Mitten in der Ferienzeit legen die Mitarbeiter die Lufthansa lahm - und das ist gut so. Die immer noch prächtig verdienende Lufthansa hat es versäumt, einen unbefristeten Streik zu verhindern.
Das Recht auf Streik ist in Artikel neun des Grundgesetzes verankert. Es ist also legitim, wenn die Lufthansa-Mitarbeiter von diesem Grundrecht Gebrauch machen. Auch dass sie gleich die stärkste Waffe, den unbefristeten Ausstand wählen, ist völlig rechtens. Nur so kann der Druck auf den gutverdienenden Arbeitgeber zum Leidensdruck werden - vor allem in der Hauptreisezeit mitten in den Sommerferien.
Lange Schlangen am Lufthansa-Schalter: Vom kommenden Montag an müssen Lufthansa-Reisende mehr Geduld mitbringen. (© Foto: AP)
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Dass die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht verrät, wann genau wo gestreikt wird, ist pure Taktik - Guerillataktik, um genau zu sein. Auch die verstärkt den Druck auf Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Der gebürtige Oberösterreicher, der seit fünf Jahren den Konzern führt, wird am kommenden Mittwoch voraussichtlich erneut starke Zahlen präsentieren - den hohen Kerosinpreisen zum Trotz.
Und weil die Nummer eins unter den deutschen Fluggesellschaften im Vergleich zur Konkurrenz immer noch gut verdient, wollen die Angestellten nach Jahren ohne Lohnerhöhung und gleichzeitiger Arbeitsverdichtung nun endlich ein deutliches Plus auf der Gehaltsabrechnung sehen - und zwar mehr als den puren Inflationsausgleich.
Angestachelt und ermutigt
Was in Zeiten einer sich langsam abkühlenden Konjunktur alles möglich ist, hat Anfang dieses Jahres die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer gezeigt. Mit einem Lohnplus von elf Prozent hat sie branchenübergreifend die Gewerkschaften angestachelt - und zugleich ermutigt. Das ist das Erbe des pensionierten GDL-Chefs Manfred Schell.
Viele Mitarbeiterorganisationen waren in den vergangenen Jahren zu handzahm geworden und haben sich bei einer brummenden Konjunktur mit viel zu geringen Lohnaufschlägen von den Arbeitgebern abspeisen lassen.
Die Lufthansa hat im aktuellen Tarifkonflikt nach Nachbesserungen 6,7 Prozent mehr Lohn geboten, Verdi fordert 9,8 Prozent. Bei genauer Betrachtung liegen die Vorstellungen gar nicht weit auseinander, ein Kompromiss ist auch bei den verschiedenen geforderten Laufzeiten möglich. Kehren die Tarifpartner mit kühlen Köpfen an den Verhandlungstisch zurück, könnte relativ rasch eine für beide Tarifparteien tragbare Einigung erzielt werden.
Dann müsste der Streik mitten in der Hauptreisezeit nicht auf den Rücken der Fluggäste ausgetragen werden - und die Gefahr, dass ein Streik bei der Lufthansa zum gleichen Nervfaktor wie der GDL-Streik bei der Bahn wird, ginge gegen null.
- Arbeitskampf bei der Lufthansa Verdi zückt die Streik-Waffe 25.07.2008
- Notfallplan Lufthansa will Streiks aushebeln 25.07.2008
- Lufthansa-Chef Mayrhuber Dramatischer Appell an die Belegschaft 24.07.2008
- Lufthansa Sommer des Missvergnügens 23.07.2008
- Tarifkonflikt bei der Lufthansa Streik - mitten in der Urlaubssaison 10.07.2008
(sueddeutsche.de/jja)
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komisch, wenn Arbeitnehmer streiken dann kommt die Frage nach deren Recht auf, das zu tun. Wenn Firmen Stellen abbauen, dann nicht. Wenn Konzerne die Milliardengewinne machen die Spritpreise in einem 85 Millionenen Land iin Absprache miteinander hochsetzen dann auch nicht.
Immer dann wenn die Schwächsten des Kapitalismus etwas fordern stehen Legionen bereit sie in den Staub zu prügeln. Deswegen bekommt ja auch die Marktwirtschaft Verfassungsrang in der EU, während das Streikrecht abgeschafft wird. Siehe Urteil des Europäischen Gerichtshof im Falle "Laval".
Was ist mehr? Ein Streik von Angestellten oder eine jährliche Preissteigerung von 25% an den Zapfsäulen? Oder ein jährlicher Abbau von 2% der Arbeitsplätze?
Wir treffen uns dann alle in der Zeitarbeit und können uns nochmal darüber unterhalten und haben das Urlaubsfliegerproblem nicht mehr so dringend. Ist ein bisschen härter mit 1200 Euro netto einen schönen Urlaub in der Karibik zu machen und eine Familie durchzufüttern.
Ich sehe es ähnlich wie Frau Ahlemann. Wahrscheinlich hat sich der Vorstand einzig und allein auf seine Zahlen fixiert. Diese Arroganz scheint sich nun zu rächen.
Der Vorstandsvorsitzende sahte zu diesem Thema in der SZ:
"Relativ gesehen ist unser Ergebnis immer noch zu schwach, denn rund sieben Euro pro Passagier sind auf Dauer nicht ausreichend, um unser Wachstum zu finanzieren und Ihnen Arbeitsplatzsicherheit zu geben". Diese Strategie, wie anderswo in der Wirtschaft auch, verbunden mit der hirnlosen Behauptung, Stellen abbauen zu müssen ist nun wirklich stupide. Klar ist nämlich, dass man bei jedweder Forderung, die das Unternehmen Geld kosten könnte, neue Zahlen präsentiert, mit den man alles und Jeden auf Distanz halten kann. Bitte nicht vergessen, dass die LH-Bedienstete in Frankreich um einiges mehr verdienen, als in Deutschland. Somit ist Mayrhubers Statement purer Hohn und entlarvt ihn leider auch als nur mittelmäßigen Manager.
Allerdings bin ich nicht der Meinung von Frau Ahlemann, dass hier die Lockführer-Gewerkschaft Vorreiter war; vielmehr haben die LH - Piloten vor einigen Jahren schon einmal diejenigen, die die neuen Wege via " Cockpit "aufgezeigt haben. V.erdi scheint aus seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt zu haben, um das Gesetz des Handelns wieder in die Hand zu nehmen.
Eine Pikanterie am Rande: V.erdi-Chef Bsirske ist gleichzeitig Aufsichtsrats-Mitglied bei der LH.