Studie der Bertelsmann-Stiftung Konkurrenz aus China setzt deutsche Exportwirtschaft unter Druck

Deutschlands Exportwirtschaft verliert mehr und mehr Marktanteile an China - selbst in klassischen Branchen wie Maschinenbau oder Chemie. Derzeit betrifft der Trend vor allem Länder außerhalb Europas. Doch auch in EU-Kernstaaten verschärft sich der Wettbewerb.

China ist nicht nur ein wichtiger Kunde der deutschen Exporteure, sondern auch ein immer stärker werdender Konkurrent: Die heimische Exportwirtschaft droht im Vergleich zum bevölkerungsreichsten Land der Erde in wichtigen Märkten an Bedeutung zu verlieren.

In Europa sei die deutsche Wirtschaft zwar weiterhin gut positioniert - vor allem in den klassischen Branchen Maschinenbau, Chemie und Automobilindustrie, aber auch in der Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik. "In den Industrieländern außerhalb Europas und mehr noch in den großen Schwellenländern verliert der Lieferant Deutschland rasant Marktanteile an China", heißt es in einer jetzt veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Bertaungsunternehmens Prognos, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt wurde.

In den USA und Japan liege China inzwischen in den klassichen Industriesegmenten vorne. In Indien und Brasilien habe sich die deutsche Wirtschaft in keiner der zentralen Branchen als führender Importeur durchsetzen können. So sei China in Indien sowohl im Maschinenbau als auch in der Chemieindustrie die Nummer eins. Deutschland liegt hier auch hinter anderen außereuropäischen Konkurrenten wie den USA, Argentinien oder Südkorea.

Die Studienautoren mutmaßen, dass die deutsche Wirtschaft mit ihrer Konzentration auf den Exportmarkt China andere Schwellenländer vernachlässigt haben könnte. Andererseits seien deutsche Produkte für Märkte der Schwellenländer oft zu teuer. China dürfte dort mit einfacher konzipierten Produkten einen Vorteil haben.

Selbst in Europa werde die Konkurrenz aus der Volksrepublik schärfer: In EU-Kernländern wie Frankreich, Großbritannien und Italien komme China inzwischen verstärkt zum Zuge, während deutsche Branchen wie der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Chemiebranche weniger Wachstumsdynamik zeigten.

"Setzt sich diese Entwicklung fort, so läuft Deutschland Gefahr, auch auf seinen europäischen Exportmärkten zunehmend Anteile an China zu verlieren", so die Autoren der Studie.