Streit um deutsche Goldreserven Reden ist Gold

Die Bundesbank missachtet die goldene Regel der Krisenkommunikation: Je mehr Offenheit und Klarheit, desto größer ist das Vertrauen. Zwar gibt es keinen Anlass für das Misstrauen um die deutschen Goldbarren - doch die Banker haben zu lange gewartet. Sollten sie ihre Keller öffnen, wird das Ergebnis wohl weniger spannend sein, als vielfach vermutet.

Ein Kommentar von Marc Beise

Die Geheimniskrämerei um die Goldreserven der Deutschen Bundesbank (Archivbild aus einem Tresorraum der Deutschen Bundesbank) bietet Raum für Verschwörungstheorien.

(Foto: dapd)

Beim Geld hört die Freundschaft auf, heißt es, besser noch: Beim Geld hört das Vertrauen auf. Je mehr Geld im Spiel ist, desto üppiger blühen Verschwörungstheorien; das beweist die Finanz- und Schuldenkrise. Vernünftige Menschen dabattieren zu Recht darüber, wie viel Kontrolle die Banken brauchen, ob Griechenland in der Euro-Zone bleiben soll und wann Inflation droht. Wer sich verrückt machen lässt, ergeht sich stattdessen in Verschwörungstheorien.

So kehren fast schon im Wochenrhythmus Gerüchte wieder, wonach in deutschen Druckereien längst D-Mark-Scheine hergestellt würden für den Tag X, an dem Deutschland aus dem Euro austrete. Immer wieder gerne behauptet wird auch, dass das Gold der Bundesbank nicht mehr sicher sei, das zu einem großen Teil in den Tresoren tief unter der Erde in Frankfurt und im Felsenfundament von Manhattan sowie in kleineren Mengen auch bei anderen Notenbanken lagert.

Schon die Frage, ob es da überhaupt noch lagert, wird in Zweifel gezogen und behauptet, es sei längst verliehen, verpfändet, weitergeben gegen schnöde Wertpapiere, die im Falle der größten anzunehmenden Geldkrise nichts mehr wert wären.

Für diese Vermutung gibt es keine Anhaltspunkte. Es gibt im Gegenteil die Versicherung von maßgeblichen Bundesbankern, sie hätten jedenfalls das Frankfurter Gold gesehen, und natürlich sei es noch da. Was das Gold in New York und anderswo angeht, vertrauen die Notenbanker den Versicherungen ihrer dortigen Kollegen. Wer diese Zusagen infrage stellt, wer gar "das Gold heimholen" will, der legt die Axt ans Fundament jeder internationalen Zusammenarbeit.

Leider aber ist die Euro-Diskussion ein Einfallstor für Verschwörungstheoretiker, und leider beteiligen sich auch Politiker an diesem Spiel. An dieser Stelle verselbstständigt sich die sehr ernsthafte und höchst strittige Diskussion über die richtige Geldpolitik; und es entgleist der Vergleich des strikten deutschen Weges mit dem lockeren der Europäischen Zentralbank und erst recht dem ganz lockeren der amerikanischen Notenbank Fed. Locker - das bezieht sich auf die Geldpolitik, nicht auf Recht und Gesetz.

Die Bundesbanker in Frankfurt wissen schon länger um die Brisanz des Themas, sie haben zu lange abgewartet. Zwar gab es in Frankfurt durchaus Überlegungen, die Keller für Parlamentarier, vielleicht sogar für Journalisten zu öffnen, damit es mit den unsinnigen Gerüchten endlich ein Ende hätte. Dagegen sprachen vor allem Sicherheitsbedenken.

Nun prescht der Bundesrechnungshof vor und fordert mehr Transparenz ums Gold - im Inland, aber auch im Ausland. In der Tat könnte mehr Transparenz die Gemüter beruhigen. Je mehr Offenheit und Klarheit, desto größer ist das Vertrauen, so lautet eine häufig missachtete goldene Regel der Krisenkommunikation.

Die Keller sollen geöffnet, es soll Inventur gemacht werden. Das Ergebnis wird wohl weniger spannend sein, als vielfach vermutet.