Doch so aberwitzig und in seinen Konsequenzen nicht abschätzbar sich auch Sörgels Plan heute darstellt: Im Kern folgt er einem Muster, welches heute wieder sehr aktuell ist - vielleicht aktueller denn je. Denn die Phantasien des 20. Jahrhunderts - von denen ja nicht wenige auch realisiert wurden, wie man an Städten wie Magnitogorsk im Südural oder Projekten wie dem Drei-Schluchten-Damm am Jangtse sieht - verdanken sich allesamt einer teleologischen Geschichtsauffassung (griech. "telos", das Ziel). Es geht um die Überzeugung, dass die Zukunft jetzt schon beherrschbar sei oder ohnehin schon feststehe; dass sich der Lauf der Zeit zwangsläufig in eine bestimmte Richtung entwickeln werde.
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Nahezu die gesamte Kultur des frühen 20. Jahrhunderts war von einer unbestimmten Heilserwartung getragen, von der Aussicht auf künftige Paradiese. Man kann dies an der umfassenden Reformbewegung des Bauhauses genauso ablesen wie an der aggressiven Technikbegeisterung der italienischen "Futuristen" oder an Bruno Tauts Utopie der zu diamantenen Palästen umgebauten Alpengipfel - einer Vermählung von Kunst und Natur als Gesamtkunstwerk.
Auch die am Montag in München getroffene Entscheidung eines Konsortiums von zwölf Unternehmen, bis November eine Planungsgesellschaft für das Großprojekt "Desertec" zur Erzeugung von Solarstrom in der Sahara zu gründen, geht im Grunde auf dieses Geschichtsbild zurück, das derzeit wieder Konjunktur hat - wobei die heutige Teleologie eher apokalyptische Züge aufweist. Die Zukunft wird schlimm, also müssen wir sie verändern - so lautet mittlerweile eine gängige Losung bei Ökologen, zumal bei den technikbegeisterten.
Projekt ohne Irrwitz
"Desertec" klingt zunächst ganz nach einer Idee der möglichen Zerschlagung des Gordischen Knotens, als den sich das anbahnende ökologische Desaster jetzt schon darstellt. Dem Projekt fehlt auch vollständig der Irrwitz der Weltbaumeister von ehedem, deren Pläne unser Wetter auf unkalkulierbare Weise verändert hätten. Allerdings mutet das Konzept, auf dem Gebiet der nordafrikanischen Staaten solarthermische Kraftwerke zu errichten, die 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs decken sollen, ähnlich eurozentrisch an wie die Makroprojekte früherer Zeiten.
Unklar ist nach wie vor, ob alle beteiligten afrikanischen Staaten mitspielen. Obwohl man die Sonnenwärme dort niemandem wegnimmt, bedeutet "Desertec" ja immerhin Landnahme im großen Stil - was die Wüstenstaaten davon haben, ist ebenfalls noch sehr fraglich, obwohl nun vollmundig erklärt wird, der Lebensstandard dieser Länder werde steigen. Der Glaube an die Machbarkeit ist also da, und ohne ihn ginge es auch gar nicht. Doch was am Montag auf der Pressekonferenz verkündet wurde - von einer "Option auf eine sicherere Welt" war die Rede, von dem Ziel einer "bis 2050 sauberen Stromversorgung" -, klingt dann doch eher nach den "Weißen Elefanten". Es sind mutige, ja gewagte Prognosen.
Und wie bei allen Großprojekten dieser Art, wie auch etwa bei den Weltrettungsplänen des "Geo-Engineering" - man will etwa Myriaden kleinster Partikel in die Stratosphäre blasen, um die Sonnenstrahlung und damit die Erderwärmung abzumildern -, steht bei "Desertec" das Vertrauen in die Technik an vorderster Stelle. Sie soll leisten, was die Politik versäumte. Phantastische Zahlen kursieren: zwei Millionen neue Arbeitsplätze, Kosten von 400 Milliarden Euro, bis 2050 eine Leistung von 700 Terawattstunden.
Versiegende Flüchtlingsströme
Suggeriert wird mit diesem Zahlengeflimmer nicht zuletzt, dass die Technologie zum Surrogat politischen Handelns werden könne - und unterschlagen wird, dass die Segnungen der Technologie noch immer neue politische Realitäten geschaffen haben, mit denen sich wiederum die folgenden Regierungen herumschlagen mussten. Ernsthaft war am Montag davon die Rede, dank "Desertec" könnten am Ende auch die Flüchtlingsströme nach Europa versiegen.
Als "Sonnenkönige" hat man die "Desertec"-Macher schon bezeichnet. So metaphorisch ist der Begriff gar nicht. Das Versailles von Louis XIV. hat die Sonne als Fluchtpunkt. Im Schloss des Sonnenkönigs fielen die Grenzen des absolutistischen Systems mit den Grenzen der Welt zusammen. Im Zeitalter der Aufklärung, das Licht mit Wahrheit gleichsetzte, war nichts weniger als die vollständige rationale Beherrschbarkeit der Welt das Ziel. Leben wir denn immer noch in diesem Zeitalter?
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(SZ vom 14.07.2009/hgn)
Union debattiert über Familienpolitik
Peter27 - erzählen Sie doch mehr über Ihre Superfarbe, warum kommen Sie erst jetzt damit? Ich würde dann gern mein Fahrrad damit anstreichen, damit ich keinen Dynamo mehr brauche.
Es sind die monopolistischen Strukturen. Diese Verachtung gegenüber ihren Arbeitnehmern und diese Machtballung an einem Ort.
Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis. Sommerferien. Ein guter Grund für die Energiebranche das Benzin und den Diesel massiv zu erhöhen. Dies ohne irgend einen ersichtlichen Grund. Reine Abzocke.
Nennen Sie mir einen Konzern, welcher öko-sozial handelt? Das Prinzip heisst Hire and Fire. Und noch ein kleines Detail am Rande. Die meisten Erfindungen und Patente kommen von Klein- und Mittelunternehmen.
Oder die Stromproduzenten. Jahrelang predigten sie die Privatisierung. Motto: Billigere Preise für den Konsumenten. Ist ja wohl nichts daraus geworden... Alles Lug und Trug.
Es handelt ich hier zunächst nur um ein Konzept, welches am Beginn aller Pläne stehen muß. Viele Teilschritte werden notwendig sein und werden folgen müssen; so auch Verhandlungen mit den betreffenden Ländern. Wenn diese z.B. nicht wollten, dann würde eben nichts aus dem Konzept. So muß man das ganze sehen.
In der Zukunft wird es sicher auch begrenzt dezentrale Lösungen geben.
Was soll aber diese Phobie gegen Konzerne? Sie ist völlig unrealistisch!
Aber bitte, nicht grössenwahnsinnig, sondern kurz und bündig i.iotisch. Mit keiner Regierung in Afrika wurde bisher gesprochen und die freuen sich sicher auf eine Kolonialidee.
Was ist an einer Idee eigentlich gut, welche wieder alle Macht den Konzernen gibt? Wieder eine zentralistische Steuerung von Energie? Sind Sie eigentlich gerne Sklave von Kartellen?
Die Sicherung unseres Lebensstandards ist nur mit Energie möglich, mit deren Hilfe menschliche Arbeitskraft ersetzt und vervielfältigt werden kann. Desertec ist ein Konzept den Energiebedarf der Zukunft umweltneutral zu decken. Dieses Konzept ist auf jeden Fall technisch machbar. Es ist unsinnig es als größenwahnsinnig hinzustellen.
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