Streit um Handy-Pleite BenQ-Manager sollen zahlen

Schwere Vorwürfe: Bereits sechs Monate vor der Pleite soll BenQ Mobile das Geld ausgegangen sein. Trotzdem floss Kapital aus dem Unternehmen. Nun soll die ehemalige Führung büßen.

Von Markus Balser

Ehemalige Top-Manager des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile und seiner taiwanesischen Mutter sollen mit eigenem Vermögen für die Pleite des deutschen Milliardenkonzerns haften. Insolvenzverwalter Martin Prager fordert nach Informationen der Süddeutschen Zeitung von mehreren Ex-Managern Schadenersatz in Millionenhöhe.

Damit eskaliert der Streit um eine der größten Insolvenzen in Deutschland. Gut zwei Jahre nach dem Aus der ehemaligen Siemens-Handysparte unter dem Dach des taiwanesischen BenQ-Konzerns könnten frühere Spitzenmanager nun vor deutschen Gerichten landen. Prager habe, so verlautete aus Justizkreisen, drei taiwanesische Spitzenmanager verklagt: Ex-Geschäftsführer David Wang, den damaligen BenQ-Finanzchef Alex Liou und den früheren Vizechef des Gesamtkonzerns, Jerry Wang.

Umstrittene Zahlungen

Für die drei Taiwanesen könnte die Pleite teuer werden: Prager fordert den Angaben zufolge von jedem einzelnen Manager 28 Millionen Euro Schadenersatz. Möglicherweise müssten in dem Fall weitere Ex-Manager mit Post rechnen, heißt es in Justizkreisen. Offen blieb zunächst, ob auch auf den Ex-Chef von BenQ Mobile Millionenforderungen des Insolvenzverwalters zukommen.

Der Insolvenzverwalter hatte zuvor monatelang die Bilanzen von BenQ Mobile geprüft. Prager geht inzwischen davon aus, dass dem letzten deutschen Handyhersteller das Geld schon fast sechs Monate vor der offiziellen Pleite Ende September 2006 ausging. Prager ist sich sicher, dass BenQ Mobile bereits zum 1. Mai 2006 zahlungsunfähig war. Dennoch seien laut Klage zu Unrecht weiter Gelder aus dem Unternehmen abgeflossen.

Im konkreten Fall gehe es um umstrittene Zahlungen im September 2006. David Wang und Alex Liou die Klagen seien die Klagen bereits bei einem Deutschlandaufenthalt im vergangenen Jahr zugestellt worden. Die Klage gegen Jerry Wang müsse dagegen den zeitaufwändigen Dienstweg über Gerichte und die Justizministerien in Deutschland und Taiwan gehen, verlautete weiter.

Durchhalteparolen trotz Krise

Den Verdacht, der Handy-Hersteller habe Finanzprobleme verschwiegen, wurde den Angaben zufolge offenbar durch vertrauliche E-Mails genährt. "Wir haben null Budget mehr", schrieb Finanzchef David Wang am 16. August 2006 in einer E-Mail an den Geschäftsführer des Handyherstellers.

Nach außen gaben Top-Manager offiziell dagegen Durchhalteparolen aus. "Wir gehen optimistisch ins Weihnachtsgeschäft", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens zur gleichen Zeit. Nach Bekanntgabe der Insolvenz Ende September beteuerte das Management, es sei von der Pleite völlig überrascht: "Die Geschäftsleitung ist schockiert. Das ist eine Entscheidung, mit der wir nicht gerechnet haben."

Die rätselhaften Umstände der Pleite hatten auch die Münchner Staatsanwaltschaft beschäftigt. Bei den Ermittlungen gegen Ex-Manager geht es unter anderem um den Verdacht, dass der Insolvenzantrag zu spät gestellt wurde. Auch die Fahnder wollen klären, ob Manager schon lange vor der Pleite von gravierenden Finanzproblemen erfahren und die Zahlungsschwierigkeiten verschwiegen haben. Nach Informationen der SZ verfolgt die Staatsanwaltschaft die Untersuchung des Insolvenzverwalters und will für eigene Ermittlungen auch auf dessen jüngsten Erkenntnisse zurückgreifen.

Erhebliche Guthaben

Prager wollte die Millionenklagen am Dienstag nicht bestätigen. "Die Durchsetzung aller Ansprüche gehört zu den Aufgaben des Insolvenzverwalters, darunter auch Ansprüche gegen frühere Manager", sagte er lediglich.

Der Elektronikkonzern Qisda, wie BenQ heute heißt, wehrte sich am Dienstag gegen die Vorwürfe. Ein Qisda-Anwalt der Kanzlei Lovells wies die Forderung zurück, Manager sollten für umstrittene Finanztransaktionen haften. "Die BenQ Mobile OHG war im fraglichen Zeitraum nach den vorliegenden Unterlagen zahlungsfähig", sagte Detlef Haß. Der Handy-Hersteller habe über erhebliche Guthaben bei Banken, auf Konten - dem so genannten Cash Pool der Gruppe - und Ansprüche gegen Lieferanten verfügt.

Die Geschäftsführer David Wang und Alex Liou gingen anhand der Buchhaltung von der Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft aus. Die angegriffenen Zahlungen seien im Interesse der Gesellschaft gewesen. Jerry Wang war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.