Die französischen Bauern liefern ab sofort keine Milch mehr aus. Kollegen aus anderer Länder könnten bald folgen - auch deutsche.
Zehntausende französische Milchbauern haben beschlossen, wegen der Krise am Milchmarkt ab sofort in unbefristeten Streik zu treten. Produzenten aus sechs Ländern erklärten sich mit ihnen auf einer Protestveranstaltung solidarisch. Auch in Deutschland könnten die vom European Milk Board (EMB) vertretenen Milchbauern von diesem Freitag an nichts mehr ausliefern. Der EMB repräsentiert nach eigenen Angaben 13.0000 Betriebe in 14 Ländern, 35.000 davon in Deutschland.
Mit Blockaden und Lieferstopps wollen Europas Milchbauern eine Verdoppelung der Preise erzwingen. (© Foto: dpa)
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Mitglieder sind der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Deren Vorsitzender Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir dürfen nicht zum Streik aufrufen. Aber jeder von uns kann sich dazu entschließen, sich mit den französischen Bauern solidarisch zu erklären und nicht mehr zu liefern."
EU weist Mengenbegrenzung zurück
Etwa 3000 Landwirte aus zehn Ländern demonstrierten in Paris gegen die europäische Milchpolitik. Am Montag hatte die EU-Kommission den Wunsch von sechs Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, zurückgewiesen, die Mengenbegrenzung von Milch vorerst beizubehalten. Brüssel entschied sich zudem gegen zusätzliche Subventionen. Teile der französischen Milchbauern beschlossen daraufhin am Donnerstag den Lieferboykott.
Der Streik gilt ihnen als letztes Mittel, um die, wie sie sagen, existenzbedrohende Situation der Milchviehbetriebe zu ändern. Im vergangenen Jahr hatten bereits die deutschen Milchbauern mehrere Tage lang gestreikt und ihre Milch zum Teil weggeschüttet. Sie erreichten allerdings nur kurzfristig höhere Preise. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte den Boykottaufruf am Mittwoch als Verstoß gegen das Kartellrecht gewertet.
Ähnlich wie in Deutschland sind auch die französischen Bauern gespalten. Der größte Bauernverband Frankreichs, das Pendant zum Deutschen Bauernverband, sprach sich gegen einen Streik aus. Baringdorf zeigte sich darüber enttäuscht. "Der Bauernverband vertritt die Interessen der Milchindustrie", sagte er. Die Milchbauern bräuchten zum Überleben mindestens einen Preis von 40 Cent pro Liter statt 26 Cent heute.
"Wir wollen keine Subventionierung und keinen Garantiepreis, sondern flexible, marktorientierte Angebotsregulierung", sagte er. Die Kartellentscheidung zum Streikverbot in Deutschland hält Baringdorf für eine politische Aktion. "Die Wahl des Termins ist kein Zufall. Das soll wie eine Einschüchterung wirken", sagte er.
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(SZ vom 11.09.2009/gits/mel)
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Einerseits finde ich, der ökologisch wirschaftende Bauer sollte für seine Produkte einen vernünftigen Preis bekommen,
andererseits bin ich gegen die Subventionierung von unwirtschaftlichen Überproduktionen in der konventionellen und industriellen Landwirtschaft.
Was hat uns die industrialisierung der Landwirtschaft denn gebracht: Gen-, Medikamenten- und Dioxinskandale, überdüngte Felder, nitritverseuchte und übersättigte Gewässer, Zerstörung von Flußauen und Ausrottung vieler Tierarten, Rodung wichtiger Waldflächen mit einhergehender Erosion und Lawinenabgängen.
Ist das schützenswert? Ich meine: Nein!
Die Milchbauern bräuchten zum Überleben mindestens einen Preis von 40 Cent pro Liter statt 26 Cent heute.
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Dann streicht die Subventionen und es gibt marktgerechte Preise. Oder aber man fordert eben doch wieder einen Garantiepreis. Das sollte mal der Autoschrauber an der Ecke verlangen...
Wenn zu viel Milch produziert wird, dann sinken die Preise, es lohnt sich nicht mehr, einige Betriebe müssen schliessen. Dadurch sinkt das Angebot und der Preis steigt.
Das, und nichts anderes ist "marktorientierte Angebotsregulierung".