ihre Verdienste um den Strommarkt an sich haben: Die Öffnung des Marktes für den Wettbewerb haben die Pioniere unter ihnen seinerzeit mit erstritten. "Sie haben damit die Grundlagen für die heutige Energiewende geschaffen", sagt Thomas Holzmann, amtierender Präsident des Umweltbundesamtes. Nur kratzt die Diskrepanz zwischen grünem Anspruch und grauer Wirklichkeit eben auch am Image.

In der Branche ist das Problem längst angekommen. Zwar gibt es verschiedene Gütesiegel, die auch einen Öko-Mehrwert des Ökostroms voraussetzen. Die deutsche Energiewende konnten aber auch Labels wie "Ok-Power" oder "Grüner Strom" nur bedingt forcieren. Schon läuft eine Debatte über eine Verschärfung der Siegel oder über neue Kriterien, die sich nicht mehr allein an der Menge des grünen Stroms orientieren, sondern stärker am Engagement der Unternehmen für eine nachhaltige Energieversorgung.

Andere, etwa die Düsseldorfer Naturstrom, Greenpeace Energy und die Elektrizitätswerke Schönau, arbeiten an neuen Ökostrom-Angeboten. Mit denen ließe sich heimischer Grünstrom, etwa aus dem benachbarten Windpark, direkt ordern - er würde auch nicht mehr aus dem EEG gefördert. Angesichts der vielen Tarife und Anbieter, so schloss jüngst eine Studie des Hamburg Instituts zur Zukunft des Ökostrom-Marktes, sei Qualitätssicherung bei Ökostrom "notwendiger denn je". Verbraucher brauchten "jetzt erst recht eine Orientierung".