Die digitale Welt wirbelt die Taxi-Branche durcheinander: Ein Hamburger Start-up vermittelt über eine Smartphone-App Taxifahrten - der herkömmliche Funk könnte bald überflüssig sein. Die Taxizentralen sind empört, mittlerweile beschäftigt der Streit sogar die Justiz.
"Kunde wartet an der Ecke Hauptstraße, Gartenstraße" heißt es etwas rauschend aus dem Funkgerät. Die schnelle Reaktion: "Bin in der Nähe, fahre sofort hin." Tagtäglich gibt es in den Taxen dieses Landes Tausende solcher Dialoge. Denn die meisten Fahrer sind mit einer Zentrale verbunden - um lange Wartezeiten zu vermeiden und nicht auf Laufkundschaft angewiesen zu sein. Etwa 500 solcher Taxizentralen gibt es in Deutschland, ungefähr 40.000 Fahrer sind ihnen angeschlossen. Sie werden angefunkt und an einen wartenden Fahrgast vermittelt. Ein System, das seit Jahrzehnten funktioniert - doch es scheint, als habe es sich überlebt.
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Eine neue Art des Taxi-Rufs sorgt für Furore in der Taxibranche. Das Hamburger Start-up "myTaxi" vermittelt Fahrten und das nicht über die herkömmliche Funkzentrale. (© dpa)
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Denn in der Taxi-Branche tobt ein heftiger Streit: Immer mehr Fahrer nutzen neben dem herkömmlichen Funk zusätzlich ein Alleskönnerhandy, ein Smartphone, um Kunden zu gewinnen. Die Taxizentralen sehen das nicht gern. Einige drohen ihren Fahrern sogar mit Kündigung des Vermittlungsvertrags. Mittlerweile ist die Debatte ein Fall für die Justiz. Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied kürzlich, dieses Verhalten der Taxizentralen sei wettbewerbswidrig. Die Bundeswettbewerbsbehörde in Wien, wo die Handy-Vermittlung ebenfalls populär ist, wird diese Woche eine Klage einreichen, das Urteil ist in den kommenden vier Monaten zu erwarten.
Auslöser für den Streit ist eine Smartphone-Applikation, also ein Mini-Programm, das per Knopfdruck eine Verbindung zwischen Kunden und Fahrer herstellt und so Fahrten vermittelt. Die Zentrale ist nicht mehr nötig, sie wird umgangen. Ein Geschäftsmodell, das die Funkzentralen in ihrer Existenz bedroht. Die Idee für ihre Taxi-App namens myTaxi hatten die Hamburger Sven Külper und Niclaus Mewes im Morgengrauen vor den Türen eines Münchner Nachtclubs. Sie brauchten ein Taxi, hatten aber keine Ahnung, wo sie genau waren - ihr Handy schon. Ein Jahr Planungszeit später drückten die beiden 2010 den ersten Taxifahrern in Hamburg ein Smartphone in die Hand und starteten ihre Firma.
Heute ist myTaxi in 22 Städten Deutschlands vertreten, alleine in den vergangenen zehn Monaten haben sie mehr als 4000 Fahrer für sich gewonnen. Auch in Wien drängt myTaxi auf den Taximarkt, an einem Lizenzmodell für die Niederlande wird derzeit gearbeitet, London und Sydney sind in Planung. Das Geschäftsmodell: Die Fahrer zahlen 79 Cent je erfolgreich vermittelter myTaxi-Fahrt. Herkömmliche Zentralen verlangen dagegen monatlich etwa 200 Euro für die Vermittlung über Funk. "Pro Auto ist myTaxi fast um die Hälfte billiger", sagt Sven Wefels, ein Taxifahrer aus Hamburg. myTaxi-Chef Sven Külper sieht einen weiteren Vorteil: "Die Fahrer können selbstbestimmt arbeiten und sich einen persönlichen Kundenstamm aufbauen."
Das Modell funktioniert so: Die potentiellen Fahrgäste laden das kleine Programm auf ihr Alleskönnerhandy herunter, das dank des Satelliten-Navigationssystems GPS stets erkennt, wo sich der Nutzer befindet. Die Applikation zeigt an, welche freien Taxis in der Nähe sind. Die Fahrgäste suchen sich eins aus und drücken auf den Bestellknopf. Das Handy übermittelt dem Fahrer dann den Standort des Interessenten. Der Kunde kann auf dem Handy-Bildschirm nachverfolgen, wie sich das Taxi nähert. Ein Foto des Fahrers gibt es auch. Die Software weiß, welche Taxen frei sind, weil die Fahrer auf ihren Smartphones angeben, ob sie einen Gast haben. Die Position der Taxen übertragen die Handys der Fahrer ebenfalls an myTaxi.
Es ist nicht so, dass die Zentralen die Entwicklung einer Taxi-App verschlafen hätten. Sechs Wochen nach dem Start von myTaxi kam etwa die App der Taxi-eG-München auf den Markt. Doch myTaxi hatte den Vorteil, über zahlungskräftige Helfer zu verfügen: Der Investor T-Venture und die Beteiligungsfirma E42 finanzierten dem Start-up Werbung und Wachstum. "Wir haben mit Risiko investiert. Wie sich der Markt entwickelt, wird man sehen", sagt Thomas Grota, Senior Investment Manager der Telekom-Tochter T-Venture.
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Ich fahre viel Taxi und habe die App aus dem Artikel auch mal ausprobiert. Beim ersten Mal rief der Fahrer an und überredete mich, den Auftrag zu stornieren. Beim zweiten und dritten Mal kam ein Wagen vom Autoruf/6x6. Wenn ich mit der MyTaxi-App ein Taxi bestelle, will ich nicht einen 6x6 Wagen bekommen. Wenn ich das wollte, würde ich die anrufen. Will ich aber wirklich nicht. Weil das Argument mit der Qualität eben doch stimmt. Die Autos waren alte Hütten und die Fahrer merkwürdig.
Ich bleibe bei Hansa-Taxi in Hamburg, die haben zur Not auch eine App. Und die kann ich sogar anrufen und mit einem Menschen sprechen, weil es eben bei Bestellungen schon mal auf die Details ankommt und nicht auf ein GPS, das 50m Toleranz bei der Ortsbestimmung hat. Da steht der Wagen dann nämlich mal eine Straße weiter und sucht sich `nen Wolf, während ich in Wahrheit um die Ecke stehe und warte.
sie habens geschrieben; zumindest in münchen ist die funkzentrale genossenschaftlich organisiert, gehört also allen beteiligten unternehmern; insofern kann man davon ausgehen, dass sich diese nicht das wasser abgraben und auf dicken kosten sitzenbleiben wollen und deshalb die migration zu neuen techniken vorantreiben, die die vermittlung billiger und zuverlässiger machen. aber als konkurrenzsystem zum funk machen sie diesen fast obsolet, und die eigentümer/genossenschaftler laufen gefahr, auf einem dicken gerätepark und entsprechenden kosten sitzen zu bleiben; so dicke sind die gewinne im gewerbe nicht, das man sich das leisten könnte. sie werden also selber darauf achten, dass die vermittlung in ihren händen bleibt.
Die App ist der Knaller, während ich bei Taxizentralen oft mintuenlang, tw. über 10 Minuten in Warteschlangen war kann ich jetzt mit der App. alles in 30 Sekunden erledigen. Vorteil für mich, ich habe alle Daten über den Fahrer, wenn etwas nicht gut läuft, und ich kann mich über ihn informieren aufgrund der Bewertungen. Genauso ist es für den Fahrer sicherer, es steigt niemand anonym in das Taxi, sondern er kann genau nachvollziehen wen er vor sich hat. Auch werden bestellte Taxis vor Clubs etc. nicht mehr von anderen wartenden weggeschnappt, im Zweifelsfall ruft der Taxifahrer kurz durch, derjenige bei dem es klingelt ist der richtige Wartende - Streit um ein Taxi nach dem Konzert schon vermieden. Das sich jetzt die Taxizentralen ärgern ist logisch, aber da hätten sie wohl früher mal in die Zukunft denken müssen anstatt sich Jahrzehntelang auf dem bestehenden auszuruhen - zumindest in Richtung Service Vorteile schaffen. Da nichts getan wurde sind sie jetzt ersetzbar und brauchen sich nicht zu beschweren. I love myTaxi App - Danke an die Entwickler
Werden die Leute von der Funkzentrale dann hoffentlich bei der Vermittlung unterkommen, dort wo man immer diese Telefonkabel in die Kontakte in der grossen Schaltwand vor ihnen ?
Gewiss ist dort der Personalbedarf noch sehr gross..
Ich weine dicke Tränen, jedesmal wenn eine völlig veraltete Technologie durch neue schnellere billigere Methoden abgelöst wird... Heeeuuul !! Schluchz schnieff !!
Keine gute Idee.
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