Steuerflucht von Konzernen Nur Empörung schafft Transparenz

In einer indonesischen Coca-Cola-Fabrik: Die Cola-Chefs wollten sich 24 Milliarden Dollar zuschanzen, indem sie sich Aktienpakete sicherten.

(Foto: Bloomberg)

Konzerne wie Coca-Cola verstecken mittels aberwitziger Konstruktionen Milliarden in Steueroasen. Das belegen die Luxemburg-Leaks eindrücklich. Was dagegen hilft? Die Unternehmen müssen transparenter werden - und lesbar für die Öffentlichkeit.

Kommentar von Bastian Brinkmann

Der Hammer stand auf Seite 86 des Formulars 14A. Dort versteckten die Coca-Cola-Manager einen neuen Vergütungsplan, der unter den Aktionären Entsetzen auslöste. Doch zunächst bekam niemand etwas mit. Konzerne müssen zwar viel veröffentlichen, so wie Coca-Cola das Formular 14A auf der Internetseite der US-Börsenaufsicht SEC.

Doch nur wer sich stundenlang durch Hunderte Seiten voller Fachbegriffe kämpft, hat die Chance zu verstehen, um was es eigentlich geht. Ein Investor entdeckte die Passage auf Seite 86 und interpretierte sie so: Die Cola-Chefs wollten sich 24 Milliarden Dollar zuschanzen, indem sie sich Aktienpakete sicherten. 24 Milliarden! Diese Rechnung war zwar um viele Milliarden übertrieben, wie sich später herausstellte. Aber aufgrund der großen öffentlichen Empörung verabschiedete sich das Management von seinen Plänen.

Konzerne müssen transparenter werden

Es hilft nichts, Konzerne müssen transparenter werden. Sie verstecken Milliarden in aberwitzigen Konstruktionen in Steueroasen, wie die Luxemburg-Leaks belegen. Jetzt sind diese Modelle öffentlich nachvollziehbar - und die Politik regt sich, nachdem sie jahrelang dem Treiben der Konzerne entweder feige oder bewusst zugesehen hat.

Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bespricht an diesem Wochenende, wie transparent Konzerne werden müssen, damit ihre Steuerflucht zumindest ein bisschen eingedämmt werden kann. Die Staats- und Regierungschefs sollten dabei an das Beispiel Coca-Cola denken. Denn es zeigt: Nur weil etwas vorhanden ist, ist es noch lange nicht da.

Wie viel ein Konzern in einem Land verdient, wie viel Menschen er dort beschäftigt, welche Wertschöpfung dort stattfindet - aus diesen Informationen wollen die Staaten künftig kalkulieren, wie hoch die Steuerlast in den einzelnen Ländern für international tätige Konzerne sein soll. Es könnte sein, dass am Ende nur Finanzämter auf die Daten schauen dürfen, was ein schwerer Fehler wäre. Unternehmen dürfen sich nicht hinter dem Steuergeheimnis verstecken. Nur gesellschaftliche Empörung hat bisher dafür gesorgt, dass sich etwas bewegt.

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Aber es reicht nicht, wenn die Steuerdaten der Konzerne künftig öffentlich sind. Sie müssen auch lesbar sein - für Menschen und Maschinen. Computerprogramme sollten auf die Informationen so zugreifen können, dass sie systematische Ungereimtheiten entdecken. Und interessierte Bürger müssen in der Lage sein, die Dinge auch zu verstehen.

Dafür sind die bisherigen Berichte kein Vorbild, die Aktienkonzerne ins Internet stellen. Denn dann verstecken die Manager die wirklich wichtigen Dinge weiterhin auf Seite 86 des Formulars 14A.