Das Bild, das man sich inzwischen von den Schrempps, den Hartzens und den Zumwinkels macht, addiert sich zu einem Gesamtbild der Schamlosigkeit.
Es reiht sich alles wie zu einem Rosenkranz des Desasters: Da sind die Manager mit den frivolen Gehältern; die Aufsichtsräte, die keine Aufsicht üben; die Landesbanken, die sich nicht mehr ums Gemeinwohl scheren; die Vorstände, denen an ihren eigenen Aktienpaketen mehr liegt als an ihren Beschäftigten.
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Klaus Zumwinkel kehrt in Köln nach seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in sein Haus zurück. (© Foto: AP)
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Angesichts des Zusammentreffens solcher Syndrome verlernt die Öffentlichkeit das Differenzieren. Sie unterscheidet nicht mehr zwischen den Gerissenen, Gierigen und Gefährlichen, den Fehlspekulanten und den Untreuen; den Steuervermeidern und den Steuerbetrügern, den nur übertrieben Geschäftstüchtigen, den Unmoralischen und den richtig Kriminellen.
Das Bild, das man sich von den Schrempps, den Hartzens und den Zumwinkels macht, addiert sich zu einem Gesamtbild der Schamlosigkeit.
Wirtschaftsverdrossenheit
Überall, wo jetzt über die Steuerhinterziehung des Großmanagers Klaus Zumwinkel diskutiert wird, ist der Satz nicht weit, dass man "die alle" in einen Sack stecken und draufschlagen könne, weil es dabei keinen Falschen treffe.
So ein Satz ist genauso erbärmlich wie das Verhalten derer, die dazu Anlass gegeben haben. Aber es ist mittlerweile tatsächlich so, dass sich das individuelle Fehlverhalten von Großanlegern im Urteil der Öffentlichkeit zu einem Systemfehler verdichtet. Die Wirtschaftsverdrossenheit ist so groß wie die Politikverdrossenheit; und das ist eine fatale Kombination.
Soweit die Präambel zum Fall Zumwinkel. Sein Fall ist einer, der dem Generalverdacht vieler Bürger gegen Politik und Wirtschaft neue Nahrung gibt: "Die da oben lügen und betrügen doch alle", sagen die da unten, die auch lügen, auch betrügen und auch die Steuern hinterziehen - aber das damit rechtfertigen, dass "die da oben" das alles in viel größerem Stil, ja bisweilen in gigantischem Ausmaß, auch machen.
Das Ausmaß freilich gibt einem Gelddelikt nicht nur eine besondere Quantität, sondern neue Qualität. Eine Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ist für einen Großmanager nicht einfach das, was für Lieschen Müller der Ladendiebstahl ist.
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Sparpaket
Lieber Karl Waldheim,
angesichts von nahezu 24-stündigem "Dauerbeschuß" von Show und Werbung in den Medien ist unsere Gesellschaft gleichsam einer ständigen "Gehirnwäsche" ausgesetzt.
Wenn dann auch noch an den wahren Künsten und an der Bildung der Gesellschaft immer mehr gespart wird, dann heißt es eben für immer mehr Menschen "WER NICHT HIN GEHT, IST NICHT IN !". Auch die Kirche wäre ein geeigneter Ort zu dem sich das zumindest zeitweise "HINGEHEN" mehr lohnen würde.
ich bin durchaus ebenfalls der Meinung, daß "Spaßberufe" im Verhältnis zu ihrer Leistung zu hoch bezahlt werden. Dieser Zustand ist aber auch am einfachsten zu reparieren: MAN GEHT NICHT HIN. Schließlich leben diese Leute ausschließlich von ihren Fans.
Anders sieht das bei zu hohen Manager-Gehältern aus. Darüber beschließt das Kartell aus Aufsichtsräten und Vorständen wie in einem Selbstbedienungsladen, oder, wie in der Politik.
Wenn in einer Gesellschaft Fußballspieler, Autorennfahrer, Tennisspieler, Boxer, Fernsehmoderatoren etc. die Topverdiener sind, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich Manager, Mediziner, Wissenschaftler, Unternehmer etc. dumm vorkommen, wenn sie den erst genannten in Einkommen und Anerkennung nachstehen.
Schließlich verantworten sie in leitenden Positionen Innovationen, Arbeitsplätze - letztendlich die geistige und wirtschaftliche Basis für sozialen Wohlstand der gesamten Gesellschaft und nehmen dafür nicht selten hohes unternehmerisches Risiko auf sich.
Es galt Jahrzehnte lang als gesellschaftlicher Konsens, dass der Beitrag der Arbeitnehmer und Hausfrauen dieser Führungsleistung "in Summe" gleich gestellt ist.
Diese gesellschaftliche Balance und das gesamte Wertegerüst der Gesellschaft kommt für mich in erster Linie durch die irrealen Gehälter und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für "Spaßberufe" wie Fußballer, Autorennfahrer etc. erheblich ins wanken.
Wenn man, wie Heribert Prantl von "Denen da oben" spricht, muß m.E. zu allererst mit dieser irrealen Showwelt Schluß gemacht werden.
Diese Showwelt ist das wahre (falsche) Zugpferd für den nach Anerkennung lechzenden Menschen unserer Zeit. Dass dabei immer mehr ins Illegale abdriften oder "nach unten treten" wird gerade durch dieses falsche "Götzentum" noch gefördert.
Eine Gesellschaft, die nur noch Götzen hinterherläuft, erntet das was wir jetzt erleben.
Höchste Verantwortung in dieser Entwicklung tragen für mich die Medien. Sie haben diesen Prozess maßgeblich beschleunigt. Sie haben daher auch die größten Stellhebel, die "Kirche wieder ins Dorf" zurück zu holen - und das meine ich durchaus auch doppelsinnig.
Ethische Grundhaltung, ja ein schöner Traum.....
Soll man diese EG den Managern einprügeln, oder wäre dir eine integrierte Gehirnwäsche wärend des BWL Studiums lieber.
Kommt doch mal von der Vorstellung runter, man könnte die Menschen durch fromme Wünsche (hat auch nichts mit Religion zu tun) verändern. Der Wunsch nach einer schönen neuen Welt ist bis jetzt immer in faschistoiden gesellschaftssystemen gescheitert, weil der Mensch einfach nicht so funktioniert.
Man kann böse egoistische und assoziale Individuen nicht mmit ethischen Grundhaltungen kommen, man kann ihr treiben nur beobachten und sie, wenn sie über die Strenge schlagen, bestrafen.
Und genau dafür ist die Politik da. Die Maßstäbe zu setzen und die Kontrollmechanismen zu schaffen, damit die Egoisten nicht die Oberhand gewinnen.
Es geht doch nicht um Kontrollmechanismen. Das ist zu viel kurz gesprungen. Es geht um die ehtische Grundhaltung, und die hat nichts mit einer Religionsgemeinschaft zu tun - um dies deutlich zu formulieren.
Paging