Was soll Europa angesichts der Schuldenkrise tun? In einem Streitgespräch der "Süddeutschen Zeitung" plädiert der Ökonom Max Otte für den Austritt einiger Länder aus der Euro-Zone. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger attestiert den Deutschen im Gegenzug eine "Oh-wie-schön-ist-Panama"-Haltung - und sieht nur eine Lösung.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung für die Einführung von Euro-Bonds aus. "Sie würden das System stabilisieren, allerdings sollte künftig das Europäische Parlament einbezogen werden und die Haushalte von klammen Staaten absegnen", sagte er in einem Streitgespräch mit dem Ökonomen Max Otte.
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Der Ökonom Max Otte fordert, dass Staaten wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien den Euro verlassen sollten. (© picture-alliance/ dpa)
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Bofinger fordert auch die Einrichtung einer europäischen Wirtschaftsprüfung, deren Experten die Zahlen der Regierungen überprüfen sollten, sowie ein europäisches Schatzamt. "Und als ultima ratio muss es die Möglichkeit geben, ein Land rauszuschmeißen, wenn es sich nicht an die Vorgaben hält", erklärte der Würzburger Universitätsprofessor im SZ-Interview.
Sehr viel höhere Zinsen für Deutschland erwartet Bofinger mit den Euro-Bonds nicht: "Die Zinsen in Deutschland sind derzeit eindeutig zu niedrig. Entscheidend für den Anleger in Euro-Bonds wäre, was er im Vergleich bei amerikanischen Staatsanleihen erhält."
Den Euro-kritischen Deutschen attestierte Bofinger eine "Oh-wie schön-ist Panama-Haltung". Diese besage, dass früher mit der D-Mark ja auch alles in Ordnung gewesen sei, Exportweltmeisterschaft inklusive. "Diese Welt gibt es aber nicht mehr", sagte er. "Experimente können wir uns in der Ökonomie nicht leisten, anders als in der Medizin. Wir sehen doch in der Schweiz, wie die Wirtschaft mit einer zu starken Währung kaputt gemacht wird."
Anders als Bofinger empfiehlt der Ökonom Max Otte den Austritt einiger Euro-Staaten: "Es würde die Integration stärken, wenn wir einige Randstaaten aus der Währungsunion ließen - Irland, Portugal, Griechenland und Spanien. Damit wäre ihnen gedient. Sie könnten mit dem irischen Pfund, dem Escudo, der Drachme oder der Peseta wettbewerbsfähiger werden." Ein Problem ergebe sich nicht, denn in den EU-Ländern Polen, Dänemark oder der Tschechischen Republik klappe es ohne Euro auch wunderbar.
Bofinger plädiert für Steuererhöhung
Bofinger empfiehlt als Lösung der Schuldenprobleme in den westlichen Industriestaaten die Einführung höherer Steuern: "Unter den Staaten mit den höchsten Schulden sind, abgesehen von Griechenland, die USA, Irland und Japan. Das sind auch die Staaten mit den geringsten Steuereinnahmen. Die skandinavischen Länder mit höheren Steuersätzen sind gut durch die Krise gekommen."
Auch die Vernetzung der Finanzhäuser müsse reduziert werden. "Ein richtiger Stresstest müsste ergeben, dass es alle großen und systemrelevanten Kreditinstitute überleben würden, wenn etwa die Deutsche Bank pleite ginge. Dazu dürfte keine Bank offene Positionen bei anderen haben, die mehr als zehn Prozent des harten Eigenkapitals betragen", sagte Bofinger.
Ökonom Otte bezweifelt im Streitgespräch mit Bofinger, dass Banken in die Pflicht genommen werden. "Das wird politisch an der Finanzoligarchie scheitern, sie ist inzwischen so stark, dass sie immer Mittel und Wege finden wird, sich der Aufsicht zu entziehen, um weiter ihren Zockergeschäften zu frönen. Wir schützen die Reichen, die den Staat gekapert haben."
Lesen Sie das komplette Streitgespräch zwischen Peter Bofinger und Max Otte in der Mittwochs-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung.
Zu den Personen: Im Kreise des Sachverständigenrats ("Fünf Weise") hat Peter Bofinger, 56, immer wieder mal mit einer abweichenden Meinung aufgewartet. Seit 2004 ist er hier Mitglied. Nach der Promotion hatte Bofinger zunächst bei der baden-württembergischen Landeszentralbank gearbeitet, ehe er nach einigen Uni-Stationen 1992 Professor in Würzburg wurde. Er hat Lehrbücher und Populärwerke ("Ist der Markt noch zu retten?") verfasst.
Max Otte, 46, ist als BWL-Professor in Worms beurlaubt, dafür doziert er an der Universität Graz. Der Ökonom wurde durch sein Buch "Der Crash kommt" (2006) bekannt. Mit einer Finanzvertriebsfirma kümmert er sich ums Geld anderer.
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(sueddeutsche.de/aum, luk)
Linke-Parteitag in Göttingen
Zuallererst Griechen- und Irland, gefolgt von Portugal und Spanien.
Halt, als nächstes wären dann Italien und Frankreich dran, dicht gefolgt von Belgien.
Deutschlands Export schwächelt , die Schulden zwingen zum Austritt.
Wen hamma noch in Euroland?
Österreich, Finnland, Slowenien, Schweden, Luxemburg, Vatikan, St. Marino, Malta und Zypern. Insgesamt 25 Millionen Einwohner - das funzt.
Moment - habe Monaco vergessen. Fürst Albert wird Chef der EZB.
...es verwundert mich, dass er in seiner Argumentation einfach so mit seichten Beispielen aufwartet. Griechenland hat vielleicht höhere Steuern, das Problem ist jedoch ein anderes. Wie erhebe ich die Steuern und vermeide den Schwarzmarkt.
Ich bin auch der Meinung, dass es mit höheren Stueuern klappen könnte. Die müssen mit Bedacht erdacht werden, um einfach auch die Reichen, die von unserem kapitalistischen System derzeit immer noch am meistne profitieren, mit ins Boot geholt werden.!!!
Was man jetzt beobachten kann ist doch, dass Super-Reiche wie Herr Soros oder Warren Buffett auch merken, dass ihr Geld nix mehr wert ist, wenn das ganze System vor dem Abgrund steht. Irgendwann ist SChluss, Reset und dann hilft auch kein Gold und kein sonst noch was.
Der kleine Tiger und der kleine Bär haben sich auf
die aufregende Reise nach Panama begeben. Am Ziel ihrer Reise,
in Panama angekommen, waren sie wieder zu hause.
In der Geschichte steckt etwas mehr, Herr Bofinger,
als sie mit "Euro-Kritik" zu verbinden.
Ist schon denkwürdig, ob wir Wirtschaftspolitik an esoterischen Traumwelten vom unendlichen Wachstum ausrichten oder wir zu objektiven realwirtschaftlichen Prämissen zurückfinden wollen.
Wie kommt es, daß Max Otte immer noch zu diesen Fragestellungen von den Medien angefragt wird, ein Mann der sich in rechtsradikalen Kreisen tummelt?
Ein Blick in seine wikipedia-Seite sollte doch genügen, um diesen Mann für demokratische Medien unmöglich zu machen.
Jemand der sich so ungebrochen im rechtsradikalen Milieu bewegt, sollte persona non grata bei der SZ, wie auch ARD, etc. sein!
Bei der richtigen Leitplankensuche wird die Politik das spekulativer Aufzeigen der Defizite mit ihren volkswirtschaftlichen Schäden im Auge haben -
und die Finanzmärkte werden auf das unsolide Gebaren der Politik hinweisen.
Die Verkleinerung der Quersumme der Probleme ist nicht automatisch dadurch erreicht, daß man weniger Staaten im Euro hat.
Vielmehr heißt Ursachenbeseitigung zuerst durch Leitplanken die Pendelausschläge der Spekulation soweit zu verkleinern, daß nicht das System Schaden nehmen kann.
Erst danach sollte man sich an die politischen und eigentlichen Ursachen / Ungleichgewichte wagen und die Maßnahmen auch verkünden.
D und F machen es gerade andersrum und liefern den Spekulationskräften neue Kapitalaneignungsmöglichkeiten.
Diese Herangehensweise ist dilettantisch und wohl nur ideologisch zu erklären. Hier ist aber nur Pragmatik ein guter Ratgeber.
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