Steuern auf Glücksspiele Deutsche verzocken offenbar Milliarden bei Sportwetten

Bwin oder Tipico: Private Sportwettenanbieter sind bei den meisten Zockern beliebter.

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Bei wichtigen Fußballspielen werden die Deutschen schwach: Im vergangenen Jahr wurden viele Milliarden Euro verwettet. Und die Finanzämter sollen dabei etwa 80 Millionen Euro an Steuern kassiert haben.

Das Geschäft mit Sportwetten brummt. Im vergangenen Jahr haben Finanzämter allein von Anfang Juli bis Ende Dezember etwa 80 Millionen Euro an Steuergeldern von den Anbietern eingenommen. Die Wettkonzerne versteuern fünf Prozent des Einsatzes. Daraus hat das Handelsblatt nun errechnet, wieviel die deutschen Zocker im gesamten Jahr 2012 für die Sportwetten ausgegeben haben: Das Blatt kommt auf mindestens 3,2 Milliarden Euro.

Immer noch werden allerdings nur ein Bruchteil der tatsächlichen Wetterlöse den Finanzämtern gemeldet, viele Einnahmen werden von anderen Portalen im Internet auf dem Schwarzmarkt generiert. Der gesamte Sportwettenmarkt wird laut einer Goldmedia-Studie aus dem Jahr 2010 auf über sieben Milliarden Euro geschätzt.

Unternehmen wie bwin oder Tipico haben sich um eine Lizenz in Deutschland beworben und zahlen auch die entsprechenden Steuern. Derzeit dürfen die Sportwettenanbieter offiziell nur in Schleswig-Holstein aktiv sein, die Entscheidung darüber ist Ländersache. Ein Großteil operiert aus dem Ausland und nur ein Teil von ihnen versteuert die Einnahmen. Momentan läuft zudem das Auswahlverfahren: Für 20 Lizenzen gibt es es etwa 90 Bewerber, im Frühjahr soll die Entscheidung fallen.

Jene Anbieter, die bereits jetzt Steuern zahlen sehen sich allerdings im Vergleich zu Portalen auf dem schwarzen Internetwettmarkt im Nachteil, denn diese können aufgrund der nicht entrichteten Steuern bessere Quoten anbieten.

Kritik am hohen Steuersatz

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) beschäftigt sich zurzeit mit dem deutschen Glücksspielrecht. Erst Ende Januar hatte der Bundesgerichtshof (BGH) dem EuGH wichtige Grundsatzfragen zum Glücksspielrecht vorgelegt. Allerdings dürfte eine europäische Rechtssprechung noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Mit einer Entscheidung ist frühestens in zwei Jahren zu rechnen.

Die privaten Wettanbieter befürworten seit vielen Jahren eine Liberalisierung des Wettmarktes in Deutschland. Allerdings wehren sie sich gegen den Steuersatz von fünf Prozent. "Das ist viel zu hoch, damit können wir nicht wirtschaftlich arbeiten", sagte Wacker im Handelsblatt. Denkbar wäre beispielsweise eine 20-prozentige Besteuerung auf den Brutto-Rohertrag. Der bisherige staatliche Monopolist Oddset hatte in den letzten Jahren einen starken Umsatzrückgang zu verkraften.