Vor dem entscheidenden Opel-Krisengipfel heute im Kanzleramt warnen Ökonomen vor den finanziellen Folgen der Rettungsbemühungen - und werben für eine Insolvenz des Autokonzerns. Wirtschaftsminister Guttenberg bekräftigt diese Option - doch die SPD will davon nichts wissen.

Im Ringen um die Zukunft des Autoherstellers Opel sollen die US-Regierung und General Motors endlich alle Karten auf den Tisch legen. Die Bundesregierung erwartet, dass die US-Seite und die potenziellen Investoren sich bis 14 Uhr über den Finanzbedarf und die Absicherung zur Rettung von Opel einigen.

Ist die Insolvenz die bessere Lösung? Politiker und Wissenschaftler streiten über die Zukunft von Opel. (© Foto: ddp)

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Führende deutsche Wirtschaftsforscher haben sich unterdessen kritisch zu den Rettungsversuchen des Staates geäußert. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, kritisierte die Bemühungen der Politik. In einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, die Politik lasse sich aus wahlkampftaktischen Gründen "Schritt für Schritt in unverantwortliche Abenteuer hineinziehen, die mit diesem Rettungsversuch nicht enden werden". Dies sehe er mit großer Sorge.

"Die Insolvenz schützt stattdessen die Arbeitsplätze"

Mit dem Konzept, Unternehmen durch staatliche Finanzspritzen retten zu wollen, sei der Staat auf dem Weg, sich "hoffnungslos zu überfordern", sagte Zimmermann. "Das werden wir auf Jahre spüren - nicht nur in der politischen Mentalität, sondern auch bei den Defiziten der öffentlichen Haushalte."

Der DIW-Chef sprach sich dafür aus, bei Opel ein geordnetes Insolvenzverfahren durchzuführen. Dieses sei am besten geeignet, ein Konzept zu finden, das langfristig durch einen Umbau des Unternehmens zu seiner Erhaltung führe.

"Ein Insolvenzplanverfahren ist keine Pleite, sondern eine sinnvolle Vorgehensweise und derzeit sicher das Beste für das Unternehmen", sagte auch der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Wolfgang Franz, der Bild-Zeitung.

Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, sagte, der Staat dürfe sich vor Wahlen nicht erpressen lassen. "Die Bieter wollen riesige Geldbeträge als Sicherheiten, sechs bis acht Milliarden Euro. Das macht bis zu 300.000 Euro pro Arbeitsplatz", sagte Sinn der Passauer Neuen Presse. Für das Geld könne man fast zwei neue Opel-Firmen bauen.

Auch Sinn sprach sich für eine geordnete Insolvenz aus. Deren Aufgabe sei es, einen Neuanfang für das Unternehmen zu ermöglichen, indem die Altansprüche zurückgedrängt werden. "Ein Verzicht auf eine Insolvenz schützt die Banken, die Insolvenz schützt stattdessen die Arbeitsplätze."

Auf der nächsten Seite: Wirtschaftsminister Guttenberg verteidigt seine Aussage von einer möglichen Opel-Insolvenz - und Arbeitsminister Scholz sieht Magna in der "Pole Position".

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  2. Die Insolvenz und die Politik
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