Streik Lufthansa-Chef Spohr saß bei Air Berlin in Reihe 20

Zu dumm, wenn die eigenen Flugzeuge am Boden stehen.

Von Jens Flottau

Carsten Spohr, 48, Konzernchef und Pilot, hat derzeit Gelegenheit, herauszufinden, wie gut die anderen so sind. Weil die eigenen Maschinen wegen des Streiks der Flugbegleiter derzeit ziemlich unregelmäßig fliegen, musste der Lufthansa-Chef jetzt auf Air Berlin ausweichen. Am Mittwoch Abend flog er mit einer Maschine des größten deutschen Konkurrenten von Berlin nach München.

Spohr war in Berlin unter anderem wegen eines Treffens der Luftverkehrsbranche, bei dem er mit anderen Spitzenmanagern auf politische Forderungen aufmerksam machen wollte. Spohr lebt in München.

Einem Lufthansa-Sprecher zufolge ist die Reise gut verlaufen. Der Konzernchef, der an Bord der Lufthansa-Jets in der Regel - wenn vorhanden - First oder zumindest Business Class fliegt, nahm an Bord des Air Berlin-Fliegers in Reihe 20 Platz. "Das war ein sehr guter Sitz", sagte Spohr anschließend. Wie vor jedem Flug begrüßte er vor dem Start die Piloten persönlich. Schließlich hat er selbst einst bei Lufthansa als A 320-Pilot begonnen und ist schon seit längerem Kapitän. Allerdings erhält er seine Lizenz derzeit nur durch regelmäßige Flüge im Simulator, für Linieneinsätze reicht die Zeit nicht. Die ein oder andere Debatte mit dem Ersten Offizier über Tarifthemen wäre auch nicht auszuschließen.

Dass Airline-Chefs mit der Konkurrenz fliegen, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Wenn die eigene Gesellschaft eine Strecke nicht anbietet, versucht man es in der Regel bei einem Allianzpartner. Aber Air Berlin hat Spohr bestimmt gerne mitgenommen: Vorstandschef Stefan Pichler, 57, betont öfters, er sei seinem Kollegen freundschaftlich verbunden. Solidarität ist angebracht, denn viel zu lachen haben beide im Moment nicht.