Im Streit mit den Kassen könnte ein Schiedsspruch den Apothekern zusätzliche Millionen bringen. Die Regierung warnt aber vor einem allzu üppigen Plus - wegen der Wirtschaftskrise.
Angesichts der Milliardendefizite in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben Gesundheitspolitiker der schwarz-gelben Koalition überraschend deutlich vor einem allzu üppigen Anstieg der Bezüge der Apotheker gewarnt. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir befinden uns in einer großen Wirtschaftskrise und rechnen mit einem Milliardendefizit in der GKV. Ich erwarte, dass der Schiedsspruch die äußerst angespannte finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkasse berücksichtigt."
Deutschlands Apotheker dürfen auf einen Anstieg ihrer Bezüge hoffen. (© Foto: dpa)
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Nach Angaben aus der schwarz-gelben Koalition soll noch in dieser Woche ein Schiedsspruch im seit Monaten anhaltenden Streit zwischen GKV-Spitzenverband und den Deutschen Apothekerverbänden verkündet werden. Es geht um die Höhe des Rabatts, den die Apotheker den Kassen gewähren müssen.
Den Angaben zufolge dürfen die Betreiber der 22.000 Apotheken in Deutschland dadurch auf ein Plus von 350 Millionen Euro hoffen. Derzeit ist ein Rabatt von 2,30 Euro für eine Fertigpackung fällig, also für ein Medikament, das der Apotheker nicht selbst herstellt.
Hoffen auf die Zukunft
Der GKV-Spitzenverband will diese Summe auch in Zukunft einstreichen, während die Apotheker deutlich weniger zahlen möchten. Nach Angaben aus der Koalition dürfte der Schiedsspruch nun auf eine Abgabe in Höhe von 1,70 Euro hinauslaufen. Diese Summe war bereits im Herbst vergangenen Jahres als Kompromiss im Gespräch. Der GKV-Spitzenverband hatte das Ergebnis damals jedoch abgelehnt, weshalb weitere Verhandlungen und die Anrufung eines Schlichters notwendig wurden.
Fiele der Schiedsspruch nun wie von der Koalition erwartet aus, würde das neue Lasten für die Kassen bedeuten. Sie rechnen für 2010 mit einem Defizit von 7,5 Milliarden Euro, das durch den Zuschuss von 3,9 Milliarden Euro nur zum Teil gelindert wird. Im laufenden Jahr liegt es bei etwa zwei Milliarden Euro.
Angesichts dieser Zahlen warnte auch die FDP die Apotheker davor, allzu selbstverständlich von einer Erhöhung ihrer Bezüge auszugehen. "In keinem Bereich des Gesundheitswesens gibt es eine automatische Anpassung an Mehraufwand", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Liberalen, Ulrike Flach. Der Schiedsspruch spiegele die Hinterlassenschaft der Vorgängerregierung und ihrer Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wider.
"Es ist sozusagen Ullas Tretmine mit Zeitzünder", sagte Flach, stellte jedoch eine grundsätzliche Verbesserung für die Apotheker in Aussicht. Die Koalition werde im Laufe der Legislaturperiode die Finanzierung des Arzneimittelmarktes prinzipiell neu regeln. "Dazu gehört auch eine angemessene Vergütung für die Arbeit und den Aufwand der Apotheker."
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(SZ vom 02.12.2009/mel/jab)
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Aus eigener Erfahrung. Gehen Sie mal nach Schweden. Da haben Sie weniger Apotheken in bis heute staatlicher Hand. Die Apotheken werden spätestens um 18.30 geschlossen und eine Sekunde später. Wenn Sie vor der Türe stehen hatten sie Pech und müssen bis 09.00 warten. Und billiger sind die Medikamente deshalb auch nicht.
Sie könnten anfügen: In Spanien.... . Da haben sie dann sicher evt recht, aber ich kann dazu leider nicht viel sagen.
Ansonsten denke ich aber, dass wir im Grossen und Ganzen mit den Apotheken recht zu frieden sein können. Sie beraten kompetent und liefern einen guten Service.
"sagte Flach, stellte jedoch eine grundsätzliche Verbesserung für die Apotheker in Aussicht"
Mich würde eher interessieren, welchen echten Mehrwert die Apotheken im Gesundheitswesen erbringen, und was dieser kosten (darf). Mir fällt es zudem schwer einzusehen, dass in vielen Orten derart viele Apotheken tätig sind. Diese Kosten trägt ...?
" Die Regierung warnt aber vor einem allzu üppigen Plus - wegen der Wirtschaftskrise. "
Haben wir einen freien Markt? Ich sehe und befürchte es kommt zu ähnlichen Katastrophen, die schon die Kohlregierung nach der Widervereinigung ( kein Rechtschreibfehler, sondern so gemeint) gemacht hat. Apotheker und Ärzte haben mit der Wirtschaftskrise nicht zu tun. Oder beabsichtigt die Regierung diese Gruppen auch in den Managerbonusrettungsfond aufzunehmen?