Streaming-Dienst So erfolgreich ist Netflix in Deutschland wirklich

Szene aus der deutschen Netflix-Serie "Dark".

(Foto: Julia Terjung/dpa)
  • Der amerikanische Streaming-Anbieter, gerade mal 21 Jahre alt, hat Disney als wertvollstes Medienunternehmen der Welt abgelöst.
  • Er ist auch in Deutschland erfolgreich. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Doch bald schon könnte es mehr Kunden haben als Sky.
Von Caspar Busse

Jetzt ist Netflix ganz oben angekommen: Der amerikanische Streaming-Anbieter, gerade mal 21 Jahre alt, hat den Disney-Konzern, gegründet 1923, als wertvollstes Medienunternehmen der Welt abgelöst. Nach dem beispiellosen Anstieg der Aktie Netflix nun 160 Milliarden Dollar wert, Disney kommt auf gut 150 Milliarden Dollar. Bald wird Netflix sogar in den Klub der hundert größten US-Konzerne, dem renommierten S&P-100-Index, aufgenommen und dort Monsanto ersetzen - der umstrittene Saatguthersteller wurde gerade von Bayer übernommen.

"Wir haben große Pläne", sagte vor einigen Wochen Firmenchef und Mitgründer Reed Hastings, 57. Das Unternehmen, das 1997 in Los Gatos in Kalifornien als Online-Videothek gegründet wurde, wächst rasant und hat nun 125 Millionen Kunden in 190 Ländern, den Großteil davon in den USA. In Deutschland ist Netflix erst seit 2014 aktiv, inzwischen habe der Dienst hierzulande etwa vier Millionen Abonnenten, hat Mark Bradford, Chef und Gründer des des Streaming-Dienstes Cirkus, zusammen mit dem Londonder Marktforschungsinsitiut Ampere Analysis, berechnet. Zahlen für einzelne Märkte gibt Netflix nicht bekannt.

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"Der Markt ändert sich sehr schnell", so Bradford. Netflix lege gerade in Deutschland stark zu, um geschätzt mehr als 20 Prozent in diesem Jahr. "Zum Jahresende dürfte Netflix auf mehr als fünf Millionen Kunden kommen und Sky bei der Zahl der Abonnenten überholt haben", glaubt Bradford. Sky Deutschland hat derzeit insgesamt 5,2 Millionen Abonnenten, etwa zehn Prozent davon dürften auf Österreich entfallen. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich etwa 1000 Neukunden am Tag gewonnen, sagte vor einigen Wochen Sky-Chef Carsten Schmidt. "Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass Netflix uns hilft. Aber es hat sich inzwischen eine Kultur der Bereitschaft, für gute Inhalte zu zahlen, entwickelt", betonte Schmidt. In Großbritannien wird Netflix noch in diesem Jahr über die Sky-Plattform zu sehen sein, Deutschland soll folgen. Das dürfte das Wachstum der Amerikaner weiter beschleunigen.

Nach den Erhebungen von Cirkus unter den Streamingdiensten liegt in Deutschland Amazon Prime mit etwa acht bis neun Millionen Kunden vorne, wobei das Abonnement bei dem Online-Händler oft in der Prime-Mitgliedschaft ohnehin enthalten ist. Dazu kommen kleinere deutsche Streaminganbieter wie Maxdome der Pro Sieben Sat 1-Gruppe. Die beiden Kabelnetzbetreiber Vodafone (ehemals Kabel Deutschland) und Unitymedia haben zusammen etwa 13 Millionen Fernsehkunden, die Deutsche Telekom kommt mit ihrem Entertain-Angebot auf 3,1 Millionen. Etwa 20 Prozent der Fernsehhaushalte zahlt nach Schätzungen inzwischen bereits für Streaming.

Netflix plant weitere Projekte in Deutschland

Der deutsche Markt sei sehr umkämpft, sagt Marktforscher Bradford. Während etwa in den USA sich die Anbieter zunehmend gegenseitig Kunden wegnehmen, wachse der Markt hierzulande weiter, wenn auch langsamer, und es gebe eine hohe Bereitschaft, für zusätzliche Dienste zu bezahlen. Davon will Netflix profitieren.

So werden zunehmend auch deutsche Inhalte produziert. Die Mystery-Serie "Dark" etwa, die in einer fiktiven deutschen Kleinstadt spielt und in der Menschen zwischen den Zeiten wandeln können, war ein Erfolg, wurde international gelobt und wird nun weiter geführt. "Lokaler Inhalt wird immer wichtiger, gerade auch um etwas ältere Kunden zu gewinnen", sagt Richard Broughton von Ampere Analysis, die Firma ist auf die Fernsehwirtschaft konzentriert. Netflix hatte bereits angekündigt, dass acht Milliarden Dollar in Fernsehserien und Filme, aber auch in Shows investiert werden, davon allein eine Milliarde Dollar in Europa. Weitere Projekte für Deutschland sind in Planung. Auch Amazon Prime oder Sky setzen auf eigens für Deutschland produzierte Inhalte.

Von Januar bis März 2018 ging der Umsatz von Netflix insgesamt um 40 Prozent in die Höhe, so stark wie nie zuvor, Gewinn erwirtschaftet die Firma auch. Disney sieht das durchaus mit Sorge: Konzernchef Bob Iger plant für das kommende Jahr einen eigenen Streamingdienst. Und er will große Teile des Hollywood-Geschäfts von 21st Century und Rupert Murdoch kaufen (dazu gehört auch der Bezahlsender Sky). Doch der US-Kabelkonzern Comcast, dem bereits NBC und Universal Pictures gehören und der an der Börse auch fast 150 Milliarden Dollar wert ist, hat inzwischen eine Gegenofferte angeboten. Für Spannung ist gesorgt.

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