Aufregung um die schonungslose Abrechnung mit den Konzepten von Magna und Fiat: Die Tonart im Bieterkampf um Opel verschärft sich, Magna geht in die Offensive - und bekommt sogar einen Fürsprecher aus der Union.

Das Papier war eine kalte Dusche und eine schallende Ohrfeige für die Opel-Bieter. Sowohl das Konzept von Fiat, aber auch die Pläne von Magna, sorgen bei Regierungsberatern für Stirnrunzeln. Vor allem das Bieterkonsortium aus dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna sowie dem russischen Autobauer Gaz und der ebenfalls russischen Sberbank sehen die Experten kritisch. Hauptkritikpunkt: Würde das Magna-Konzept umgesetzt, "wäre das Unternehmen vom ersten Tag an insolvent", zitierte das Handelsblatt aus den Unterlagen.

Opel, dpa

Magna und Fiat wollen Opel kaufen - doch Experten sind von den Konzepten nicht überzeugt. (© Foto: dpa)

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Nun wehrt sich Magna gegen die Vorwürfe. Der Zulieferer und die Sberbank würden die angekündigten Investitionen über 700 Millionen Euro zwar nicht vollständig als Eigenkapital einbringen, sondern teilweise über eine Wandelanleihe, heißt es in einem Brief des Konzerns an die Opel-Mutter General Motors (GM). Damit sei jedoch kein höheres Insolvenzrisiko für das neue Unternehmen aus Opel und Magna verbunden.

Magna wolle mit der Wandelanleihe sicherstellen, dass die Investitionen des Unternehmens vorerst durch Vermögenswerte von Opel abgesichert seien. Denn das Investorenkonsortium aus Magna und Sberbank wolle nicht schlechter gestellt sein als die kreditgebenden Banken, deren Darlehen über staatliche Bürgschaften garantiert würden. Aus dem Umfeld von Magna hieß es: "Mit der Klarstellung will das Unternehmen möglichen interessengeleiteten Fehldarstellungen entgegentreten."

In der Bewertung der Experten war vor allem das Konzept Magnas kritisch bewertet worden, das bisher als am aussichtsreichsten galt. Grund für die Ablehung sei, dass Magna im Gegensatz zu Fiat für den Fall eines Einstiegs bei Opel nicht bereit wäre, "echtes Eigenkapital" in die neue Gesellschaft einzubringen, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus der regierungsinternen Bewertung.

Koch für Magna

Dadurch wäre das Unternehmen von Beginn an mit Schulden in Höhe von 3,8 Milliarden Euro belastet. "Die bisherige Weigerung von Magna, echtes Eigenkapital zu riskieren, spricht nicht dafür, dass das Unternehmen selbst an ein Gelingen dieses Planes glaubt", zitierte die FAZ aus der Bewertung. Auch werde in dem regierungsinternen Dokument die von Magna in Aussicht gestellte Rückzahlung von Krediten in Zweifel gezogen, da sie "auf einer erheblichen Verbesserung der Umsatz- und Gewinnsituation" basiere.

Zustimmung verdiene aus Sicht der Berater dagegen der Plan des Autozulieferers, den GM-Konzern im Boot zu behalten. Magna will selbst nur 20 Prozent an dem noch zu gründenden Unternehmens halten, in das die europäischen Aktivitäten des GM-Konzerns ausgegliedert werden sollen. Der US-Mutterkonzern soll den Magna-Plänen zufolge mit 35 Prozent an dem Unternehmen beteiligt werden, weitere 35 Prozent gehen an den russischen Partner von Magna, zehn Prozent soll die Belegschaft halten. Dieses Modell stelle aus Sicht der Amerikaner einen gangbaren Weg dar, hieß es.

Neben der SPD, die mehrheitlich den Magna-Entwurf präferiert, hat sich nun auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für das Bieterkonsortium um den österreichisch-kanadischen Zuliefererkonzern ausgesprochen. Dessen Konzept sei überschaubarer und klarer beurteilbar als bei der Konkurrenz, sagte Koch. Fiat sei für die Beteiligten eine "Black Box", von der niemand genaue Zahlen gesehen habe. Die einzige bekannte Zahl sei ein negativer Cash-Flow von 3,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ohne nachhaltige Änderung würde sämtliche staatliche Hilfe innerhalb von zwei Jahren allein bei Fiat verschwinden. Koch: "Ich will auch, dass kein Cent deutsches Geld nach Italien fließt."

Vorteil Fiat

In der Expertenbewertung kommt das Konzept von Fiat jedoch besser weg. Das liegt vor allem daran, weil der italienische Autokonzern bereit sei, seine gesamte mit sechs Milliarden Euro bewertete Autosparte in das neue Unternehmen einzubringen, berichtete die FAZ. Die Italiener wollen aus der Fiat-Autosparte, dem europäischen GM-Teil und dem kürzlich von Fiat erworbenen Autobauer Chrysler einen neuen, weltweit agierenden Player machen. Kritisch werde in dem Regierungsbericht jedoch angemerkt, dass Fiat "derzeit nur bedingt bereit" sei, sich an einer Überbrückungsfinanzierung für eine Herauslösung Opels aus GM zu beteiligen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte hierfür kürzlich eine Treuhand-Modell ins Spiel gebracht, mit dem der Rüsselsheimer Autobauer vorübergehend von einem unabhängigen Verwalter gelenkt werden soll. Am Abend soll im Bundeskanzleramt ein Spitzentreffen stattfinden, bei dem sich die Bundesregerung auf einen bevorzugten Kandidaten für die Übernahme Opels festlegen will.

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(sueddeutsche.de/AFP/Reuters/dpa-AFX/tob/mel)