Streaming-Dienst Netflix hat große Pläne für Europa

Netflix verändert die Sehgewohnheiten weg vom linearen Fernsehen.

(Foto: Getty Images for Netflix)
  • Der amerikanische Streaming-Dienst expandiert mit hohem Tempo. Noch in diesem Jahr sind hundert Projekte aus Europa geplant.
  • Die Konkurrenten Sky und Amazon produzieren ebenfalls verstärkt eigene Angebote. Die klassischen TV-Programme geraten unter Druck.
Von Caspar Busse

Es sind inzwischen auch die ganz großen Stoffe, die sich der amerikanische Streaming-Dienst Neflix vornimmt. Demnächst soll die Produktion einer großen Papst-Serie beginnen, die in Rom spielt. Es soll vor allem um den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. und die Wahl von Franziskus 2013 gehen. Die Hauptrolle als Benedikt übernimmt Oscar-Preisträger Anthony Hopkins, 80, der als irrer Kannibale in dem Film "Schweigen der Lämmer" berühmt wurde. Jetzt gab es erste Bilder von der Kostümprobe.

Netflix expandiert mit hohem Tempo und wird damit immer mehr zu einer Bedrohung für die großen Fernsehanbieter. Das Unternehmen, das 1997 in Los Gatos in Kalifornien als Online-Videothek gegründet wurde, wächst sehr schnell und kommt nun auf 125 Millionen zahlende Kunden in 190 Ländern. Von Januar bis März ging der Umsatz um 40 Prozent in die Höhe, so stark wie nie zuvor. In Deutschland ist der Dienst seit 2014 verfügbar.

"Wir haben große Pläne für den Ausbau unseres Angebots", kündigte Firmenchef Reed Hastings Mitte der Woche an. Acht Milliarden Dollar sollen in Fernsehserien und Filme, aber auch in Shows investiert werden, davon eine Milliarde Dollar in Europa. Noch in diesem Jahr würden hundert Projekte aus Europa starten, sagt Ted Sarandos, im Vorstand für Inhalte zuständig. Damit wolle Netflix ein Zeichen in der weltweiten Unterhaltungslandschaft setzen. "Und das ist erst der Anfang unserer Reise", sagt Sarandos.

Auch Sky produziert mehr Serien und Shows

In Deutschland soll im kommenden Jahr "Die Welle" starten. Die Serie, die von der deutschen Produktionsfirma Rat Pack gemacht wird, basiert auf dem gleichnamigen Roman, eine Kinoverfilmung war 2008 sehr erfolgreich. Es ist bereits die dritte deutsche Serie, die Netflix produziert. Die Mystery-Serie "Dark" startete im Dezember und wurde international hoch gelobt. "Dogs of Berlin" soll in diesem Jahr ausgestrahlt werden. Auch für andere europäische Märkte werden eigene Serien realisiert. Netflix setzt auf eine Mischung von internationalen Filmen und Eigenproduktionen und will damit die Abonnenten binden. Mit "House of Cards" und "Orange Is TheNew Black" wurde der Dienst international bekannt und erfolgreich.

Auch andere TV-Anbieter setzen nun auf eigene Inhalte. Der Bezahlsender Sky etwa produziert verstärkt Serien und Shows. Amazon hat Filmemacher Woody Allen engagiert und lässt auch eine deutsche Serie von und mit Matthias Schweighöfer produzieren. Der Onlinehändler teilte mit, dass inzwischen weltweit hundert Millionen Kunden Amazon Prime nutzen, dazu gehört auch das Streaming-Angebot. Der Disney-Konzern will im kommenden Jahr einen eigenen Dienst starten. Die frei empfangbaren Sender wie Pro Sieben, Sat 1, RTL oder ARD und ZDF spüren bereits die Konkurrenz.

Die Internetgiganten planen den Großangriff

Während der TV-Markt zu schwächeln droht, stoßen die großen Sportligen auf neue Einnahmemöglichkeiten. Das Kalkül der Bosse: Geld spielt für die neuen Bewerber keine Rolle. Von David Wiederkehr mehr...