Steuer-Dokumente So wurde Luxemburg-Leaks recherchiert

Ausrris aus einer Seite des Luxemburg-Leaks

(Foto: PwC-Dokumente)

28.000 Seiten bisher geheime Steuerdokumente - sie dokumentieren, wie Luxemburg Hunderten Konzernen geholfen hat, Steuern in Milliardenhöhe zu sparen.

Von Bastian Brinkmann

Es sind nur etwas mehr als vier Gigabyte, das passt heutzutage auf jeden USB-Stick. Doch das Material aus Luxemburg hat es in sich: Aus 28 000 Seiten bisher geheimer Steuerdokumente geht hervor, wie deutsche und ausländische Konzerne Milliarden an Steuern vermeiden. Die luxemburgische Regierung genehmigt ihnen schwindelerregende Konstrukte, vor denen deutsche Finanzbeamte kapitulieren. Erdacht werden die Steuersparmodelle von den hochspezialisierten Mitarbeitern der Beratergesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Ende April erfahren Journalisten weltweit von diesen Datensatz. Es beginnt eine monatelange Recherche von mehr als 80 Reportern in 26 Ländern. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) koordiniert die internationale Kooperation. Der Journalistenverein mit Sitz in Washington finanziert sich durch Spenden und gehört zum Center for Public Integrity, einer Stiftung, die sich dem investigativen Journalismus verschrieben hat.

Das Thema gewinnt während der Recherchen an Brisanz. Im Mai wählen die Bürger Europas die christdemokratische EVP bei den Wahlen fürs Europarlament zur stärksten Partei — ihr Spitzenkandidat heißt Jean-Claude Juncker. Er ist der ehemalige Premierminister von Luxemburg, in seine Amtszeit fallen viele Fälle des Luxemburg-Leaks. Ende Juni nominieren die Staats- und Regierungschef der EU ihn als Präsidenten der Europäischen Kommission, Ende Oktober wählt ihn das neue Europaparlament ins Amt.

PwC-Berater erstellten für Konzerne komplizierte Strukturen

(Foto: PwC-Dokumente)

Die 28 000 Seiten bestehen vor allem aus Dokumenten, die die PwC-Berater geschrieben haben. Sie nutzen jede Lücke in der internationalen Steuergesetzgebung und bauen so die Offshore-Konstrukte für ihre Kunden. Diese besprechen sie wenn nötig mit den Luxemburger Steuerbeamten. Am Ende schicken sie einen Antrag an die zuständige Behörde — der staatliche Stempel sichert dem Konzern dann zu, dass sein Steuersparkonstrukt als legal anerkannt wird. Deswegen dokumentieren die Unterlagen exakt, wie die Steuerflucht für insgesamt 343 Konzerne abläuft.

ICIJ-Journalisten haben die Dateien so bearbeitet, dass sie für Reporter von Dutzenden Medien auf der ganzen Welt durchsuchbar waren*. Die Journalisten nutzen ein verstecktes Online-Forum, um sich über den Fortschritt der Recherchen wie in einem digitalen Newsroom auszutauschen. Gerade internationale Konzerne sind in so vielen Ländern aktiv, das erst die Zusammenarbeit von Kollegen in den jeweiligen Ländern den Fortschritt brachte. Stellte ein europäischer Journalist abends ein Fundstück ins Forum, antwortete über Nacht ein australischer Rechercheur, der ein dazu passendes Puzzle-Stück der Geschichte gefunden hat.

Auch die Leser können in den Original-Dokumenten recherchieren. Das ICIJ hat 548 Steuer-Deals zwischen Konzernen und Luxemburg in einer interaktiven Anwendung aufbereitet.

Konzerne verschieben Kapital über Luxemburg

(Foto: PwC-Dokumente)

*Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle haben wir einen missverständlichen Satz entfernt. In einer früheren Version hieß es: "Die Fälle wurden nach Länderzuständigkeiten analysiert und zugeteilt." Es gab keine Zuteilung nach Länderzuständigkeiten. Die Wahl der Recherchenthemen war völlig frei. Die Erfahrung zeigt aber, dass die beteiligten Reporter aus Relevanzgründen zumeist selbst Schwerpunkte auf Fälle legen, die das Erscheinungsgebiet ihrer Medien betreffen.