Streik der Lufthansa-Piloten CDU-Fraktionsvize will Streikrecht überdenken

Der Tarifstreik der Lufthansa-Piloten könnte sich zum größten Streik in der Geschichte der deutschen Luftfahrt entwickeln.

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Es ist einer der größten Streiks in der Geschichte der Lufthansa: 3800 Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft Cockpit findet das angemessen. Der CDU-Politiker Vaatz hingegen wirft die Frage der Verhältnismäßigkeit auf.

Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Geschichte. Als Reaktion auf die Arbeitskampfdrohung von etwa 5400 Flugzeugführern hat das Unternehmen von Mittwoch bis Freitag insgesamt 3800 Verbindungen gestrichen. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält die Dimension des Streiks für gerechtfertigt. Der Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa betrage schließlich eine Milliarde Euro, sagte deren Sprecher Jörg Handwerg am Montagabend in der ZDF-Sendung WISO.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz kritisierte das Ausmaß des Streiks. Dieser werde "einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden auslösen", sagte er der Rheinischen Post. Der Fall sollte zum Anlass genommen werden, um über eine Gesetzesänderung nachzudenken. Auch in Tarifkonflikten müssten Verhältnismäßigkeit und Chancengleichheiten gewahrt werden. Es könne nicht sein, dass eine Gewerkschaft, deren Mitglieder an wichtigen Schaltstellen säßen, ihre Position nutze, bei der Tarifentwicklung schneller voranzukommen als andere, sagte Vaatz weiter.

Bereits am Tag vor Streikbeginn fallen Flüge aus

Der Pilotenstreik zeigt schon am Tag vor offiziellen Streikbeginn Wirkung. Einer Streichliste auf der Lufthansa-Internet-Seite zufolge fallen bereits etwa 40 Flüge aus. Meist handelt es sich um Fernverbindungen, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten. Diese Maschinen würden Passagiere auf einen bestreikten Umsteigeflughafen bringen, von dem sie nicht weiterkämen, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Von daher verzichte man auf diese Flüge.

Lediglich etwa 500 Flüge können zwischen Mittwoch und Freitag mit Jets der Konzerngesellschaften Eurowings, Lufthansa CityLine und Air Dolomiti angeboten werden, hatte Lufthansa am Montag in Frankfurt mitgeteilt. Bei diesen Gesellschaften streiken die Piloten nicht.

Die Absagen der Lufthansa-Flüge reichen bis zum Samstag. Betroffen sind nach Angaben der Lufthansa etwa 425 000 Fluggäste, denen umfangreiche Umbuchungsmöglichkeiten angeboten werden sollten. Europas größte Fluggesellschaft rechnet mit einem Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe. Auch 23 von 31 geplanten Frachtflügen der Lufthansa Cargo seien bereits abgesagt. 2010 hatten die Piloten schon einmal mit einem vier Tage langen Streik gedroht, diesen aber nach einem Tag abgebrochen.

Die ausländischen Konzernmarken Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines sollen mit größeren Jets nach Deutschland fliegen, sofern sie zur Verfügung stehen. Für innerdeutsche Verbindungen werden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens bezeichnete es als schwer nachvollziehbar, dass die Vereinigung Cockpit (VC) beim gegenwärtigen Verhandlungsstand zu einem dreitägigen Vollstreik aufrufe. "Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht", ließ Volkens mitteilen.

Knackpunkt und Streikanlass sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten. In einer Urabstimmung hatten die etwa 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt. Offen ist zudem der Tarifvertrag zu den Gehältern, bei dem die VC ein Plus von knapp 10 Prozent verlangt. Am Sonntag gab es nach Angaben beider Seiten noch einen letzten Versuch, mit Verhandlungen den Streik zu stoppen.