Steuerhinterziehung in der Schweiz USA belohnen Whistleblower mit 100 Millionen Dollar

Verrat, der belohnt wird: Bradley Birkenfeld, ehemaliger Banker der schweizerischen UBS, brachte den US-Fiskus auf die Spur Tausender Steuerhinterzieher. Fast vier Jahre musste er ins Gefängnis. Nun bekommt er für seine "Verdienste" eine üppige Entlohnung.

Der Mann, der die Schweizer Großbank UBS wegen ihrer Steuerpraktiken in den USA angeschwärzt hatte, ist um 104 Millionen Dollar reicher. Bradley Birkenfeld hatte seinen Arbeitgeber UBS im Jahr 2007 verraten und damit einen Skandal ausgelöst, der bis heute die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA belastet. Der zentrale Vorwurf: Banker der UBS haben reichen Amerikanern systematisch dabei geholfen, ihre Vermögen vor dem US-Fiskus zu verbergen.

Das Geld ist sein Anteil an den Abermillionen, die der amerikanische Fiskus dank seiner Informationen eintreiben konnte. Es handele sich wahrscheinlich um die größte Belohnung, die jemals ein Whistleblower in den Vereinigten Staaten erhalten habe, erklärten die Anwälte des Birkenfelds.

Das Geld kommt von der US-Steuerbehörde IRS, die ein spezielles Büro unterhält, bei dem Verstöße gegen das amerikanische Steuerrecht gemeldet werden können. Die Behörde konnte damit über die Jahre Hunderte Millionen Dollar hinterzogener Steuern einsammeln.

Birkenfeld hatte nach eigenen Angaben in Genf in einer Abteilung der UBS gearbeitet, die reichen Amerikanern half, ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus zu verstecken. 2007 übergab er dem IRS dann Dokumente und Informationen über dieses Geschäft. In der Folge drohte der durch die Finanzkrise ohnehin angeschlagenen UBS in den USA eine Klage, die unter Umständen das Aus für die Bank hätte bedeuten können.

UBS zahlte 780 Millionen Dollar an die USA

Der Ex-Banker musste wegen Steuerbetrugs allerdings selbst für 40 Monate ins Gefängnis und war erst kürzlich unter Auflagen vorzeitig entlassen worden. Bei der Pressekonferenz des "National Whistleblower Center" zur Verkündung der Millionenbelohnung war deshalb nur sein Bruder Douglas Birkenfeld anwesend.

Die US-Steuerbehörde IRS erklärte in einem vom "National Whistleblower Center" veröffentlichten Schreiben, sie habe zwar gewusst, dass Amerikaner ihr Geld auf Konten in der Schweiz und anderswo im Ausland versteckt hätten. Doch erst die Informationen von Bradley Birkenfeld hätten die Aktionen gegen die UBS ermöglicht.

Der Kronzeuge hatte berichtet, dass amerikanische UBS-Kunden rund 20 Milliarden Dollar ins Ausland verschoben hätten und lieferte Belege. Die UBS zahlte 2009 im Rahmen eines Vergleichs 780 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten. Zudem sollte die Bank Tausende Konten offenlegen. Das sorgte für erheblichen Zwist mit der Schweiz, die ihr Bankgeheimnis bedroht sah.

Auch zahlreiche andere Banken gerieten ins Visier der US-Justiz und der Steuerfahnder der IRS, darunter die Credit Suisse, die Bank Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank. Die Schweizer Regierung knickte unter dem Druck der USA ein und erlaubte im Falle der UBS die Herausgabe von weit mehr als 4000 Namen amerikanischer Kontoinhaber.

Anfang diesen Jahres löste sich sogar das älteste Geldhaus der Eidgenossenschaft faktisch selbst auf, als US-Staatsanwälte drei Kundenberatern Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorwarfen. Die Führung der 1741 gegründeten Privatbank Wegelin & Co. sah darin eine existenzielle Bedrohung und verkaufte den Großteil des Geschäfts.