Achtung Steuerzahler: Die Bundesregierung und Nordrhein-Westfalen winken mit Millionenbürgschaften für den Profi-Fußball. Profitieren würden wohl in erster Linie die kleinen Vereine.
Noch ist der Kirch-Konzern nicht endgültig zusammengebrochen, da schwant Deutschlands Männern böses Unheil: Deren liebstes Kind - der Fußball - könnte durch den Konkurs des schillernden Medien-Unternehmers bis zur Unattraktivität zusammengestutzt werden. Für die wahlkämpfenden Politiker eine gute Gelegenheit, sich den Sorgen und Nöten der Bevölkerung anzudienen. Und so waren der Bund und mehrere Landesregierungen schnell zur Hand, Bürgschaften von bis zu 200 Millionen Euro für die Fußball-Vereine anzukündigen.
Die Millionarios beim Weißbiergenuss. (© )
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Für Bremens Bildungssenator Willi Lemke wären staatliche Bürgschaften für Fußballvereine allerdings "ein Riesenskandal". Der frühere Manager des Bundesligisten Werder Bremen empörte sich: "Es kann doch nur ein Scherz sein, wenn Steuergelder zur Finanzierung von Fußball-Profis herangezogen werden sollen." Jetzt räche es sich, dass den Spielern das Geld jahrelang in den Rachen geworfen worden sei. "Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass unsere Bundesregierung an die Vereine Geld zahlt, damit die Spieler unterhalten werden können", meinte der Senator.
Zahlreiche Einnahmequellen der Großvereine
In der Tat dürfte es dem Steuerzahler kaum zu vermitteln sein, dass er jetzt noch unmittelbar für die Luxuskarossen und -villen der Herrschaften Effenberg, Ballack, und Co. aufkommen soll. Den Millionarios des Rasensports dürften durch die Kirch-Pleite freilich noch die geringsten Opfer abgenötigt werden. Zumindest im Vergleich zu weniger bekannten Spielern.
Denn die Arbeitgeber der Spitzenspieler, zu denen Großvereine wie Bayern München, Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin zählen, profitierten zwar am meisten von den Kirch-Millionen aus dem Fernsehgeschäft, doch eröffneten sich für die Großvereine in den vergangenen Jahren auch eine ganze Reihe weiterer Einnahmequellen, die kleineren Vereinen nicht offen standen.
So speist sich das 120-Millionen-Euro-Budget von Borussia Dortmund in der Saison 2001/2002 nur zu etwa knapp der Hälfte aus den Fernseheinnahmen. Alimentiert wird die gut gefüllte Vereinskasse zur anderen Hälfte von Sponsor E.ON, dem Verkauf der Eintrittskarten für das legendäre Westfalenstadion und der Vermarktung der Fan-Artikel.
Zweitliga-Vereinen wie Alemannia Aachen oder Schweinfurt 05 stehen diese Einnahmequellen - wenn überhaupt - in weit geringerem Maße zur Verfügung. "Die haben nicht viel mehr als ihren Eintrittskarten-Verkauf aus der Region", meint Paul Sibeanu, der für die WGZ-Bank den deutschen Fußballmarkt analysiert. Branchen-Analyst Lars vom Cleff von der Deutschen Bank weist zudem darauf hin, dass von den 18 Zweitliga-Vereinen zehn derzeit keinen Hauptsponsor hätten.
Stück vom Kuchen
Das Versiegen der Kirch-Millionen würde die kleinen Vereine daher vermutlich härter treffen als die Großverdiener, glaubt Sibeanu. Denn die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte habe in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass auch auf die Vereine aus den unteren Regionen der deutschen Profiligen ein kleines Stück vom Kuchen abgefallen sei.
So hätten die 36 Vereine aus der ersten und zweiten Liga in der Saison 2001/2002 bislang mit Einnahmen aus der TV-Vermarktung in Höhe von 360 Millionen Euro rechnen können. Achtzig Prozent dieses Topfes hätten die Bundesligisten für sich beansprucht, während die Zweitligisten mit den restlichen zwanzig Prozent hätten rechnen können. Hauptsächlich durch diese Einnahmen hätten die "Underdogs" ihre Jahresbudgets von "drei bis vier Millionen Euro aufwärts" bestritten und somit eine gewisse Wettbewerbsfähigkeit erlangt, erklärt Sibeanu.
Auf den Geldsegen vergangener Jahre sollten die Vereine allerdings künftig nicht mehr hoffen, glaubt der Experte. Im Fall eines Kirch-Konkurses seien die früher ausgehandelten Beträge fortan wohl unrealistisch. Künftig denkbare Vertragspartner der Vereine, wie etwa die Medienzaren Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi oder die RTL Group, würden wohl ein zehn bis zwanzig Prozent geringeres Volumen durchsetzen, erwartet Sibeanu.
Die staatliche Hilfestellung sei wohl auch bewusst im Vorfeld dieser Verhandlungen angekündigt worden. Denn die Verhandlungsposition der Vereine werde durch die staatliche Bürgschaft gestärkt. Eine gewisse Konsolidierung der Spielergehälter sei daher zu erwarten, aber ein Einbruch werde vermutlich ausbleiben, glaubt Sibeanu.
Deutsche Spieler verdienen verhältnismäßig wenig
Auch wenn die deutschen Spielergehälter mittelfristig nur moderat sinken sollten, ist allerdings mit einer größeren Abwanderungsbewegung ins europäische Ausland zu rechnen. Denn obwohl die Kicker-Gehälter in Deutschland auf Grund der Kirch-Millionen in den vergangenen Jahren deutlich nach oben geschossen waren, liegen sie noch immer unter den Gagen in Italien, Großbritannien oder Spanien.
So zahlte ein Verein in der höchsten italienischen Liga Seria A in der Saison 1998/99 im Durchschnitt Spielergehälter von 28 Millionen Euro. Während sich der Wert in der britischen Premier League auf sogar 29 Millionen Euro belief, mussten sich die Bundesliga-Kicker mit etwas mehr als der Hälfte (16,4 Millionen Euro) "begnügen".
Sollte sich der staatliche Eingriff tatsächlich auf ein halbes Jahr beschränken, ließe er sich vor diesem Hintergrund auch vor dem Durchschnittsverdiener legitimieren, glaubt ein Fan des Großverdieners Borussia Dortmund.
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