Heimliche Absprachen bei Geheimtreffen: Deutschlands führende Kaffeeröster stehen am Pranger - denn sie haben die Regeln des freien Marktes ausgehebelt.
Es ist ganz schön dreist, was sich Deutschlands führende Kaffeeröster geleistet haben. Über Jahre hinweg setzten sich die Manager von Tchibo, Melitta und Dallmayr offenbar im stillen Kämmerlein zusammen. Gemeinsam entschieden sie, wann und um wie viel das Lieblingsgetränk der Deutschen teurer wird. Mit Arroganz und Unverfrorenheit brachen sie damit nicht nur das Recht, sondern missbrauchten auch das Vertrauen ihrer Kunden. Jahrelang mussten die für Kaffee mehr bezahlen als nötig.
Melitta, Dallmayr und Tchibo sollen Kaffeepreise untereinander abgesprochen haben - zum Nachteil der Verbraucher. (© Foto: APD)
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Der überhöhte Gewinn floss in die Kassen der Kaffeeröster. Erschreckend ist, dass dieser Zirkel so lange im Verborgenen agieren konnte, ohne dass es der zuständigen Behörde, dem Bundeskartellamt, aufgefallen wäre. Verdachtsmomente gab es in den vergangenen Jahren genug. Immer wieder empörten sich Kunden über einheitlich steigende Kaffeepreise, die von den Herstellern stets mit höheren Rohstoffkosten begründet wurden. Das Argument ist zwar durchaus berechtigt, denn Kaffee wird wie Rohöl an den internationalen Warenmärkten gehandelt. Die Kaffeepreise unterliegen starken Schwankungen und sind abhängig von Angebot, Nachfrage und Erntequalität.
Mit ihren Preisabsprachen haben Tchibo, Melitta und Dallmayr jedoch die Regeln des freien Marktes ausgehebelt, zum Nachsehen der Verbraucher. Die Kunden werden ihren Schaden nicht ersetzt bekommen. Ihnen bleibt aber zumindest die Möglichkeit, beim nächsten Einkauf eine andere Kaffeesorte zu wählen.
(SZ vom 22.12.2009/tob)
Gründer der Tierschutzorganisation "Sea Shepherd"
Was wollt ihr? In einer Marktwirtschaft die keinen Regel unterliegt die effektiv kontrolliert werden, ist entweder das Monopol oder, wenn diese Markt beherrschende Stellung nicht erreicht werden kann, die "Oligarchie" (Preisabsprache, gemeinsamer Einkauf - da gibts viele Möglichketein) die logische Konsequenz.
Die soziale Marktwirtschaft von der wir reden ist praktisch tot. Es lebe die "neue soziale Marktwirtschaft". Hört sich einfach besser als freier Markt.
...noch Fragen?
Das, lieber b00367katsch, bezeichnet man auch als "Prinzip von Angebot und Nachfrage". Wenn von einer begrenzten Ware viel verlangt wird, dann steigt der Preis.
Allerdings ist das ganze irgendwo schon Jammern auf hohem Niveau. 500g für die Magenfolter von Melitta kosten derzeit etwa 4.50. Davon gehen erstmal 2,19 zu Lasten der Kaffeesteuer. Weitere 37c sind die Mehrwertsteuer, d.h. das Pfund dieses kaffeeähnlichen Pulvers liegt abzüglich Steuern bei unter 2.
Man sollte sich wohl eher darüber ärgern, dass allein 2007 der Deutsche Zoll bei einem Kostenaufwand von 800.000 irrsinnige 25.000 (in Worten: Fünfundzwanzigtausend) an Kaffeesteuer durch private Versandimporte aus der EU nachträglich erheben konnte... Nicht nur, dass aus steuerzahlersicht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, es widerspricht auch irgendwo dem Grundprinzip der EU...
Ich habe nichts dagegen, mehr für meinen Kaffee zu bezahlen - wenn das dann den Kaffepflückern und ihren Familien zugute kommt. Leider ist es aber so, dass die Röster sich mit fragwürdigen Methoden mehr in die ohnedies schon pralle Tasche wirtschaften - während die, die den Kaffee anbauen, vom Erlös oft nicht mal ihre Kinder in die Schule schicken können.
Es wäre mir lieber, wenn das Kartellamt (oder eine andere Behörde) darauf achten würde, dass den Leuten in den Kaffeeanbauländern anständige Löhne gezahlt werden. Stattdessen scheint es - nolens volens - das Verhalten der Lohndrücker zusätzlich anzuspornen, nach dem Motto: Beutet nur recht kräftig die Kaffeepflücker in den südlichen Erdteilen aus, aber nicht die Konsumenten in Europa. Was soll das?
theoretisch kann jeder Kaffeeröster seine Preise beliebig setzen - genau so wie die Mineralölkonzerne. Das ist ja nicht verboten. Es geht um die Preis-Absprachen - diese sind nicht erlaubt.
Leider liegen mir keine Zahlen vor - um wieviel %die Preise tatsächlich erhöht wurden. Aber ich vermute ganz stark dass die 160 Millionen Euro Strafe im Vergleich zu den erwirtschafteten Gewinne Peanuts sind. Was wiederum bedeutet, dass es sich, trotz strafe, ordentlich gelohnt hat.
Paging