Steuerhinterziehung Skandal gigantischen Ausmaßes

Rund 700 Verdächtige, 900 Durchsuchungsbeschlüsse - und 3,4 Milliarden Euro am Fiskus vorbei: Die Republik hat den größten Steuerskandal ihrer Geschichte.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Justizkreisen soll gegen rund 700 Verdächtige wegen Steuerhinterziehung ermittelt werden.

Insgesamt soll es 900 Durchsuchungsbeschlüsse geben. Im Gespräch ist eine Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Euro, die am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust worden sein soll.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft wollte die Zahlen auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

Aus Regierungskreisen hieß es, es gebe mehr als 1000 Verdächtige. Bereits am Morgen wurde bekannt, dass gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" ermittelt werde. Ein Sprecher des Finanzministeriums riet Betroffenen zur Selbstanzeige. Dieses Instrument sehe das deutsche Steuerstrafrecht vor.

Es soll sich vor allem um Kunden der Liechtensteiner LGT Bank handeln. Die LGT Bank ist das Institut der liechtensteinischen Fürstenfamilie.

Schon in den kommenden Tagen würden in ganz Deutschland Razzien anlaufen, hieß es laut Handelsblatt in Ermittlerkreisen.

Massenhaft Unterlagen erhalten

Die Fahnder haben nach Handelsblatt-Informationen offenbar massenhaft Unterlagen aus der LGT Bank erhalten. "Wir haben die ganze Bank geknackt", zitiert die Zeitung einen Ermittler.

Liechtenstein ist bei Steuerflüchtlingen beliebt, da das Land sehr selten Amtshilfe für deutsche Fahnder leistet. Jetzt hoffen die Fahnder auf zahlreiche Selbstanzeigen - was die Verfahren erheblich beschleunigen würde.

Das hatte schon einmal funktioniert: Im Jahr 2000 hatten Steuerbehörden eine CD-Rom zugespielt bekommen, auf der Interna über Stiftungen von Kunden des Liechtensteiner Treuhänders Herbert Batliner zu finden waren.

Nach Angaben des Handelsblatts sollen die anschließend eingegangenen Selbstanzeigen dem Fiskus rund eine halbe Milliarde Euro eingebracht haben.