Fünf Millionen Euro zahlte der Staat für Kunden-Daten aus Liechtenstein. Finanzminister Steinbrück erwartet einen üppigen Ertrag. Doch darf eine Regierung Geld zahlen, damit sie Beweise gegen Steuervergehen bekommt?
Das Bundesfinanzministerium hat 1700 Mitarbeiter, neun Abteilungen und viele Referate. Eines trägt die Bezeichnung IVA4. Dieses Ressort, geleitet von einem Ministerialrat, beschäftigt sich mit Problemen der Abgabenordnung (AO). Ein klassisches "Spiegelreferat", wie der Amtsbegriff dafür lautet. Die etwa acht Beamten von IV A4 führen keine eigenen Ermittlungen, prüfen keine Steuerakten - sie haben den Überblick über das Große und Ganze.
(© Foto: Getty Images)
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Vor knapp zwei Jahren bekam das Referat einen Spezialauftrag: Dem Bundesnachrichtendienst (BND) hatte sich ein Informant anvertraut, der aus der liechtensteinischen LGT-Gruppe, dem Geldhaus des Fürsten, Datensätze über deutsche Bankkunden beschaffen wollte. Ein Pröbchen der Sammlung hatte er übergeben. Der BND konnte mit den Daten nichts anfangen; Referat IVA4 kam ins Spiel und bewies Weitsicht.
Die stärkste Finanzverwaltung der Republik sitzt bekanntlich in Nordrhein-Westfalen. Hier war Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zwischen 2000 und 2002 Landesfinanzminister. Das war die richtige Adresse. Auch hatte sich Nordrhein-Westfalen schon mit Stiftungen im Fürstentum beschäftigt. Die Datensätze gelangten erst nach Düsseldorf und dann zur Steuerfahndung nach Wuppertal, deren Chef Erfahrungen beim Aufspüren von Liechtenstein-Unterlagen hat. Das Musterexemplar des BND-Informanten hatte ihn überzeugt.
Dies war die Ouvertüre zu einer der ungewöhnlichsten Aktionen in der Geschichte des BND und des deutschen Fiskus: Drei Ministerien, das Kanzleramt, diverse Staatssekretäre mischten mit und auch das Finale fällt aus dem Rahmen: Der Informant hat fünf Millionen Euro bekommen, Mehrwertsteuer inklusive. Die Prämie zahlen deutsche Finanzministerien. Der BND ist voriges Jahr in Vorlage getreten und mahnte vor Monaten schon die Rückerstattung an.
Der Fall wirft Fragen auf: Hat der BND seine Rolle überdehnt? Darf eine Regierung einem Informanten, der solchen Zugang zu einer Auslands-Bank hat, für gestohlene Unterlagen eine Prämie zahlen? Würde die Regierung auch einen Informanten belohnen, der bei einer deutschen Bank arbeitet und Material über deutsche Steuerhinterzieher anbietet?
Vor etlichen Jahren war in Frankfurt der Mitarbeiter einer Großbank entlassen worden, weil er die Staatsanwaltschaft auf die Spur einer riesigen, von Banken mitorganisierten Steuerhinterziehung gebracht und darüber geredet hatte. Ihm hat seinerzeit niemand geholfen, von Geld ganz zu schweigen.
Der geheimnisvolle Unbekannte aus der kleinen Alpenrepublik, der nach Spiegel-Informationen umfassenden Personenschutz verlangte, weil er um sein Leben fürchtet, das immerhin steht fest, hat mehr als tausend Datensätze über verdächtige deutsche Steuersünder geliefert. Wie ein zweites Rumpelstilzchen wird er sich vermutlich freuen, dass niemand seinen Namen kennt, obwohl die ganze Republik über seine Story spricht. Wie er die Fürstenbank knacken konnte, ist sein Geheimnis. Sicher ist, dass er schon früher Kontakt zum BND hatte.
Der Auslandsnachrichtendienst ist für Steuerdelikte nicht zuständig, schon gar nicht für die von Inländern. "Aber wir sind nie aktiv geworden", sagt ein hochrangiger Geheimer. "Wir waren nur Boten." Und Steinbrück? Der Minister sei nur, sagt sein Sprecher, "haushalterisch" mit der Angelegenheit befasst gewesen. "Drei Minuten vielleicht." Dass sich die Investition fiskalisch lohnen werde, sei dem Minister klar gewesen. Details aber habe er nicht gekannt.
Und der nordrhein-westfälische CDU-Finanzminister Helmut Linssen? Der sei von der Steuerabteilung seines Hauses über den delikaten Datenankauf von dem BND-Informanten irgendwann unterrichtet worden, verlautet aus Düsseldorfer Regierungskreisen. Wirklich tätig geworden sei Linssen in dem Fall nicht. Auch mit seinem Berliner Kollegen Steinbrück habe er nie über Zahlungsmodalitäten für das brisante Liechtenstein-Material gesprochen.
Statt der Chefs kümmerten sich Staatssekretäre, darunter auch einer aus dem Bundeswirtschaftsministerium um den Fall, sowie Fachabteilungen in Berlin und Düsseldorf. Die Beamten verfolgten offenbar die Vorstellung, der Bund und das Land NRW könnten sich das Millionen-Honorar für den Datenlieferanten teilen. Die Wuppertaler Steuerfahnder trafen in Begleitung von Geheimen den Liechtenstein-Informanten mehrmals.
Den Vertrag schloss der Unbekannte mit dem BND. Die fünf Millionen Euro wurden auf ein Notaranderkonto überwiesen. Das Geld wurde erst frei, als der Mann die Diskette mit dem gesamten Material ausgehändigt hatte. Dieser Ablauf wird übereinstimmend von mehreren Behörden-Insidern so beschrieben.
Lohnen wird sich die Investition, ökonomisch gesehen, sicherlich. Aber Geschmäckle hat es schon, wenn ein untreuer Mitarbeiter solche Gratifikation bekommt. Andererseits: In welchem Geschäft gelingt es, immer saubere Hände zu behalten? Wenn Nachrichtendienste mitspielen, geht es fast immer um Geld.
Auch in diesen Tagen wird heftig über Geld gestritten. Der Düsseldorfer Finanzminister hat eine 2,1-Millionen-Forderung des BND an das Land Nordrhein-Westfalen für das Datenpaket energisch zurück gewiesen. "Das ist nicht unser Bier", sagte Linssen seinen Mitarbeitern vergangene Woche. Schließlich profitierten von dem Datenschatz neben dem Bund auch alle übrigen Bundesländer durch die Millionen schweren Steuernachzahlungen der enttarnten Liechtenstein-Anleger. Wenn Düsseldorf nicht zahlen will, wird der Bundesfinanzminister am Ende die Zeche übernehmen. Vergleichsweise geht es ja um Peanuts.
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(SZ vom 18.2.2008/sonn)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
Was wollen Sie damit sagen? Deutsche Behörden haben doch vor der VErwendung von Curveballs Daten gewarnt. Die deutsche Regierung ist entsprechend nicht mit in den Irak gezogen. Die Daten, die die BND-Quelle dagegen über Zumwinkel und seine Machenschaften in Liechtenstein angeschleppt hat, scheinen dagegen so valide zu sein, dass es für einen Haftbefehl gereicht hat.
Das FBI dagegen hat auf den Herrn Osama bin Laden ein Kopfgeld von 5 Millionen ausgesetzt. Als 2003 auf Hussein und bin Laden jeweils 25 Mio $ Kopfgeld ausgesetzt waren, da hat der Herr Leyendecker nicht kritisch gefragt, ob der Staat das dürfe , als seine BND-Quellen in der SZ ihren VErrat begehen liess:
"Am Dienstag wurde einer seiner Leibwächter in Tikrit, Saddams Heimatort, festgenommen. Die US-Soldaten hatten gezielt nach dem Vertrauten des früheren Diktators gesucht. Wird sein Chef der Nächste sein ? 25 Millionen Dollar Kopfgeld hat die US-Regierung ausgesetzt ebenso viel wie für Hinweise, die zur Ergreifung Osama bin Ladens führen.
Doch Saddam sei kein Osama bin Laden, deshalb werde man ihn bald fangen, hat der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage erklärt. "
www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/407/15392/
Aber wenn es um deutsche Kriminelle geht, dann ist man sensibler? Da hinetrfrgat man dann, ob der Staat Geld ind ie Hand nehmen darf, um Kriminelle zu fangen? Läcgerlich, was der Herr Leyendecker 2008 von sich gibt.
Sie schreiben, um den Zusammenhang zwischen der Heuchelei zum Vorgehen der Datenbeschaffung darzustellen: "In Afghanistan sind wir, weil die USA behauptet haben von dort von Herrn Osama bin Laden und seinen Leuten angegriffen worden zu sein. Nach sechs Jahren läuft Herr bin laden immer noch frei rum und wir ändern nichts an unserer Strategie. Cash Burnen ohne Ende. "
Dem ist zu widersprechen: im Septenber 02 traf sich ein BND-Mann in Washington mit Tyler Drumheller, CIA. Bei dem Treffen soll es um einen irakischen Überläufer mit dem Decknamen Curveball gehen und um den bevorstehenden Irak-Krieg. Es wurde wohl seitens des BND Mannes auf die Zweifelhaftigkeit des Informanten hingewiesen, aber in der Welle der heute morgendlichen moralischen Empörung soll es nicht untergehen.
Liechtenstein deckt jahrzehntelang Straftaten deutscher
Staatsbürger und jetzt diskutieren wir darüber, ob der
Kauf der Daten "ein Geschmäckle" hat?
Absurd!
Liechtenstein gehört auf die Liste der Terrorstaaten.
Das "Fürstentum" [sic!] lebt davon, Schäden in
Höhe von Milliarden Euro in seinen Nachbarländern
anzurichten.
Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum die4 meistene erstmal unterstellen, dass der BND, die Regierung, die Finanzbehörde, die Staatsanwälte vorsätzlich Recht brechen würden, ohne das irgendwer die genaueren Umstände kennt.
Es gibt doch viele denkbare und undenkbare Szenarien, die offensichtlich korrekt wären.
z.B. Der BND fahndet nach Waffenschiebern, Drogenhändlern, Terroristen, Geldwäschern, Mafia was weiß ich, vieles ist möglich.
Dabei ergeben sich Anhaltspunkte, dass finanzielle Transaktionen in Liechtenstein stattgefunden haben.
Der BND sucht nun nach einer Möglichkeit, an Bankinformationen aus erster Quelle zu kommen.
Ein oder mehrere Mitarbeiter der betreffenden Bank werden kontaktiert. Ein gut bezahlter Manager der Bank ist bereit, womöglich weil er auch etwas gegen Waffenschieberei oder Drogenhandel hat, Daten zu besorgen. Aber klar ist: er muss danach untertauchen, kann nicht mehr in seinem Job bleiben, fürchtet um sein Leben.
Also braucht er Geld und ein neue Identität. BND ermöglicht das.
Geheimdienstprozedere wie es wohl X-fach vorkommt.
Der Informant schleußt nun eine ganze Datensicherungs CD aus der Bank.
Auf der CD befinden sich neben den gewünschten Informationen auch noch Kontenangaben von hunderten deutschen Steuerhinterziehern.
BDN gibt diese Datensätze an die deutschen Finanzermittler weiter, man einigt sich auf eine Kostenbeteiligung.
Ende Gelände, alles völlig mit deutschen Gesetzen vereinbar, außer natürlich die Steuerhinterziehungen der deutschen Konteninhaber.
Und auf die sollte man sich dann auch wieder konzentrieren.
Die selben Leute, die davon profitiert haben, dass der Staat viel Geld ausgegeben hat, um zu prüfen, warum Gefangene in Guantanamo von den Amerikaner festgehalten werden, wo wir Millionen für einen Untersuchungsausschuss ausgegeben haben, die fragen jetzt bigott, ob denn der Staat Geld ausgeben darf, wenn er tausende von Kriminellen jagt. Geht es noch?
Die Verfassung gebietet Verhältnismäßigkeit. Da sind 5 Mio über alle Massen verhältnismäßig. Ganz anders als unsere unverhältnismäßige und erfolglose sechsjährige Beteiligung des Krieges in Afghannistan zur Beschaffung von 8.200 Tonnen Rohopium in 2007.
In Afghanistan sind wir, weil die USA behauptet haben von dort von Herrn Osama bin Laden und seinen Leuten angegriffen worden zu sein. Nach sechs Jahren läuft Herr bin laden immer noch frei rum und wir ändern nichts an unserer Strategie. Cash Burnen ohne Ende.
Bei Herrn Zumwinkel haben wir schon Zahlungsflüsse am ersten Tag der Massnahmen zur Bekämpfung krimineller Betrüger, die dem Staat das Geld stehlen.
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