Streit um Kältemittel für Autos EU startet Verfahren gegen Deutschland wegen Kältemittel

Die eine Chemikalie belastet das Klima, die andere soll leicht entflammbar und gesundheitsgefährdend sein: Die EU-Kommission streitet sich mit Daimler darum, welches Kältemittel in Fahrzeugen verwendet werden soll. Nun wird auch die Bundesregierung in den Fall verwickelt.

Die EU-Kommission will Deutschland im Streit um Kältemittel für Klimaanlagen bei Mercedes-Modellen zur Rechenschaft ziehen. Brüssel wirft der Bundesregierung vor, neue Fahrzeugtypen von Daimler mit dem bisherigen, klimaschädlicheren Kältemittel zuzulassen. Industriekommissar Antonio Tajani kündigte am Donnerstag ein Vertragsverletzungsverfahren an, weil Deutschland Daimler nicht an der Verwendung des alten Kältemittels hindert.

Der Stuttgarter Autobauer weigert sich die von Honeywell und Dupont produzierte Chemikalie 1234yf in Klimaanlagen einzufüllen, weil eigene Tests eine Entflammbarkeit des Mittels ergeben haben. Diese ist aber die einzige, die die seit 2013 geltenden schärferen EU-Klimaschutzauflagen erfüllt. Bei neuen Fahrzeugtypen ist das alte Kältemittel nicht mehr zulässig.

Die neue Chemikalie wirkt sich auf die Erderwärmung deutlich weniger aus als das herkömmliche Mittel R134a. Im Vergleich zum Treibhausgas Kohlendioxid ist das neue Mittel nur viermal stärker - bei der von Daimler eingesetzten Chemikalie R134a liegt der Faktor bei mehr als 1000.

Allerdings warnen auch Umweltschützer vor der neuen Chemikalie 1234yf: So wies die Deutsche Umwelthilfe darauf hin, dass bei Bränden Flusssäure (Fluorwasserstoff) entstehe. Die Säure könne Lungen verätzen und zu Schwellungen führen. Bei einem zu Testzwecken in einem Tunnel angezündeten Wagen sei eine Konzentration gemessen worden, die innerhalb kürzester Zeit zu gesundheitlichen Schäden führe.

Nach EU-Recht muss das alte Mittel schrittweise bis Ende 2016 aus dem Markt genommen werden. Daimler entwickelt als Alternative eine Klimaanlage, die CO₂ als Kältemittel einsetzt. Die ersten Tests mit Fahrzeugen sollen im Frühjahr laufen. Die Serienreife will das Unternehmen bis 2017 erreichen.