Razzia wegen Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe Steuerfahnder jagen deutsche Kunden der Credit Suisse

Sie stehen im Verdacht, insgesamt mehrere Milliarden Euro an Steuern hinterzogen zu haben: Steuerfahnder haben die Häuser mehrerer deutscher Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse in der ganzen Bundesrepublik durchsucht. In Einzelfällen geht es um bis zu zwölf Millionen Euro, die mit Hilfe von Scheinversicherungen am Fiskus vorbeigeschleust wurden.

Steuerfahnder haben nach Angaben des Handelsblattes in ganz Deutschland die Häuser mehrerer Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse durchsucht. Grund seien Erkenntnisse über Steuerhinterziehungen, bei "denen Milliarden von Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust" worden seien, berichtete die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Fahnder berichteten der Zeitung zufolge, es gehe im Schnitt um Anlagebeträge von rund 500.000 Euro. Es gebe auch Einzelfälle von zwölf Millionen Euro und mehr. Dazu seien Scheinversicherungen benutzt worden.

Bei der Credit Suisse hieß es auf Anfrage, es gebe "eine Anzahl Kunden, die belangt worden sind". Allerdings biete die Bank solche Versicherungsprodukte "schon seit einigen Jahren nicht mehr in Deutschland an", sagte ein Sprecher. Bei den Scheinversicherungen handelt es sich laut Handelsblatt um Produkte der Tochterfirma Credit Suisse Life mit Sitz auf Bermuda. Insider hätten berichtet, die Bank habe normale Konten als steuerfreie Versicherungen getarnt.

Von der Credit Suisse heißt es, es gehe um legale Bankprodukte, wie sie von vielen Geldinstituten angeboten würden. Zudem seien auch alle Kunden aus Deutschland darauf hingewiesen worden, "dass die Steuerpflicht bei ihnen selbst liegt, und das haben die Kunden unterzeichnet". Jetzt rate die Bank den Kunden, Steuerexperten hinzuzuziehen und sich unter Umständen selbst anzuzeigen.

Datenleck verrät Steuerschwindler

Laut Handelsblatt gelangten "verfängliche Daten über ein Leck innerhalb der Bank an die deutschen Steuerfahnder". Dazu könne Credit Suisse "keine Angaben machen". Der Zeitung zufolge werden die Ermittlungen über die Steuerfahndung Wuppertal koordiniert. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans bestätigte die Ermittlungen zwar nicht, sagte aber, dass eine entschlossene Steuerfahndung für das Gemeinwesen unverzichtbar sei, so lange es "scheunentor-große Schlupflöcher für Steuerhinterzieher" gebe. "Unsere Steuerfahnder müssen ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können, nämlich kriminelle Hinterzieher aufzuspüren."

Etwa 7000 Kunden der Credit Suisse sollen dem Handelsblatt zufolge betroffen sein, die meisten von ihnen Deutsche. In Zürcher Finanzkreisen hieß es dazu am Dienstagabend, dies sei vermutlich zu hoch gegriffen.

2010 war Credit Suisse selbst ins Visier der Steuerermittler geraten, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen eine CD mit Daten mutmaßlicher Steuersünder gekauft hatte. Bereits damals waren Beamte in mehreren deutschen Städten zu Razzien ausgerückt. Credit Suisse geht nach Angaben des Sprechers nicht davon aus, dass die neuen Daten von der damaligen CD kommen.

Diesmal ist das Geldhaus nicht selbst von den Ermittlungen betroffen. "Es gibt keine Untersuchung gegen die Bank und das ist auch nicht zu erwarten", sagte ein Sprecher. Ohnehin geht die Schweizer Großbank davon aus, dass alle Vorwürfe wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung in Deutschland seit dem vergangenen Jahr vom Tisch sind. Mitte September hatte sich die Bank mit der Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf die Einstellung von Steuer-Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter gegen die Zahlung von 150 Millionen Euro geeinigt.

Durchsuchungen bei der UBS

Eine andere Großbank ist dagegen ins Visier von Steuerfahndern geraten: Französische Ermittler untersuchten laut einem Insider Büros der UBS. Betroffen waren Banken in Lyon, Bordeaux und Straßburg. Dem größten Schweizer Geldinstitut wird Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Auch die Privatwohnungen mehrerer UBS-Manager seien durchsucht worden.

Ein Sprecher der UBS sagte, die Bank arbeite mit den Behörden zusammen. Weitere Angaben zum Vorgehen der französischen Behörden wollte er nicht machen. Französische Behördenvertreter wollten sich unter Hinweis auf die laufenden Untersuchungen ebenfalls nicht äußern. Der Großbank wurde in der Vergangenheit in französischen Medien vorgeworfen, reiche Kunden dazu angestiftet zu haben, Milliardenbeträge aus Frankreich in die Schweiz zu schaffen.