Dass Unternehmen dennoch immer wieder versuchen, hinter die Geheimnisse zu kommen - etwa indem sich Mitarbeiter als Journalisten ausgeben und in der Pressestelle die neuesten Prüfergebnisse "zu Recherchezwecken" anfordern - zeigt, wie nötig die vermeintlich paranoiden Umgangsregeln sind.

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Anderseits verwundert es auch nicht, dass Firmen ein enormes Interesse daran haben, im Warentest möglichst gut abzuschneiden, oder zumindest öffentlichkeitswirksam gegen ein negatives Urteil vorzugehen. Die Stiftung Warentest ist längst auch zum Wirtschaftsfaktor geworden. Einer Forsa-Umfrage zufolge kennen 96 Prozent der Deutschen Test, jeder Dritte orientiert sich demnach an den Prüfergebnissen, wenn größere Anschaffungen anstehen.

Immer wieder Mogelpackungen

Mit dem Testsiegel "sehr gut" oder "gut" lässt sich nahezu jedes Produkt bewerben, eine schlechte Bewertung dagegen kann Existenzen vernichten. So kündigen etwa große Discounter ihren Lieferanten die Verträge, wenn die Warentester deren Saft, Wurst oder Müsli für schlechter als "befriedigend" befinden. "Es geht um richtig viel Geld", sagt Heike van Laak, Sprecherin der Stiftung.

Immer wieder klagen Hersteller gegen ein Testergebnis - das prominenteste Verfahren der vergangenen Jahre war der Fall Uschi Glas, deren unter ihrem Namen vertriebene Creme im Gesicht vieler Testerinnen Ausschlag und Pusteln hervorrief und deshalb die Note "mangelhaft" erhielt. Die Vertriebsfirma focht das Testurteil an und unterlag, ebenso wie die meisten anderen Hersteller, die gegen die Stiftung vor Gericht zogen. In keinem Fall ist die Stiftung bislang zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt worden, immer wieder haben Gerichte Objektivität und Zuverlässigkeit der Tester bestätigt.

Inzwischen beschäftigt die Stiftung auch eine Kanzlei damit, unrechtmäßige Werbung mit dem Testsiegel zu ahnden. So hatte etwa ein Discounter, dessen als Aktionsware verkauftes Olivenöl im Test besonders gut abschnitt, plötzlich derartige Mengen des Öls in die Läden gestellt, dass die Tester misstrauisch wurden. Zu Recht, wie eine Nachprüfung ergab: Die Flaschen mit dem Siegel enthielten ein anderes, minderwertiges Öl. Das ist Irreführung der Verbraucher, und der haben die Mitarbeiter der Stiftung Warentest den Kampf angesagt.

Wie Rehlender, die oft schon im Fernsehen zu sehen war inmitten von Kartons, die alle mehr Inhalt vorgaukeln als tatsächlich drinsteckt. Vor allem bei Kosmetik und Lebensmittel schummelten die Hersteller, sagt sie: Plötzlich sind in der Pampers-Packung zwei bis vier Windeln weniger, Tempo packt statt zehn nur noch neun balsamierte Taschentücher ein und die Giotto-Gebäckkugeln reichen plötzlich nicht mehr für die fünfköpfige Familie - früher gab es für jeden zwei Stück Naschwerk - einer bekomme jetzt nur noch eines, schrieb eine Familie an Rehlender. "Das passiert klammheimlich", sagt diese und ihre Stimme wird wieder ein bisschen lauter. "Das ärgert die Verbraucher und mich auch."

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(SZ vom 28.11.2007/sho)