Steuerflucht Brisante Spur nach Dubai

Viele Spuren der Ermittler führen nach Dubai und auf die künstlich angelegten Inseln "Palm Jumeirah".

(Foto: Kamran Jebreili/ap)
  • Der 47-jährige Sanjay Shah gilt als einer der wohl größten Steuerbetrüger Europas. Auch in Deutschland läuft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren.
  • Nun taucht weiteres brisantes Material über die Geschäfte des Mannes auf. Und die Spur führt - wieder einmal - nach Dubai.
Von Margot Gibbs, Nick Mathiason und Frederik Obermaier

Wenn sich die Vorwürfe der Ermittler bewahrheiten, ist Sanjay Shah einer der größten Steuerbetrüger Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Um rund 1,6 Milliarden Euro soll der gebürtige Brite den dänischen Staat betrogen haben, Deutschland um 40 Millionen, um ähnliche Summen womöglich auch Österreich und Spanien. Der 47-jährige Shah gilt als eine der wichtigsten Figuren in jenem gigantischen Steuerskandal, der unter dem sperrigen Namen "Cum-Ex" seit Jahren Schlagzeilen macht.

Vereinfacht gesagt geht es beim Cum-Ex-Skandal um Banken und Geschäftsleute, die sich Steuererstattungen erschlichen haben sollen, die ihnen eigentlich nicht zustehen. Allein dem deutschen Staat soll dabei nach Schätzungen von Steuerfahndern mehr als zehn Milliarden Euro Schaden entstanden sein. Anfang des Jahres waren bei den Behörden bereits 417 Verdachtsfälle im Umfang von 5,3 Milliarden Euro anhängig. Die Frage ist nur: Wie viel werden die mutmaßlich betrogenen Staaten jemals wiedersehen? Und damit wäre man wieder bei Shah.

Gegen den gebürtigen Briten, der als Hobby Filme produziert und zu Charity-Veranstaltungen schon mal Weltstars vom Schlage des Musikers Prince einfliegen lässt, läuft in Deutschland ein Ermittlungsverfahren; es ist bei der Staatsanwaltschaft Köln anhängig. Die zuständigen Ermittler dürfte nun neu aufgetauchtes Material aufhorchen lassen: Es handelt sich um bislang weitgehend geheime Informationen zu Immobilieneigentum in Dubai - jenem Land, wo Shah seit einiger Zeit lebt, unerreichbar für deutsche Fahnder.

Die Daten wurden der amerikanischen Nichtregierungsorganisation C4ADS zugespielt, die sie mit den auf dunkle Finanzströme spezialisierten Journalistengruppen Finance Uncovered und Organized Crime and Corruption Reporting Project ausgewertet und die Ergebnisse mit der Süddeutschen Zeitung geteilt hat. Die Unterlagen sind auch deshalb so brisant, weil in der Cum-Ex-Affäre immer wieder Spuren nach Dubai führen. Allerlei Hintermänner sollen in dem Wüstenstaat ihre vermutlich erschwindelten Gelder angelegt haben. So womöglich auch Shah.

Aus den Unterlagen, die bis in das Jahr 2014 reichen, geht hervor, dass er auf der künstlich angelegten Inselgruppe "Palm Jumeirah" mindestens sechs Häuser beziehungsweise Villen besitzt, die insgesamt rund 48 Millionen Euro wert sein sollen - und damit etwas mehr als Shah dem deutschen Fiskus schuldet, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten.

Gegen Shah wird bereits seit Längerem in Dänemark ermittelt, die Büros seines Hedgefonds Solo Capital wurden 2016 in London durchsucht - kurz darauf wurde der Hedgefonds geschlossen. Auch in diversen Verfahren in Deutschland taucht immer wieder der Name Shah auf. So war Shah Aufsichtsratschef der Dero Bank in München, die wegen Cum-Ex in die Schlagzeilen geriet und mittlerweile Insolvenz angemeldet hat. Damit aber nicht genug: Neben der Staatsanwaltschaft Köln interessiert sich angeblich auch die Staatsanwaltschaft Hamburg für den 47-Jährigen. Shah hatte sich einst über zwei Investmentvehikel bei der in Hamburg ansässigen Varengold Bank eingekauft und angeblich Millionenbeträge transferiert. Auf Anfrage erklärte die Hamburger Staatsanwaltschaft, zu Ermittlungen im Zusammenhang mit Shah keine Angaben machen zu können. "Es bestünde die Gefahr, die Ermittlungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Staaten zu gefährden." Eine Sprecherin der Varengold-Bank betonte auf Anfrage, dass gegen das Geldhaus selbst nicht ermittelt werde.

Eine Yacht namens "Cum Ex"? Zumindest das dementiert Shah

Manch deutscher Ermittler hatte eine Zeit lang gehofft, Shah würde freiwillig in die Bundesrepublik kommen und aussagen. So wie das einige andere Cum-Ex-Akteure aus dem In- und Ausland getan hatten, um reinen Tisch zu machen und halbwegs glimpflich davonzukommen. Zu einem Termin Shahs bei der Staatsanwaltschaft Köln kam es jedoch nicht. Der Brite schweigt. Auch auf Anfrage der SZ wollte er sich nicht äußern. Nur so viel: Seine Yacht heiße nicht "Cum Ex", wie in der Wirtschaftspresse mal berichtet worden war.

Umso redseliger war Shah vergangenen Herbst gegenüber der Tageszeitung The National aus Abu Dhabi. Shah bedauert in dem Artikel, dass er Ende der Neunzigerjahre plötzlich seinen Mercedes verkaufen musste, als er seinen früheren Job als Banker verlor. Stattdessen habe er auf einen Toyota umsatteln müssen.

Vor allem aber erzählt Shah in dem Interview von seinem größten finanziellen Fehlgriff: Es sei der Kauf seiner Luxusyacht gewesen, die jetzt vor Dubai vor Anker liegt. Zu Cum-Ex verlor er kein Wort.