Die Kritik zeigt Wirkung: Finnlands Regierung erklärt sich bereit, bei ihrer Vereinbarung mit Athen nachzubessern, die exklusive Sicherheiten im Gegenzug für Kredite vorgesehen hat. Ministerin von der Leyen fordert jetzt: Kredite nur noch gegen Pfand - am besten in Gold.
Eigentlich sollten die Politiker der Euro-Zone derzeit daran arbeiten, die Hilfen für Griechenland durch die Parlamente zu bringen. Stattdessen müssen sie sich mit dem Deal herumschlagen, den das nördlichste Mitglied der Währungsunion mit dem Pleitestaat abgeschlossen hat. Nach wütenden Protesten aus anderen europäischen Staaten zeigt sich Finnlands Regierungschef Jyrki Katainen jetzt aber kompromissbereit.
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Ihr Deal empört deutsche Parlamentarier: Die Finanzminister von Griechenland, Evangelos Venizelos (l.), und Finnland, Jutta Urpilainen, bei einem Treffen im Juli in Brüssel. (© Bloomberg)
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"Wir wissen, dass das ein heikles Thema in vielen Ländern ist", sagte Katainen der Nachrichtenagentur Bloomberg über die exklusive Vereinbarung, nach der Griechenland bei der finnischen Regierung im Gegenzug für Rettungsmilliarden Sicherheiten hinterlegt. Katainen zeigt sich nun zu Nachverhandlungen bereit: "Es ist zwar eine sehr gute technische Lösung, aber wenn dieses spezielle Modell nicht möglich ist, dann müssen wir versuchen, ein anderes Modell zu finden."
Beide Staaten hatten sich vergangene Woche geeinigt, dass Griechenland mehrere hundert Millionen Euro auf einem finnischen Staatskonto hinterlegt. Da die Regierung in Athen selbst kein Geld mehr hat, müsste es sich erst mal welches von den Euro-Staaten leihen - und dieses dann an Finnland weitergeben. Der würde diese Sicherheiten wieder an Griechenland verleihen - über den Euro-Rettungsfonds EFSF.
Auch deutsche Politiker aus Regierung und Opposition hatten die Abmachung kritisiert. "Sonderkonditionen sind der falsche Weg", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), der Rheinischen Post. "Damit löst man keine Probleme." Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) sagte: "Es kann nicht Helfer ersten und zweiten Ranges geben."
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht Finnland dagegen offenbar als Vorbild für ganz Europa. "Den europäischen Institutionen müssen für die Bereitstellung der Kredite Sicherheiten gegeben werden. Sie sorgen dafür, dass die Vereinbarungen nicht wie die Maastricht-Verträge wieder gebrochen werden. Faktisch haben wir so eine wirksame europäische Schuldenbremse", zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung von der Leyen.
Kredite nur noch gegen Pfand, und das Pfand am besten in Gold: So stellen sich viele in der CDU dieses Modell vor. Italien verfüge zum Beispiel über große Goldreserven, die das Land hinterlegen könnte.
Auch Österreich will Pfand für Hilfe
Der Finnland-Effekt hat bereits andere Staaten in Europa erfasst. Die Niederlande, Österreich und die Slowakei fordern Gleichbehandlung. Während die Regierung in Den Haag Sondervereinbarungen rundweg ablehnt, will Österreich ebenfalls Geld, um seine Kredite an Griechenland abzusichern - allerdings nur, wenn Finnland und Griechenland bei ihrem Deal bleiben.
Österreichs Finanzministerin Maria Fekter hatte aber einen Kompromiss vorgeschlagen: Ob Länder ein Pfand erhalten, solle von der Beteiligung ihres Banken- und Versicherungssektors abhängen. Auch gegen diesen österreichischen Vorschlag haben die Niederlande Vorbehalte.
Die Bundesregierung hatte die Vereinbarung ebenfalls kritisch bewertet. Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte: "Eine Frage, die sich natürlich stellt, ist, ob Sonderlösungen für einzelne Mitgliedsstaaten in der Euro-Zone konsensfähig sind."
Mit Spannung wird erwartet, ob sich die beiden Finanzminister der wirtschaftlich stärksten EU-Staaten zu der Vereinbarung äußern werden. Am Dienstagvormittag trifft Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Paris seinen französischen Kollegen François Baroin.
Generell geht es gerade manchen Politikern zu schnell bei der Umsetzung der Beschlüsse. Bundestagspräsident Norbert Lammert erinnert seit Tagen an die Rechte des Parlamentes. Und nun droht auch noch aus Hessen Gegenwind. Notfalls werde das Bundesland den Vermittlungsausschuss anrufen, sagte Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
"Die Staats- und Regierungschefs haben beschlossen, den Euro mit Milliardenbeträgen des Steuerzahlers zu retten. Es ist jetzt das Natürlichste der Welt, diesem Mechanismus eine parlamentarische Legitimation zu geben", sagte er. Jeder, der eine parlamentarische Kontrolle ablehne, sollte sich fragen, ob er noch das richtige Verhältnis zur parlamentarischen Demokratie habe. "Ich möchte heute keinem Mechanismus zustimmen, der noch Generationen von Politikern die Hände bindet."
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(sueddeutsche.de/reuters/dapd/jab/aum)
Übernimmt jetzt Frau von der Leyen den Job von Wolfgang Schäuble? Das ist doch das Normalste auf der Welt, Sicherheiten zu verlangen. Aber wer 100.000 DM in der Schublade vergessen hat, hat auch vergessen, Verträge richtig zu prüfen, denn langsam dämmert es den Politikern, was sie mit den Rettungsschirmen angerichtet haben. Soviel Schafskäse, Oliven und Lammkoteletts kann Griechenland nie erzeugen, um seine Zinsen, geschweige denn, Schulden zu zahlen. Die Geberländer sind mitten im Abwärtsstrudel. Ihr Pech ist, wenn sie unten angekommen sind, wird es keine neuen Geberländer mehr geben und sie müssen sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Schon jetzt fehlt das Geld in den Kommunen an allen Ecken und Enden. Die Obersten in der EU agieren leichtsinniger und unverantwortlicher als die Verantwortlichen im Anglerverein.
Die Staatschefs hätten nie den Geldtransfer zur Rettung der Euro-Staaten genehmigen dürfen.
Aber die Deutschen haben angefangen, Verträge zu ignorieren. Sie haben seinerzeit unter Eichel den EU-Stabilitätspakt ausgehebelt und die Verschuldungsgrenze von 3 % des Bruttoinlandsproduktes überschritten. Somit hat Deutschland die Wackelstaaten eingeladen, Ähnliches zu tun und die Verschuldung immer höher zu treiben. Hätte die Schröder-Regierung damals das angedrohte Defizitverfahren akzeptiert, wären wir mit wenigen Milliarden Euro an Strafe – heute sind das Peanuts – erst gar nicht in die Eurokrise geraten.
Im Euroland herrscht Diktatur. Und die Diktatoren sind, Barroso, Trichet und Juncker. Sie kümmern sich einen Sche..ß um Verträge und machen was sie wollen, ohne dass wir sie gewählt haben. Irgendwann, in naher Zukunft, werden sie von den Wutbürgern geschnappt und zur Rechenschaft gezogen werden.
Das Böse triumphiert, wenn die Guten nichts dagegen tun.
Zitat "...von der Leyen fordert jetzt: Kredite nur noch gegen Pfand - am besten in Gold. " Aus dem Artikel der Hannoverschen, den Sie verlinken, geht das nicht hervor. Nebenbei der Link zur FAZ ist falsch gesetzt - man landet bei einem SZ Artikel, und zwar doppelt.
Wer heute etwa aus Gold "Sicherheiten" verlangt, muss sich nach seiner Geschäftsfähigkeit fragen lassen, ausser er wäre bereit, auf der Stelle aus dem Gold herauszugehen. -
Ich verstehe Ihre Schwerpunkte in Berichten nicht mehr, ich halte Ihre Texte was EU, EUR Finanzen angeht, für eine Zumutung.
Aus den von der Leyen-Äusserungen (Hannoversche) hätten Sie immerhin etwas machen können, denn jene spricht von einer "europäischen Schuldenbremse" und erwähnt Maastricht.
Wer die Maastrichtkriterien als Erste brach, waren Schröder und seine SPD-Grüne Regierung.
Die Krise der Institutionen, die Krise der Vertrags-Einhaltung: das wäre ein Thema für Sie gewesen.
Zitat "Die Kritik zeigt Wirkung: Finnlands Regierung erklärt sich bereit, bei ihrer Vereinbarung mit Athen nachzubessern, die exklusive Sicherheiten im Gegenzug für Kredite vorgesehen hat. "
Es handelt sich nicht um "exclusive Sicherheiten" - der Vertrag vom 21.7.11, Brüssel erlaubt jedem Mitglied, das sich als Gläubiger, gleich in welcher Form, betätigen wird, das individuelle Verhandeln von Konditionen.
Man sollte Fr Merkel et al fragen, warum sie nicht von einem Vertrag Gebrauch macht - zum Nutzen des von ihr vertretenen Landes?
Ihre Berichterstattung SZ ist ein Problem.
für diese Machtinhaber vor allem hierzulande und auch diejenigen, die diese Wahnsinnspolitik tragen. Inklusive der Vollpfosten aus der Opposition, die da noch draufsatteln wollen, was die Machtinhaber schon verbraten.
Wo sind unsere wahren Finnen??????
"In Deutschland sind es halt die "stumme alternativlose Mutti" und die "hysterische Gurkentruppe"."
Sie vergessen die Partei, die sich laut der gelben Gurkentruppe wie eine Wildsau aufgeführt hat... Das Schöne ist ja bei dieser gegenseitigen Keilerei: sie haben alle recht!
Paging