Streit vorm Arbeitsgericht Schlafender Banker überweist aus Versehen 222 Millionen Euro

Manche Vertipper können viel Geld kosten

(Foto: Klaus Ohlenschlaeger, iStockphoto)

Kurzes Nickerchen am Schreibtisch, dann fiel sein Finger auf die Ziffer 2. Am Ende hatte ein Banker versehentlich eine Überweisung von 222.222.222,22 Euro angewiesen - statt 62,40 Euro. Auch der zuständigen Sachbearbeiterin fiel der Fehler nicht auf. Deswegen feuerte die Bank sie. Zu Unrecht, urteilte nun das Arbeitsgericht.

Wurstfinger-Fehler, fat finger error, nennen es Investmentbanker und Broker, wenn ein Kollege versehentlich einen falschen Betrag in den Computer tippt - und damit Ärger mit der Bank, große Kursausschläge oder gar gelegentlich Börsencrashs auslöst, sogenannte Flash Crashs.

Ein Banker aus Hessen hat dieser absurden Historie an Fehlschlägen nun eine weitere Episode hinzugefügt. Der Mann sollte am 2. April den Zahlungsbeleg eines Rentners in Höhe von 62,40 Euro in seinem Rechner prüfen. Just in diesem Moment überkam ihn aber offenbar der Sekundenschlaf. In dessen Verlauf fiel er - wie auch immer - auf die Taste "2" seiner Tastatur. Am Ende stand in dem digitalen Formular die Zahl 222.222.222,22, also: 222,2 Millionen Euro.

Normalerweise fallen solche Fehler auf, weil die Belege noch einmal von einer weiteren Sachbearbeiterin geprüft werden. Doch auch die übersah den Fehler, den ihr Kollege verursacht hatte. Der war eigentlich für das Betragsfeld gar nicht zuständig. Die Bank kündigte daraufhin der 48-Jährigen, die seit 26 Jahren bei der Bank gerarbeitet hatte. Sie habe vorsätzlich getäuscht und die Belege ohne Prüfung freigegeben.

Herausgekommen ist das nun, weil die Sachbearbeiterin beim Hessischen Landesarbeitsgericht in Frankfurt gegen ihre Kündigung vorging. Diese sei zu Unrecht erfolgt, urteilten die Richter (Az.: 9 Sa 1315/12). Die Frau habe zwar einen schweren Fehler begangen, für eine Kündigung reiche das aber nicht aus. Sie habe die Bank nicht vorsätzlich geschädigt, auch sei der Arbeitsablauf nicht vorsätzlich manipuliert worden.

Interessant ist dabei vor allem die Arbeitsbelastung der Sachbearbeiterin. Am 2. April prüfte sie mehr als 800 Belege, teilte das Gericht mit. 603 davon in je weniger als 1,4 Sekunden, 105 Belege innerhalb von 1,5 bis 3 Sekunden. Nur für 104 Belege brauchte sie mehr als drei Sekunden. Der falsche Betrag wurde anschließend übrigens in einer systeminternen Prüfungsroutine gefunden. Es konnte sich also niemand, nicht einmal kurzfristig, über eine Überweisung von 222.222.222,22 Euro auf dem Kontoauszug freuen.