Von Uwe Ritzer und Meite Thiede

Nach monatelangen Querelen haben sich die Kontrahenten auf einen Kompromiss geeinigt: In den Aufsichtsrat von Continental ziehen Vertreter des Großaktionärs Schaeffler ein. Die Gummisparte wird für einen Verkauf vorbereitet.

Im Kampf um die Macht bei Continental haben sich die Kontrahenten auf einen Kompromiss geeinigt. An die Spitze des Aufsichtsrats rückt jetzt ein Schaeffler-Vertrauter. Strippenzieher der Lösung war neben Altkanzler Gerhard Schröder auch Niedersachsens Landeschef Christian Wulff.

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(© Foto: dpa)

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Die Aufsichtsräte der Continental AG mussten zusammenrücken, als sie sich am Samstag zur Krisensitzung trafen. Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg hatte nicht nur Altkanzler Schröder nach Hannover eingeladen, der in dem Streit zwischen der Schaeffler-Gruppe und Conti als Vermittler arbeitet, sondern auch die Gegner aus Herzogenaurach. Die Schaeffler-Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, Firmenchef Jürgen Geißinger und der Düsseldorfer Rechtsanwalt Hans Rolf Koerfer waren angereist.

Am Nachmittag zeigte sich: Die vielen Vorgespräche, die Schröder und Niedersachsens Ministerpräsident Wulff in den vergangenen Tagen mit den Zerstrittenen geführt hatten, hatten sich gelohnt. Man habe eine Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit auf Grundlage der Investorenvereinbarung gefunden, teilten die Unternehmen mit.

Schaeffler bekommt in Kürze über vier Aufsichtsratsmandate direkten Einfluss auf Continental. Der Familienkonzern verfügt zwar nach einem Übernahmeangebot über 90 Prozent der Conti-Aktien, hat aber bisher keinerlei Einfluss in Hannover ausüben können. Frau Schaeffler und ihr Sohn, Geißinger sowie Koerfer sollen per Gerichtsbeschluss bestellt werden, sobald vier Mitglieder zurückgetreten sind. Wer ausscheidet, steht noch nicht fest.

Chef des Aufsichtsrats wird Schaeffler-Berater Koerfer, der bisherige Amtsinhaber Hubertus von Grünberg soll im Aufsichtsrat bleiben. Zudem wechselt Finanzvorstand Alan Hippe zum Stahlkonzern Thyssen-Krupp.

Schaeffler und der Conti-Aufsichtsrat haben auch inhaltlich einen Kompromiss gefunden. So ist von einer Zusammenlegung der Automotive-Sparten jetzt erst einmal nicht mehr die Rede. Der Conti-Vorstand soll aber Konzepte für eine Kooperation erarbeiten. Schaefflers angebliches Drängen auf ein Zusammenlegen der Sparten hatte vor einigen Wochen bei Grünberg heftige Gegenwehr erzeugt und die Fronten verhärtet.

Das Reizwort Fusion wurde nun erst einmal ausgeklammert. Contis Reifensparte soll rechtlich und organisatorisch auf eigene Füße gestellt werden. Diesen Prozess soll Grünberg eng begleiten. Von einem Verkauf der profitablen Gummisparte ist zwar nicht die Rede, aber die Verselbständigung dürfte die Vorbereitung dazu sein, heißt es in Konzernkreisen. Schließlich brauche Schaeffler dringend Geld.

Im August 2008 hatten Conti und Schaeffler nach langem Übernahmekampf eine Investorenvereinbarung erzielt. Danach reduziert Schaeffler die Beteiligung an Conti für vier Jahre auf 49,9 Prozent - der Rest wird bei Banken geparkt - und sichert zu, gegen den Willen von Conti keine großen Veränderungen wie Verkäufe anzustrengen. Schröder war damals als Garant dieser Vereinbarung eingesetzt worden.

Er hat nun im engen Schulterschluss mit Niedersachsens Landeschef Wulff agiert, heißt es in Hannover. Der CDU-Politiker muss befürchten, dass Niedersachsen infolge der Übernahme Contis durch Schaeffler Arbeitsplätze und Steuergelder verlorengehen.

Der Schwerpunkt einer Automotive-Gruppe läge im Süden: Die Schaeffler-Zentrale liegt in Franken, Contis Automotive-Zentren bei Frankfurt und in Regensburg. Für Hannover böte sich aber wenigstens die Chance, Hauptquartier der Reifensparte zu bleiben. Damit habe sich eine Interessensachse zwischen Grünberg und Wulff ergeben, heißt es. Bei einem späteren Verkauf der Sparte würde sich Niedersachsen möglicherweise auch finanziell beteiligen, um zu verhindern, dass ein ausländischer Wettbewerber den Zuschlag bekommt. Grünberg werden gute Kontakte zu Private-Equity-Firmen nachgesagt, die Interesse an einem Einstieg haben könnten.

In Herzogenaurach vermeidet man Triumphgeheul. Dennoch sagen Beobachter: Schaeffler und Geißinger haben sich in der für sie wichtigsten Personalie durchgesetzt. Der Erfolgsdruck ist groß. Die Automobilkrise macht beiden Zulieferern zu schaffen. Für das bisher unabhängige Familienunternehmen ist vor allem die starke Abhängigkeit von den Banken eine neue Situation. Schaeffler wolle bei Conti nun so schnell wie möglich "Ruhe in den Laden bringen", um zu vermeiden, dass die Banken das Heft des Handelns übernehmen.

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(SZ vom 26.1.2009)