Ein Steuerbetrug via Liechtenstein hat eine andere Qualität als ein Diebstahl bei Aldi. Das gewaltige öffentliche Interesse, das der Fall Zumwinkel auf sich zieht, ist daher nicht automatisch ein Verstoß gegen die Unschuldsvermutung, sondern (auch) ein Preis der Prominenz. Zumwinkel ist öffentliche Person. Was das bedeutet, haben er und seinesgleichen noch nicht verstanden.
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Der Fall Zumwinkel, so wie er sich derzeit darbietet, ist ein Exempel für die Erosion bürgerlichen Normbewusstseins im Bereich der Wirtschaft. Dieser Fall ist hier so exemplarisch, wie es die Parteispedenskandale für den Bereich der Politik waren.
Sonderangebots-Gesetz
Es mag nicht ganz zufällig sein, dass dabei stets die Steueroase Liechtenstein eine Rolle spielt. Liechtenstein ist einer der Orte, an denen sich das Rechtsgewissen von politisch und finanziell Mächtigen eine Auszeit nimmt. Die Steuerhinterziehung unter Zuhilfenahme solcher Orte wird (bisweilen auch vom Staat) als Kavaliersdelikt einer Wirtschaftsgesellschaft betrachtet.
Deshalb wurden und werden den Groß-Steuerhinterziehern staatliche Sonderangebote gemacht. Die Steueramnestie der Jahre 2004 und 2005 war ein solches Sonderangebot. Steuerflüchtlinge sollten ihr im Ausland gebunkertes Geld zurückholen, und dann nicht nur nicht bestraft, sondern auch mit einer besonders niedrigen Steuersatz belohnt werden.
Das Gesetz wurde perfiderweise "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" genannt. Die Unehrlichkeit begann aber schon mit diesem Namen: Das Gesetz belohnte ja nicht die ehrlichen Steuerzahler, sondern, aus staatlicher Geldnot, die Steuerflüchtlinge.
Anders gesagt: Wenn das Geld im Kasten klang, der Täter von der Schaufel sprang. Aber nicht einmal dieses Superangebot wurde angenommen, der Rücklauf blieb weit hinter den Erwartungen zurück - und auch ein Zumwinkel blieb in Liechtenstein.
Die Schere zwischen Reich und Reich
Warum? Weil der Staat mit solchen Sonderangeboten zeigt, dass er Steuerflüchtlinge hofiert. Die Amnestie hat offenbar die funktionale Eingewöhnung in die großdimensionierte Steuerhinterziehung eher bestärkt als verhindert.
Es wird viel über die Spaltung der Gesellschaft geschrieben - die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Es geht aber auch die Schere zwischen Reich und Reich immer weiter auseinander. Es gibt einerseits immer mehr Reichtum, der via Stiftungen ins Gemeinwohl fließt.
Es gibt aber auch immer mehr Reichtum, der in die Gemeinheit fließt, nämlich in Steuerhinterziehung und Betrug. Beide Scheren - die zwischen Arm und Reich, und die zwischen Reich und Reich - gefährden den inneren Frieden.
Hinter all der Empörung, der berechtigten und der unberechtigten Kritik an Politikern und Großmanagern, steckt vor allem eine Sehnsucht: die nach Vorbildern und Werten; es ist die Sehnsucht danach, sich an etwas halten zu können.
Der Fall Zumwinkel beleidigt diese Sehnsucht. Innere Sicherheit ist ja nicht nur ein Gefühl, das mit Paragraphen, Polizei und Justiz zu tun hat. Innere Sicherheit ist auch das Ergebnis eines Grundvertrauens in das Führungspersonal eines des Landes. Dieses Grundvertrauen wird von den Zumwinkels zerstört.
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(SZ vom 15.02.2008/jkr)
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Lieber Karl Waldheim,
angesichts von nahezu 24-stündigem "Dauerbeschuß" von Show und Werbung in den Medien ist unsere Gesellschaft gleichsam einer ständigen "Gehirnwäsche" ausgesetzt.
Wenn dann auch noch an den wahren Künsten und an der Bildung der Gesellschaft immer mehr gespart wird, dann heißt es eben für immer mehr Menschen "WER NICHT HIN GEHT, IST NICHT IN !". Auch die Kirche wäre ein geeigneter Ort zu dem sich das zumindest zeitweise "HINGEHEN" mehr lohnen würde.
ich bin durchaus ebenfalls der Meinung, daß "Spaßberufe" im Verhältnis zu ihrer Leistung zu hoch bezahlt werden. Dieser Zustand ist aber auch am einfachsten zu reparieren: MAN GEHT NICHT HIN. Schließlich leben diese Leute ausschließlich von ihren Fans.
Anders sieht das bei zu hohen Manager-Gehältern aus. Darüber beschließt das Kartell aus Aufsichtsräten und Vorständen wie in einem Selbstbedienungsladen, oder, wie in der Politik.
Wenn in einer Gesellschaft Fußballspieler, Autorennfahrer, Tennisspieler, Boxer, Fernsehmoderatoren etc. die Topverdiener sind, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich Manager, Mediziner, Wissenschaftler, Unternehmer etc. dumm vorkommen, wenn sie den erst genannten in Einkommen und Anerkennung nachstehen.
Schließlich verantworten sie in leitenden Positionen Innovationen, Arbeitsplätze - letztendlich die geistige und wirtschaftliche Basis für sozialen Wohlstand der gesamten Gesellschaft und nehmen dafür nicht selten hohes unternehmerisches Risiko auf sich.
Es galt Jahrzehnte lang als gesellschaftlicher Konsens, dass der Beitrag der Arbeitnehmer und Hausfrauen dieser Führungsleistung "in Summe" gleich gestellt ist.
Diese gesellschaftliche Balance und das gesamte Wertegerüst der Gesellschaft kommt für mich in erster Linie durch die irrealen Gehälter und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für "Spaßberufe" wie Fußballer, Autorennfahrer etc. erheblich ins wanken.
Wenn man, wie Heribert Prantl von "Denen da oben" spricht, muß m.E. zu allererst mit dieser irrealen Showwelt Schluß gemacht werden.
Diese Showwelt ist das wahre (falsche) Zugpferd für den nach Anerkennung lechzenden Menschen unserer Zeit. Dass dabei immer mehr ins Illegale abdriften oder "nach unten treten" wird gerade durch dieses falsche "Götzentum" noch gefördert.
Eine Gesellschaft, die nur noch Götzen hinterherläuft, erntet das was wir jetzt erleben.
Höchste Verantwortung in dieser Entwicklung tragen für mich die Medien. Sie haben diesen Prozess maßgeblich beschleunigt. Sie haben daher auch die größten Stellhebel, die "Kirche wieder ins Dorf" zurück zu holen - und das meine ich durchaus auch doppelsinnig.
Ethische Grundhaltung, ja ein schöner Traum.....
Soll man diese EG den Managern einprügeln, oder wäre dir eine integrierte Gehirnwäsche wärend des BWL Studiums lieber.
Kommt doch mal von der Vorstellung runter, man könnte die Menschen durch fromme Wünsche (hat auch nichts mit Religion zu tun) verändern. Der Wunsch nach einer schönen neuen Welt ist bis jetzt immer in faschistoiden gesellschaftssystemen gescheitert, weil der Mensch einfach nicht so funktioniert.
Man kann böse egoistische und assoziale Individuen nicht mmit ethischen Grundhaltungen kommen, man kann ihr treiben nur beobachten und sie, wenn sie über die Strenge schlagen, bestrafen.
Und genau dafür ist die Politik da. Die Maßstäbe zu setzen und die Kontrollmechanismen zu schaffen, damit die Egoisten nicht die Oberhand gewinnen.
Es geht doch nicht um Kontrollmechanismen. Das ist zu viel kurz gesprungen. Es geht um die ehtische Grundhaltung, und die hat nichts mit einer Religionsgemeinschaft zu tun - um dies deutlich zu formulieren.
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