Reisende müssen sich in Deutschland auf schwere Zeiten einstellen. Bei der Bahn und der Fluglinie LTU stimmte das fahrende und fliegende Personal für Streiks.
Mitten in der Urlaubszeit droht in Deutschland ein Verkehrschaos. Sowohl Lokführer der Bahn als auch Piloten des Ferienfliegers LTU bekundeten in Urabstimmungen ihren Willen zum Streik.
Bild vergrößern
Ein LTU-Flieger am Flughafen Düsseldorf. (© Foto: ddp)
Anzeige
Die Lokführer in der Gewerkschaft GDL stimmten mit 95,8 Prozent für einen Streik. Die Hürde von 75 Prozent wurde damit klar übertroffen. Damit könnte bereits in den nächsten Tagen ein Streik beginnen.
Die Lokführer fordern neben einem eigenen Tarifvertrag ein Einkommensplus von mindestens 31 Prozent. Industrieverbände, Wirtschaftsexperten und der Städtebund hatten die Gewerkschaft zum Einlenken aufgefordert und vor negativen Auswirkungen auf Unternehmen und Konjunktur gewarnt.
Kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Urwahlen bei den Lokführern wurde bekannt, dass auch beim Ferienflieger LTU mit Streiks gerechnet werden muss.
Bei einer Urabstimmung hätten 96 Prozent der befragten Mitglieder für unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt, teilte die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) am Montag in Neu-Isenburg mit. 91 Prozent der aufgerufenen Mitglieder hatten sich an der Abstimmung beteiligt.
Bei der bald zu Air Berlin gehörenden Fluggesellschaft LTU rückt ein Piloten-Streik mitten in der Ferienzeit näher. In der Auseinandersetzung um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen müsse ab sofort mit unbefristeten Arbeitsniederlegungen gerechnet werden, teilte die Gewerkschaft am Montag mit.
Das Management der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft warnte vor einem Streik. Dieser gefährde das wirtschaftlich noch immer angeschlagene Unternehmen und damit auch die geplante Übernahme durch Air Berlin. Deren Aktie gehörte am Montag zu den Börsenverlierern.
Für Donnerstag ist noch eine weitere Gesprächsrunde angesetzt. Von den LTU-Piloten haben sich laut Gewerkschaft 91 Prozent an der Urabstimmung beteiligt und von diesen wiederum 96 Prozent für Streik votiert.
Erste Warnstreiks am Montagmorgen
Montag früh kam es infolge einiger Warnstreiks bereits zu Verspätungen bei LTU. Die Gewerkschaft ließ auch bei der Air-Berlin-Tochter dba mit einigen Warnstreiks die Muskeln spielen. Dort schwelt ebenfalls ein Tarifstreit. Beim Mutterunternehmen selbst ist VC bislang nicht vertreten.
Die LTU-Piloten fordern nach den Worten von VC-Vizepräsident Niels Stüben sechs Prozent mehr Gehalt, veränderte Eingangsstufen, längere Ruhezeiten und eine Wachstumsgarantie.
"Es geht auch darum, dass die 2002 im Zuge der Sanierung der LTU von den Piloten akzeptierten Zugeständnisse jetzt wieder rückgängig gemacht werden", sagte Stüben. LTU habe bisher drei Prozent mehr Gehalt angeboten.
LTU warf Cockpit vor, das Überleben der Fluggesellschaft zu riskieren. "Mehr als eine Woche in der Hochsaison würde schon sehr kritisch für uns sein", sagte ein Sprecher am Montag. "Wir bereiten uns jetzt auf einen Arbeitskampf vor und erwarten, dass auf jeden Fall bis zu weiteren Gesprächen am Donnerstag davon Abstand genommen wird", sagte er.
LTU schreibt seit Jahren Verluste und ist zudem verschuldet. Die Übernahme durch Air Berlin wird derzeit vom Bundeskartellamt intensiv geprüft und ist noch nicht rechtskräftig.
Die Pilotengewerkschaft wies den Vorwurf zurück, sie gefährde das Unternehmen und die Übernahme. "Alles hängt von den nächsten Terminen mit der Geschäftsführung ab, ob diese das Angebot noch verbessert", sagte VC-Vize Stüben zu Reuters TV.
Am Morgen hatte Cockpit bereits zu einem Warnstreik aufgerufen. Bei der Fluggesellschaft LTU und bei der bereits in die Air-Berlin-Gruppe integrierten dba fielen 14 Flüge aus.
Insgesamt mussten rund 2400 Passagiere bis zu zwei Stunden auf ihren Abflug warten. Cockpit wollte damit den Druck auf die Arbeitgeber bei beiden Gesellschaften im Tarifkonflikt um neue Mantel- und Vergütungstarifverträge erhöhen.
Beim Ferienflieger LTU waren nach Unternehmensangaben etwa 2100 Passagiere auf den Flughäfen Düsseldorf und München betroffen. Die Flugziele lagen in Griechenland, der Türkei, Spanien und Dänemark.
Bei den Flügen von Air Berlin mit dba-Piloten und dba-Maschinen waren in München nach Unternehmensangaben 314 Passagiere auf drei Strecken innerhalb Deutschlands betroffen. Die dba ist nach der Übernahme durch Air Berlin weiter eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.
(sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters)
Großprojekte in Berlin
Sie schrieben: "Ich bin in einem mittelständischen Betrieb für die gesamte IT und Infrastruktur verantwortlich. Ich arbeite etwa 45 bis 50 Stunden die Woche, teilweise auch Samstags. Verdienen tu ich netto 1450 Euro, also im Vergleich zu den Lokführern 350 bis 550 Euro weniger. Dafür hab ich aber studiert und eine Weiterbildung gemacht."
Also ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber mit Studium und Weiterbildung ist das sehr wenig. In dem Unternehmen, in dem ich arbeite, auch mittelständisch, kann man da als Einstiegsnetto gut 50% mehr ansetzen. Bei entsprechender Leistung deutlich mehr.
Oder wie berechnen Sie Ihr Nettogehalt? Liegt der Fehler vielleicht da?
Gerade eben erst 62%! Und seit dem Antritt des Herrn Mehdorn über 300%!
Halte ich für ehrlos und völlig indiskutabel. Sollte verboten werden.
...wenn man mal nachschaut, ist in der Presse von ca. 13 Millionen Euro für die armen geschlauchten Vorstände die Rede.
Und jetzt rechnet Euch mal aus, wieviel die 31% der Lokführer in etwa darstellen...
... das von der Redaktion gestartete Voting ist reine Meinungsmache.
Man halte sich folgendes vor Augen:
Wenn eine zweistellige Lohnerhöhung unverhältnismäßig ist, wieso durften das dann die Vorstände einfach mal für sich beanspruchen? Gerade eben erst 62%! Und seit dem Antritt des Herrn Mehdorn über 300%! Wer hat denn da von Verhältnismäßigkeiten gesprochen? Wenn die sich ihre Taschen nicht so füllen würden, wäre die Lohnerhöhung für die Lokführer definitiv machbar. Aber Vorstände haben heutzutage ja auch keinerlei Ehre mehr im Leibe.
Im übrigen sind die Optionen in ihrer Forumulierung an sich schon reine Meinungsmache.
"Mein Mann arbeitet halbtags als leitender Arzt in einer Einrichtung und verdient mit Wochenend- und Nachtbereitschaft etwa so viel wie ich."
Das sind netto für eine Vollzeitstelle ordentliche 2.900 Euro. Für einen Porsche reicht das wohl nicht, aber ein Hungerlohn ist das ja auch nicht gerade.
2.900 Euro ?? Bei weitem nicht, da sich ja Rufbereitschaften etc. nicht verdoppeln.
2.200 netto vielleicht bei rund 15 Rufbereitschaften pro Monat neben der Vollzeitstelle
- nur leider tut die Rechnung nichts zur Sache, da eine entsprechende Vollzeitstelle nicht verfügbar ist und jeder ohnehin weiß, dass ½ Arztstelle nur auf dem Papier eine halbe Arztstelle ist.
Ich kenne genug Akademiker, die gerade so über die Runden kommen, obwohl sie entscheidungsverantwortliche Tätigkeiten ausüben und von z.B. (IG)Metaller-Löhnen nur träumen können. Von etlichen Jahren studienbedingt fehlenden Rentenversicherungs-Einzahlungen etc. will ich gar nicht reden
Paging