Es sollte ein europäisches Prestigeprojekt werden und dem US-System GPS Konkurrenz machen. Nun will die EU-Kommission das Galileo-Betreiberkonsortium auflösen - und den Auftrag völlig neu ausschreiben.

Das Satelliten-Navigationssystem Galileo droht für den europäischen Steuerzahler deutlich teuer zu werden als ursprünglich geplant. Die EU-Kommission will das Konsortium für das Satelliten-Navigationssystem auflösen und den Milliarden-Auftrag neu ausschreiben. In EU-Kreisen in Brüssel hieß es, dies werde Verkehrskommissar Jacques Barrot den EU-Staaten vorschlagen.

Anzeige

Das Projekt solle zunächst vollständig von der öffentlichen Hand übernommen werden. Dies werde insgesamt 3,4 Milliarden Euro kosten, die zum Teil jedoch bereits bezahlt seien. Die verbleibenden Kosten beliefen sich auf 2,4 Milliarden Euro.

Galileo soll als europäisches Vorzeigeprojekt dem US-System GPS Konkurrenz machen. An dem Galileo-Konsortium sind der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS, mehrere Satellitenfirmen und die Deutsche Telekom beteiligt.

EADS und Telekom wollten zu den Informationen zunächst keine Stellung nehmen. Die Beteiligung der Telekom an dem Projekt ist eher gering: Sie sollte nur für den IT-Betrieb der Bodenstationen zuständig sein.

Handlungsfähiger Chef gefordert

Die EU-Verkehrsminister hatten eine Neuvergabe des Auftrags bereits erwogen, falls das Konsortium nicht bis zum 10. Mai klare Strukturen schaffe. Dafür fordert die EU eine klare Aufgabenteilung und einen handlungsfähigen Chef, der nicht von jedem einzelnen Gesellschafter ausgebremst werden kann.

Galileo sollte nun aus Sicht der Kommission als öffentliches Projekt aufgebaut werden, hieß es in den Kreisen. Bereits jetzt übernehme die Europäische Weltraumagentur ESA eine wichtige Rolle. Wenn Galileo aufgebaut sei, könne es an einen privaten Betreiber übergeben werden. Dann sei auch erneut ein Konsortium denkbar.

Entscheidungen zu Galileo sind wegen der Beteiligung großer Konzerne auch stets ein Spielball politischer Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten gewesen. Barrots Vorschlag müsste von den EU-Verkehrsministern beraten werden.

Leser empfehlen 

(dpa/Reuters)