Die Zeit der sachlichen Argumentation ist längst passé: Die Bahn will nicht den Tarifkonflikt lösen, sondern die Lokführer-Gewerkschaft erledigen.
Nun also geht alles wieder von vorne los: Die Tarifverhandlungen zwischen der Bahn und der Lokführer-Gewerkschaft GDL sind endgültig gescheitert, von diesem Montag an wird gekämpft. Der Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Manfred Schell, wird Streiks für "unvermeidlich" erklären, die Bahn wird sich darein insofern fügen, als dass sie diesmal nicht vor die Arbeitsgerichte ziehen, sondern durch Notfallpläne den Streik so weit wie möglich unterlaufen will.
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Die Friedenspflicht ist abgelaufen: Um Mitternach endete das Ultimatum, am Montagvormittag will sich die GDL zu ihren Streikplänen äußern. (© Foto: ddp)
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Die Vermittlung durch die erfahrenen Tarifschlichter Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler war nur ein netter Versuch. Wenn sich ein Unternehmen mit einer Gewerkschaft nicht einigen will, nützt alle Vermittlung nichts.
Haben die Lokomotivführer wirklich einen eigenen Tarifvertrag verdient? Nein, haben sie eigentlich nicht - in dieser Frage hat das Unternehmen Deutsche Bahn die besseren Argumente: Lokführer - das ist kein Beruf, der mit ganz besonderen Belastungen verbunden ist. Zumindest mit keinen Belastungen, die exorbitant größer wären als die Belastungen von Schaffnern oder Arbeitern im Instandhaltungswerk - Nachtschichten und wechselnde Arbeitszeiten haben die auch.
Lokführer haben zwar eine hohe Verantwortung, aber keine, die noch höher wäre als die der Fahrdienstleiter in den Stellwerken und Betriebszentralen der Bahn: Die sind es nämlich, die in der modernen Eisenbahn die Züge steuern; würde sich ein Lokführer ihrem Befehl widersetzen (oder überhört er ihn bloß), wird sein Zug von der Technik automatisch gebremst.
Das Sachliche zum Warmwerden
Darin liegt ein großer Unterschied zum Beispiel zu Piloten - die müssen am Ende ihr Flugzeug immer noch selber auf den Boden und zum Halten bringen; ganz abgesehen davon, dass Piloten eine jahrelange Ausbildung absolvieren, an deren Kosten sie sich mit zigtausend Euro selbst beteiligen müssen. Den Beruf des Lokführers hingegen kann man in ein paar Monaten lernen. Dieser Tarifkonflikt hat deutlich gemacht: Hier versteht sich eine Berufsgruppe als die Elite unter den Eisenbahnern - sie ist es deswegen aber noch lange nicht.
Genau aus diesen Gründen mag sich der Bahn-Vorstand einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer widersetzen. Er vergisst dabei: Auf solche sachlichen Argumente kommt es hier schon seit Monaten nicht mehr an. Die Zeit, in der über Berechtigung oder Vermessenheit dieser Forderung diskutiert werden konnte, ist längst vorbei. Jede Tarifrunde, ob bei der Bahn oder anderswo, verläuft doch nach diesem Muster: Am Anfang wird über das streng Sachliche geredet, sozusagen zum Warmmachen. Am Ende aber geht es um die Durchsetzung von Interessen.
Tarifergebnisse sind dann vor allem das Ergebnis eines Interessenausgleichs, weniger der Argumente. So war es am Bau, wo die Arbeitgeber trotz immer noch labiler Geschäftslage Lohnsteigerungen von mehr als drei Prozent hinnehmen mussten. Und so wird es im Frühjahr im öffentlichen Dienst sein: Die Gewerkschaft Verdi würde sich selbst für überflüssig erklären, wenn sie als einzige große Arbeitnehmervertretung nichts für ihre Mitglieder herausholen würde.
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat sich öffentlich und seit Monaten so sehr auf das Ziel eines eigenen Tarifvertrags festgelegt, dass sie auf diese Kernforderung, was immer man von ihr halten mag, gar nicht mehr verzichten kann. Es gibt diese Gewerkschaft seit 1867, die GDL ist die älteste Gewerkschaft in Deutschland. Man wird erwarten dürfen, dass sie von ihrer absurden Forderung nach 31 Prozent Gehaltserhöhung herunterkommt.
Aber würde sie jetzt auf den eigenen Tarifvertrag verzichten, könnte sie ihren Laden gleich dicht machen. Der Fundamentalismus, mit dem sich die Bahn-Manager dieser Kernforderung entziehen, deutet darauf hin, dass sie derzeit weniger den Tarifkonflikt als vielmehr die GDL erledigen wollen. Auf in den Kampf - bis einer nicht mehr kann.
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(SZ vom 1.10.2007)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
ich kann mich noch daran erinnern, wie ich vor ca. 15 Jahren mit der alten Staatsbahn 15 Stunden für 500 Kilometer in Deutschland unterwegs gewesen bin. Schön war, dass ich ich wohl jeden Bahnhof kennen gelernt habe, zumal ich auf 4 umsteigen durfte. Schön war auch, dass ich damals noch viele Brote für unterwegs mitnehmen musste, um etwas zu Essen zu haben.
Schön war auch, wie "freundlich" mit die Staatsdiener als Passagier und nicht als Kunde behandelt hat.
Ich kann mich auch noch gut an die Spruch erinnern: "Wer eine Bahnreise macht, der kann was erleben".
Schön, dass die Zeiten der guten alten Staatsbahn vorbei ist, und dass ich heute mit einem schnellen modernen komfortablen Zug, innerhalb von nur wenigen Stunden durch ganz Deutschland fahren kann, und von freundlichen Zugbegleitern Kaffee und Kuchen serviert bekommen, während ich mit meinem Laptop in echter Ruhe und Gelassenheit arbeiten kann.
Die Bahn macht Gewinn. Laut Konzernbilanz für 2006 ca. 1,6 Mrd. bei einem Umsatz von ca. 31 Mrd. . Klingt richtig gut. Allerdings hat die Bahn auch ca. 20 Mrd. lang- und kurzfristige "Verbindlichkeiten" (Schulden halt). Bei Milchmädchens müsste sie ca. 12 Jahre abstottern, gleichbleibender Gewinn vorausgesetzt. Es sind nicht nur die Investitionen, die für eigenfinanzierte Projekte in den letzten Jahren zurückgingen, die Immobilienbewertungen der Bahn ist auch etwas "intransparent" (vgl. DT AG zu Zeiten von R.Sommer). Also einen "richtigen" und stabilen Gewinn aus normaler Geschäftstätigkeit, mittel- und langfristig, kann ich da nicht erkennen (bin aber auch nicht der Auskenner).
Ach so ja, Personalaufwand ist von 2005 zu 2006 vergleichsweise stark gestiegen: von 9,2 Mrd. 2005 auf nahezu 9,8 Mrd. 2006 . Ohne besonders erwähnenswerte Tarifunde.
2400 x 30% = 720 . Dazu jetzt noch Lohnneben- und Lohnsozialkosten und Sie sind bei ca. 1000 Mehrbelastung für die Deutsche Bahn, knapp gerechnet.
Freundliche Grüße
als (zwangsweise) jahrzehntelanger Bahnbenutzer muss ich feststellen, dass es in diesem Konkursunternehmen so weit fehlt, dass eigentlich nichts mehr zu retten ist! Dass dies so ist zeigt sich schon an der völlig katastrophalen Durchführung des Streiks. Wenn schließlich heute mal eine S-Bahn fuhr, wurde nicht einmal diese Minimalinformation an die Fahrgäste weitergegeben. So ist es mir ergangen, als ich mich dann schließlich bei strömendem Regen mit dem Fahrrad auf den Weg zur Arbeit machte. Der Zug fuhr 4 Minuten später an mir vorbei. (es gäbe da hunderte Beispiele, zu Nicht-Streik-Zeiten, die allesamt auf Unfähigkeit oder Desinteresse der Handelnden zurückzuführen ist)
So viel zum Thema Verantwortung! Diese maximal desinteressierte, verantwortungslose Haltung findet sich von der Führung bis hinunter zum Reinigungsdienst. (Der Fisch stinkt ja bekanntlich immer vom Kopf her ...)
Ich fürchte, eine Sanierung kann ausschließlich dann gelingen, wenn man das ganze marode System komplett zersprengt, in kleine Bereiche aufteilt und vor allem mit motivierten Leuten besetzt wird. Eine Tariferhöhung und eigene Gewerkschaft zur Stabilisierung des status quo ist definitiv der falsche Weg. Zumindest für uns Kunden und Steuerzahler.
Solange Wirtschaftsfunktionäre mit BWL Inselintelligenz und skrupellosen Eigeninteressen wie Mehdorn oder Schremp (30 Milliarden in den Sand gesetzt, selbst aber Millionen abkassiert) das Sagen haben, wird es immer wieder zu großen Schäden kommen, die alle anderen aber nicht die Verursacher ausbaden müssen. übrigens Herr Esslinger. Haben Sie sich schon mal gesehen ,was so ein Lokführer hinter sich herzieht. Hunderte von Menschen, Autos, Chemikalien (entflammbar) etc. Beim Rangieren oder in einer Kurve nicht aufgepasst hätte fatale Folgen. Am besten stellen Sie sich mal auf eine Bahnbrücke und zählen die Waggons - dann wissen Sie was Verantwortung ist!
Die Preise und die Preisentwicklung der DB sind nur zum Teil auf die Personalkosten zurückzuführen. Fakt ist, daß die DB Gewinn macht. Ob sie den macht, weil ihre Investitionsquote zu niedrig ist, ist strittig, die DB bestreitet das.
An den Personalkosten liegt's jedenfalls nicht. Sondern sehr wahrscheinlich am Ziel eines Börsenganges.
Wie kommen Sie beim (End-)bruttogehalt von ca. 2400 Euro auf 1000/Mann/Monat bei 31 % plus?
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