Steuerparadies Luxemburg schockt Großkonzerne

Der Kleinstaat macht Ernst: Luxemburg arbeitet daran, seinen Ruf als Steuerparadies zu verlieren. Der Staat will nicht nur Daten von reichen Ausländern an die Finanzämter in deren Heimat weitergeben. Jetzt müssen auch die multinationalen Großkonzerne zittern.

Von Bastian Brinkmann

Zum Beispiel Apple. Wer in Deutschland auf iTunes ein deutsches E-Book von einem deutschen Autor kauft, der bekommt von Apple keine Rechnung aus Deutschland - sondern aus Luxemburg. Viele internationale Konzerne haben ihre Europazentrale dort gegründet, ein strenges Bankgeheimnis und niedrige Steuersätze locken die Investoren. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden kündigt nun an, dass das Land das Bankgeheimnis für solche Firmen abschaffen will. "Luxemburg wird gerne Informationen über multinationale Konzerne weitergeben", sagte er der Financial Times.

Frieden hatte erst vor kurzem mit dem Vorstoß überrascht, dass Luxemburg am automatischen Informationsaustausch der EU teilnehmen wird. Dieser sieht vor, dass Informationen über die Zinserträge ausländischer Bankkunden automatisch an die heimischen Finanzämter weitergeleitet werden, damit diese ordentlich versteuert werden könnten. Luxemburg hatte jahrelang eine Ausnahme genossen und seine Geldhäuser geschont. Mittlerweile weigert sich nur noch Österreich, beim Datenabgleich mitzumachen.

Überraschend prescht Luxemburg nun weiter vor - und will sich sogar einem Vorstoß mehrerer EU-Länder anschließen, die deutlich mehr Informationen austauschen wollen als die Zinserträge auf Bankkonten. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen, Belgien, Rumänien und die Niederlande wollen künftig viel mehr erfahren: Informationen über Einkommen wie Gehälter, Pensionen, Entschädigungen, Mieteinnahmen und Lebensversicherungen, jegliche Kapitaleinkünfte wie Dividenden, Veräußerungsgewinne oder Lizenzgebühren sollen frei und automatisch fließen - bald also auch aus Luxemburg. Und damit nicht genug: "Wir werden sicher an der Spitze weiterer Initiativen stehen", sagte Finanzminister Frieden der FT.

Die aktuelle Regierung baut mit diesen Entscheidungen das Geschäftsmodell des Landes um, das hauptsächlich auf Finanzdienstleistungen basiert. "Die Katze ist aus dem Sack", kommentiert der Bankenverband Luxemburgs. Die Geldhäuser betonten aber, dass ihre Branche nicht zu pessimistisch sei. Es komme jetzt darauf an, die Kunden zu halten, die bisher "nicht steuer-konform" gewesen sind. Der Vorstoß des Finanzministers Frieden kommt bei der Bevölkerung offenbar nicht gut an: Frieden verliert in einer aktuellen Umfrage deutlich an Sympathie.