Die Verlagerung von Stellen an Orte wie das indische "Silicon Valley" Bangalore dauert an. Ihre Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt sind allerdings nicht nur negativ. Denn höhere Gewinne bewirken höhere Investitionen.
Jede Woche packen die Mitarbeiter der Firma Agtos im münsterländischen Emsdetten Materialkisten für Polen. Im 800 Kilometer entfernten Tochterbetrieb in Konin stellen 40 Beschäftigte - Mechaniker, Zeichner, Schlosser - Komponenten für den Maschinenbau her.
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Die größten Arbeitgeber, die größten Arbeitsplatzschaffer und -vernichter: Auf die Lupe klicken. (© Grafik: sueddeutsche.de)
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Eine Überlebensstrategie: Ohne die Produktion im Osten hätte die Firma keine Chance auf dem hart umkämpften Markt, glaubt Geschäftsführer Antonius Heitmann. Die Produktivität sei in Polen inzwischen so groß wie in Deutschland. Die Arbeitskosten aber liegen nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit 3,60 Euro nur bei 14 Prozent eines deutschen Stundenlohns.
Nachdem zuerst Großkonzerne der Verlockung nicht widerstehen konnten, suchen nun immer mehr Zulieferer aus dem Mittelstand nach günstigen Produktionsstätten in Osteuropa oder gleich in Asien.
Die vergangenen Monate markieren den Beginn eines neuen Globalisierungsschubs: Im großen Stil kündigten Unternehmen an, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.
Spektakuläre Drohungen
Spektakuläre Drohungen von Schwergewichten wie Siemens, DaimlerChrysler oder MAN schürten die Angst vor einem massenhaften Exodus. Ob zu Recht oder Unrecht - darüber streiten die Experten. Denn verlässliche Statistiken gibt es über Verlagerungen und die volkswirtschaftlichen Folgen der Abwanderung aus Deutschland nicht.
Auch wenn die Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr nach zweijähriger Durststrecke in vielen Branchen wieder zulegt haben: "Der Rationalisierungsdruck wächst", sagt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte beim IW.
Vor allem in der Konsumgüter-, der Elektroindustrie und der Finanzbranche sehen Experten Handlungsbedarf. Schäfer ist sich sicher: "Die Verlagerung wird weitergehen." Siebzig Prozent der deutschen Unternehmen rechnen nach einer IW-Umfrage mit stärkerer Konkurrenz durch die EU-Osterweiterung.
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) hat zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger herausgefunden, dass jedes vierte Unternehmen schon ganze Abteilungen ins Ausland verlagert hat.
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