Von Tobias Dorfer

Farbiger Briefumschlag? Das lässt sich die Post teuer bezahlen - notfalls mit Strafporto. Doch darüber redet der Konzern nicht gern. Auch Standardbriefe könnten bald teurer werden.

Für den Versand eines Standardbriefs verlangt die Deutsche Post 55 Cent, normalerweise. In einzelnen Fällen nämlich behält sich der Marktführer vor, das Porto anzupassen - und zwar nach oben. Daran stört sich nun die Monopolkommission. Eine Debatte ist entfacht, und es zeigen sich erstaunliche Hintergründe.

Briefkasten, Foto: dpa, Montage: sueddeutsche.de

Wer einen farbigen Brief einfach so einwirft, kann dem Empfänger eine teure Überraschung bereiten. Er muss Strafporto und ein "Einziehungsentgelt" zahlen. Der Briefkasten auf dem Foto stammt aus einem Projekt der Künstlerin Sylvie Boisseau. (© Foto: dpa, Montage: sueddeutsche.de)

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Wer seine Geburtstagsgrüße in einem farbigen Kuvert verschickt, muss damit rechnen, dass der Mitarbeiter am Postschalter dafür 90 Cent berechnet. Begründet wird der Aufschlag von mehr als 60 Prozent mit Schwierigkeiten bei der maschinellen Sortierung. Weil die Maschinen in den Briefzentren die Adressen auf farbigen Umschlägen mitunter nicht erkennen können, müssen diese Briefe von Hand sortiert werden. Ein Aufwand, den sich die Post teuer bezahlen lässt - und über den sie in der Öffentlichkeit lieber schweigt.

Die Regelung bestehe seit mehr als zehn Jahren und sei genehmigt, sagt Postvorstand Jürgen Gerdes der Süddeutschen Zeitung. Postkunden erfahren davon aber in der Regel nichts. Aushänge in den Filialen suchen sie vergebens, auch auf der Internetseite findet sich kein Hinweis auf den Farb-Zuschlag. Einzig die Mitarbeiter an den Schaltern und an der Hotline wissen Bescheid.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verweisen lediglich auf das Verzeichnis "Preise und Leistungen", eine Broschüre mit dem stattlichen Umfang von 104 Seiten. Auf Seite 14 heißt es im Kleingedruckten hinter zwei Sternchen, Standardbriefe müssten so beschaffen sein, "dass sie sich maschinell verarbeiten lassen". Von der Verteuerung auf 90 Cent ist keine Rede. "Das steht in der Tat nicht drin," räumt die Post ein.

"Hier wird der Verbraucher in die Irre geführt", schimpft Thorsten Meinicke, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Ich kenne solche Praktiken sonst nur von dubiosen Internetanbietern." Bei der Post kann man die Aufregung um die höheren Portokosten dagegen nicht verstehen. Dass auf den Zuschlag für bunte Kuverts nicht deutlicher hingewiesen wird, findet ein Post-Sprecher nicht tragisch. Man könne doch nicht "jeden expliziten Einzelfall auflisten". Im Übrigen gebe es fast keine Beschwerden.

Lukratives Geschäft

Das Strafporto für bunte Briefe ist laut Post "gängige Regel" ist, allerdings zeigt sich der Konzern häufig kulant. Vor Weihnachten entschied sie, auf den Zuschlag zu verzichten. Verbraucherschützer Meinicke ist dennoch empört. Er glaubt sogar, dass die Post gar keinen Rechtsanspruch auf den Zusatzbetrag hat, weil er nirgendwo aufgeführt ist. Die Höhe des Aufschlags sei "willkürlich" und diene nur der "Gewinnmaximierung".

Der Versand eines Standardbriefs kostet innerhalb Deutschlands 55 Cent, egal wohin er geht und wie viel Kosten damit verbunden sind - da drängt sich die Frage auf, warum ausgerechnet bunte Umschläge speziell mehr kosten sollen.

Für die Post, deren Marktanteil im Briefgeschäft die Bundesnetzagentur für das Jahr 2008 auf 89,3 Prozent schätzt, ist das Geschäft lukrativ - der Marktführer kommt Angaben der Monopolkommission zufolge im Briefbereich auf eine Umsatzrendite von 15,7 Prozent. Ohnehin findet der Chef der Kommission, Justus Haucap, das Briefporto zu hoch.

Für Kunden kann es unter Umständen sogar noch teurer als 90 Cent werden, einen Brief mit farbigem Kuvert zu verschicken - und zwar dann, wenn ein Absender unwissend einen mit 55 Cent frankierten bunten Umschlag in einen Briefkasten wirft. Der Empfänger muss dann normalerweise nicht nur den Aufschlag von 35 Cent zahlen, sondern zusätzlich ein "Einziehungsentgelt" von 51 Cent.

Das Standardporto ist übrigens seit 1997 stabil, doch auch das könnte sich ändern. Vorstand Gerdes sagt: "Wir werden nicht noch mal 13 Jahre ohne Preiserhöhung auskommen."

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(sueddeutsche.de/cbu)