Streit in Verhandlungen Amazon setzt Warner Video unter Druck

Der dritte Anbieter in kurzer Zeit: Amazon schaltet für Filme von Warner Video die Vorbestell-Funktion ab. Betroffen davon ist zum Beispiel der Lego-Film, der weltweit 400 Millionen US-Dollar eingespielt hat. Für Amazon könnte das Verhalten Folgen haben.

Das Geschäftsmodell von Amazon lässt sich in einem Wort zusammenfassen: "erhältlich". Jede Ware, so absurd niedrig die Bestellzahl auch sein mag, soll lieferbar sein - und zwar schnell. Die Überlegung ist: Wenn Kunden ihre Extrawünsche bei Amazon kaufen können, packen sie den Warenkorb auch mit weiteren, alltäglichen Waren voll.

Doch nun legt sich Amazon in kurzer Zeit bereits mit dem dritten Anbieter an, dieses Mal mit Warner Video. Deren Waren sind plötzlich nicht mehr so schnell erhältlich. Zuvor hatte sich Amazon sowohl mit dem französischen Verlag Hachette als auch den schwedischen Konzern Bonnier angelegt. Zu Bonnier gehören auch deutsche Verlage wie Piper, Berlin, Ullstein und Carlsen.

Laut der Filmseite Digital Bits soll Amazon seine Marktmacht als Druckmittel einsetzen, um neue Verträge auszuhandeln. Für die Kunden ist dieser Druck gut sichtbar: Sie können Filme von Warner Video nicht vorbestellen.

Das gilt zum Beispiel für den Lego-Film, der weltweit mehr als 400 Millionen US-Dollar eingespielt hat. "Das ist der am meisten erwartete Film des Jahres", schreibt ein Nutzer auf der Seite. Amazon schaufle sich mit diesem Verhalten das eigene Grab.

Für Amazon könnte diese Blockade Folgen haben - selbst wenn der Streit mit Warner Video nicht halb so erbittert geführt wird wie der mit dem französischen Hachette-Verlag. Im Fall Warner Video sind bis dato nur die Vorbestellungen betroffen, nicht die Produkte selbst. Warner Video ist indes ein weiteres Schwergewicht, das gegen Amazon antritt und "so nicht!" sagt. Je mehr Schwergewichte sich diesem Kampf anschließen, desto mehr verliert die Marktmacht Amazons an Bedeutung.

Auch die Reputation könnte gefährdet sein: Wie lange kann es sich Amazon leisten, das für Mitte Juni angekündigte Buch von Joanne Rowling nicht zu verkaufen? Rowling ist Autorin der Harry-Potter-Reihe und vertreibt ihre Bücher über Hachette. Am Ende füllen dann die Kunden ihren Warenkorb bei der Konkurrenz.