Stiftung Warentest vs. Ritter Sport Lächerlich? Im Gegenteil

1970 führte Ritter Sport den Slogan "Quadratisch. Praktisch. Gut." ein.

Der Streit zwischen der Stiftung Warentest und dem Schokoladenhersteller Ritter Sport ist keine Petitesse. Für die Verbraucherschützer geht es um ihre Glaubwürdigkeit.

Ein Kommentar von Daniela Kuhr

Wer eine neue Waschmaschine braucht, einen Fahrradhelm oder Fernseher, kann angesichts des riesigen Angebots verzweifeln. Die Geräte funktionieren unterschiedlich gut und lange, sie sehen unterschiedlich schön aus. Alles Aspekte, die den normalen Menschen überfordern würden - gäbe es nicht die Stiftung Warentest. Seit Jahren prüfen die Verbraucherschützer alle erdenklichen Produkte, sie haben sich den Ruf erarbeitet, äußerst korrekt und neutral vorzugehen.

Ausgerechnet jetzt aber, im 50. Jahr des Bestehens, steht dieser Ruf auf dem Spiel - aus einem Grund, der zunächst fast lächerlich klingt: wegen Schokolade. Der Hersteller Ritter Sport behauptet, die ihrige enthalte nur natürliches Aroma. Die Verbraucherschützer halten das für falsch. Noch ist nichts bewiesen, weder von der einen noch von der anderen Seite, doch vorläufig hat sich die Justiz in Gestalt des Landgerichts München auf die Seite des Herstellers geschlagen.

Der Streit klingt deshalb lächerlich, weil es den meisten Verbrauchern wahrscheinlich völlig egal ist, welche Aromen die Schokolade enthält. Hauptsache, sie schmeckt. Andererseits darf ein Hersteller natürlich nicht mit falschen Angaben werben. Und daher ist der Streit in Wahrheit auch nicht lächerlich. Die Stiftung hat Berufung eingelegt. Denn sie weiß: Es geht um viel mehr als nur um Schokolade. Es geht um ihre Glaubwürdigkeit.