Von Paul Katzenberger

Deutschland hat einen gigantischen Steuerskandal - involviert ist offenbar auch die liechtensteinische Fürstenfamilie. Der Imageschaden für den Finanzplatz Liechtenstein könnte gewaltig sein.

Nachdem sich der Steuerbetrugsverdacht gegen Postchef Klaus Zumwinkel zunehmend erhärtet, gibt es offenbar weitere Dokumente aus einer Bank in Liechtenstein - die darauf hinweisen, dass möglicherweise viele Hunderte Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbei geschleust wurden.

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Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte, dass sie mehrere hundert Strafverfahren eingeleitet habe. Es soll sich nach Medienberichten um Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank handeln.

Sollte ausgerechnet dieses Institut in den Fall verwickelt sein, so wäre das pikant - schließlich gehört das Geldhaus niemand Geringerem als dem liechtensteinischen Fürstenhaus.

LGT Bank vermeidet Dementi

Ein Sprecher der LGT Treuhand AG sagte zu sueddeutsche.de, dass er eine mögliche Verstrickung der Bank in einen Steuerskandal nicht dementieren wolle. Die LGT Treuhand äußere sich derzeit gar nicht zu dem Vorgang. Intern liefen Prüfungen.

Bestätigen sich die Vorwürfe, wären sie für den Monarchen Hans Adam II. ein gewaltiger Imageverlust - bemüht sich sein Zwergstaat doch schon seit einiger Zeit darum, den schlechten Ruf als sicherer Platz für Geldwäscher aufzupolieren.

Das Fürstentum in den Alpen opferte daher seine anonymen Bankkonten, vereinfachte die Rechtshilfe und verschärfte die Sorgfaltspflichten für Treuhänder und Banken.

Derzeit verhandelt das Land zudem mit der EU-Kommission über ein Anti-Betrugsabkommen und die Übernahme der dritten EU-Richtlinie gegen Geldwäsche.

Laxer Umgang mit Steuersündern

Aber der Umgang mit möglichen Steuersündern ist in der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz weiterhin lax. So gibt es etwa kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland. Ein bloßer Verdacht auf Geldwäsche, Betrug oder Steuerhinterziehung reicht den Liechtensteiner Behörden normalerweise nicht aus, um ausländischen Ermittlern Daten offen zu legen.

Das Fürstenhaus fiel in dieser Debatte in der Vergangenheit mit markigen Sprüchen auf. So bestritt der Stiftungsratspräsident der LGT Group Foundation, Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, vor einigen Jahren vehement, für das Aufspüren von Steuersündern verantwortlich zu sein.

Auch sein Bruder, Fürst Hans Adam II selbst, scheint ähnliche Ansichten zu haben. Das Staatsoberhaupt doziert gern über den Wettbewerb zwischen "Steueroasen und Steuerwüsten". Zu Letzteren zählt offenbar Deutschland.

An die eigene Bevölkerung gerichtet

Fraglich ist dabei allerdings, ob derlei Ansagen lediglich an die eigene Bevölkerung gerichtet sind. Immerhin erwirtschaftet Liechtenstein knapp 30 Prozent seines Bruttosozialprodukts im Finanzdienstleistungssektor. Treuhänderisch verwaltete Stiftungsgelder dürften dabei einen erheblichen Anteil haben, schließlich wird die Zahl der treuhändischen Stiftungen in dem Alpenstaat auf 50.000 geschätzt. Das Fürstenhaus könnte also durchaus ein Interesse daran haben, den 86 offiziell registrierten Treuhändern in Liechtenstein nach dem Mund zu reden.

Das Verhältnis zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen ist seit dem Verfassungsreferendum im Jahr 2003 nämlich angespannt: Die Konstitutionsänderung verschob nach Ansicht vieler Bürger die Machtbalance noch deutlicher zu Gunsten der Monarchie. Die Souveränität geht nun zu gleichen Teilen vom Volk und vom Fürsten aus.

Bitter geführte Kampagne

Erst nach einer bitter geführten und spaltenden Abstimmungskampagne stimmte die Mehrheit des 35.000-Einwohner-Volkes daher den Änderungen zu. Etliche Befürworter dürften sich dabei erpresst gefühlt haben. Denn das Fürstenhaus hatte bei Ablehnung der Verfassungsänderungen mit dem Wegzug aus Liechtenstein nach Wien gedroht.

Für viele Wähler hatte diese Drohung großes Gewicht. Denn ohne den Zusatz "Fürstentum" würde Liechtenstein auch ein erhebliches Maß an Rechtssicherheit verlieren. Und genau diese ist für viele Geldgeber aus dem Ausland von entscheidender Bedeutung: Ein guter Treuhänder ist schließlich nur so lange ein guter Treuhänder, solange das bei ihm verwahrte Geld auch sicher ist. In Liechtenstein bürgte bislang dafür auch das Fürstenhaus.

Im Umgang mit dem Ausland dürfte sich Fürst Albert allerdings von anderen Interessen leiten lassen. Schließlich drängt seine LGT Bank verstärkt ins institutionelle Geschäft - da ist ein Schmuddelimage eher hinderlich.

Stünde die LGT Bank nun tatsächlich im Zentrum des neuen Steuerskandals - der Fürst hätte ein gewaltiges Problem.

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(sueddeutsche.de)